
Erinnerung an den 71. Jahrestag des "Auschwitz-Erlasses" - Gedenken an ermordete Sinti und Roma
Vor 71 Jahren verfügte die SS, "Zigeunermischlinge" und "Angehörige zigeunerischer Sippen" in Konzentrationslager zu deportieren. 100.000 von ihnen kamen in den Jahren der Nazi-Diktatur um. In Oranienburg wurde am Freitag der Deportierten und Ermordeten gedacht.
Das Land Brandenburg und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma haben am Freitag in der Gedenkstätte Sachsenhausen an das Leid der Opfer des Nationalsozialismus erinnert.
Brandenburgs Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident Helmuth Markov (Linke) rief dabei zur Bekämpfung von Antisemitismus und Rassismus auf. Die NS-Verbrechen hätten auf furchtbare Weise gezeigt, wie wichtig das Engagement für Freiheit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit und ein würdiges Leben für alle sei. Der Völkermord an den Sinti und Roma sei der "schreckliche Höhepunkt einer langen Geschichte von Diskriminierung und Verfolgung".
Markov erinnerte in seiner Rede an den sogenannten Auschwitz-Erlass, der vor 71 Jahren veröffentlicht wurde. Am 16. Dezember 1942 hatte SS-Reichsführer und Polizeichef Heinrich Himmler diesen Erlass verfügt. Damit begann die Deportation von tausenden Sinti und Roma aus elf Ländern Europas in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Darunter waren auch mehrere tausend deutsche Sinti und Roma aus dem damaligen Reichsgebiet. Fast alle von ihnen wurden ermordet. Insgesamt wurden im besetzten Europa nach Angaben der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten mehrere Hunderttausend Sinti und Roma durch SS-Einheiten oder in Konzentrationslagern ermordet.
Bei der Gedenkveranstaltung wurde auch eine rund 40-köpfige Delegation des Zentralrates begrüßt, darunter etwa 15 Überlebende.
Zentralrat warnt vor neuer Ausgrenzung der Sinti und Roma
Der Vorsitzende des Zentralrates der Sinti und Roma, Romani Rose, warnte vor einem wachsenden Rassismus gegen die Minderheit in Europa. In der Debatte über mögliche Armutszuwanderung werde von Medien und Politik eine Stimmung geschürt, die Sinti und Roma erneut ausgrenze und pauschal als "Armutszuwanderer" diffamiere, sagte Rose bei der Gedenkfeier.
In Deutschland und Europa breite sich ein zunehmend gewaltbereiter Rassismus gegen Sinti und Roma aus, der nicht nur die Minderheit bedrohe, erklärte Rose. Dieser teils offene, teils verdeckte Rassismus werde nicht nur von Rechtsextremen getragen, sondern finde immer mehr Rückhalt in der Mitte der Gesellschaft.
Die "Angriffe rechtsextremer Banden und Parteien", die ihren Wahlkampf in vielen Ländern fast ausschließlich mit rassistischer Hetze gegen Sinti und Roma betrieben, zielten jedoch nicht nur auf Minderheiten, betonte Rose: "Sie zielen vielmehr auf unsere Demokratie."

