An einem Zelt hängt am 26.11.2013 im Camp auf dem Oranienplatz in Berlin ein Schal des Eishockey-Clubs Eisbären Berlin.(Quelle: dpa)

BerlinTrend Dezember 2013 - Jeder zweite Berliner hat Verständnis für Flüchtlingscamp

Seit über einem Jahr protestieren Flüchtlinge auf dem Kreuzberger Oranienplatz, das sorgt für Streit zwischen Bezirk und Senat. Bezirksbürgermeisterin Herrmann duldet den Protest, Innensenator Henkel will räumen lassen. Doch wie stehen eigentlich die Berliner dazu?

Das Flüchtlingscamp auf dem Kreuzberger Oranienplatz spaltet die Berliner. Das zeigt der aktuelle BerlinTrend von infratest- dimap im Auftrag der rbb-Abendschau und der Berliner Morgenpost. Etwa jeder zweite Befragte gab an, er habe Verständnis für die Flüchtlinge und deren Unterstützer. Zwei Drittel der Befragten plädieren für weitere Verhandlungen mit den Flüchtlingen. Ein Drittel ist aber dafür, das Lager von der Polizei räumen zu lassen.

Vor allem junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren und die Anhänger von Grünen, Linkspartei und SPD sind für Gespräche mit den Flüchtlingen. Anhänger der CDU sind zwar mit 51 Prozent auch mehrheitlich für Verhandlungen, immerhin 45 Prozent von ihnen sprechen sich aber für die Räumung aus.

Shoppen in der Steglitzer Schloßstraße

Die Meinungsforscher fragten außerdem nach Berlins beliebtester Einkaufsmeile. Den Spitzenplatz belegt die Steglitzer Schloßstraße. 27 Prozent der Befragten gehen dort am liebsten bummeln. Auf dem zweiten und dritten Platz liegen der Alexanderplatz und der Kurfürstendamm samt Umgebung. Dann folgen Potsdamer Platz, Friedrichstraße, Spandauer Arcaden und Spandauer Altstadt sowie die Gropiusstadt. 13 Prozent der Befragten antworteten allerdings, niemals shoppen zu gehen oder zumindest nie in einer großen Einkaufsmeile.

Kontrolliertes Kiffen?

Ein anderes Thema, das die Berliner beschäftigt, ist der Vorschlag des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, künftig die kontrollierte Abgabe von Haschisch in Coffeeshops zu ermöglichen. Im BerlinTrend wird nun klar: Das Vorhaben wird mehrheitlich von den Berlinern abgelehnt. 49 Prozent lehnen den Plan ab. 45 Prozent der Befragten aber finden, dass diese Idee in die richtige Richtung geht.

Unterstützung findet Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) dabei im eigenen Lager: 70 Prozent der Grünen-Anhänger befürworten den Plan, mit legaler Abgabe weicher Drogen kriminellen Dealern den Boden zu entziehen. Auch bei den Linken ist eine Mehrheit für die Idee von Coffee-Shops (55 Prozent).

Die SPD-Wähler sind unentschieden (47 Prozent) sind dafür, 47 Prozent dagegen. Nur unter den Sympathisanten der CDU hat das Vorhaben des Bezirks keine Chance. Mit 64 Prozent sind fast zwei Drittel der Unions-Wähler gegen Coffee-Shops, ein Drittel (32 Prozent) ist dafür.

Nach Bildungsniveau betrachtet sind Berliner mit Abitur eher bereit, ein solches Experiment in der Drogenpolitik zu versuchen als Bürger mit niedrigerem Schulabschluss. Insgesamt genießt die Idee der kontrollierten Abgabe unter jungen Berlinern mehr Sympathie als unter den Älteren.

Sonntagsfrage: CDU überholt SPD

In der Wählergunst der Berliner führt die CDU vor der SPD, und zwar im Osten wie im Westen der Stadt.

Wenn am kommenden Sonntag Wahl zum Abgeordnetenhaus wäre, würden insgesamt 29 Prozent der Befragten CDU wählen, gefolgt von der SPD mit 26 Prozent. Damit hat sich der Trend im Vergleich zur vorigen Umfrage umgekehrt, als die SPD noch vorn lag.

In den Ostbezirken aber liegt mit 26 Prozent wieder die Linke an der Spitze. Auch hier also ein Wechsel im Vergleich zur vorigen Umfrage, bei der ebenfalls noch die SPD vorn lag. In Berlin insgesamt hat die Linke die Grünen (16 Prozent) überholt und kommt mit 17 Prozent auf Platz 3. Die Piraten würden mit nur 3 Prozent Zustimmung wieder aus dem Abgeordnetenhaus ausscheiden.

Frank Henkel (Quelle: dpa)
Frank Henkel - ein Viertel der Befragten kennt ihn nicht.

Ein Viertel der Befragten kennt Henkel nicht

Die Arbeit des Senats wird von den Befragten eher kritisch eingeschätzt. Mit deutlicher Mehrheit von 61 Prozent sind sie wenig oder gar nicht mit dem Senat zufrieden. Im Osten ist die Unzufriedenheit dabei noch größer als im Westen.

Zufrieden mit der Senatsleistung sind vor allem junge Menschen, und zwar 46 Prozent der 18- bis 29-Jährigen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat zwar an Zustimmung hinzugewonnen, 37 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden, aber 60 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden. Sein Stellvertreter, Innensenator Frank Henkel (CDU), kann ähnliche Zustimmungswerte verzeichnen: 35 Prozent der Befragten sind mit ihm zufrieden. Ein Viertel der Befragten kennt Henkel jedoch überhaupt nicht.

Außerdem wurde gefragt, ob es für die Stadt eher von Vorteil oder von Nachteil ist, wenn Deutschland von einer Großen Koalition aus CDU und SPD regiert wird. 43 Prozent der Befragten meinen, das wäre zum Vorteil Berlins. 34 Prozent befürchten dagegen eher Nachteile.

Für die repräsentative Stichprobe hatte infratestdimap 1000 Berliner befragt.

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