
Nach Skandal um Misshandlungen - Haasenburg-Heime müssen bis zum 20. Dezember schließen
Seit Wochen ist klar, dass die Haasenburg-Jugendheime in Brandenburg schließen müssen, unklar war nur das Wann. Nun hat das Bildungsministerium eine Frist festgesetzt: Bis zum 20. Dezember muss der Betrieb eingestellt werden. Hintergrund sind Misshandlungsvorwürfe; in 70 Fällen wird gegen die drei Heime ermittelt.
Die wegen Misshandlungsvorwürfen in der Kritik stehenden Haasenburg-Heime werden zum 20. Dezember dicht gemacht. Diesen Termin hat das brandenburgische Bildungs- und Jugendministerium am Freitag der Haasenburg GmbH schriftlich mitgeteilt. Das Wohl der Kinder und Jugendlichen in den drei Einrichtungen in Jessern, Neuendorf und Müncheberg sei gefährdet, hieß es zur Begründung.
Die zuständige Ministerin Martina Münch (SPD) hatte die Schließung an sich bereits Anfang November angekündigt. Zuvor hatte eine Expertenkommission in den Heimen unhaltbare Erziehungsmethoden festgestellt. Der Bericht verweise ausdrücklich darauf, "dass eine latente Gefährdung für die dort untergebrachten Jugendlichen besteht, da diese jederzeit mit unverhältnismäßigen körperlichen Zwangsmaßnahmen rechnen müssen", wird Münch in einer Mitteiltung ihres Ministeriums vom Freitag zitiert.
Ermittlungen in 70 Fällen
In nahezu allen Bereich der Haasenburg-Heime gebe es erheblichen Reformbedarf. "Diese weitreichenden Reformen sind, auch nach meiner Erkenntnis, weder realistisch noch umsetzbar. Aus diesem Grund wird die Betriebserlaubnis widerrufen", so Münch weiter.
Wegen der Misshandlungsvorwürfe hat die Staatsanwaltschaft Cottbus Ermittlungen in rund 70 Fällen aufgenommen. Inzwischen leben nur noch 20 Schützlinge in zwei der insgesamt drei Brandenburger Heimen. Ursprünglich hatten die Häuser in Jessern, Neuendorf und Müncheberg weit über 100 Plätze für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche. Die Minderjährigen aus ganz Deutschland werden von ihren heimischen Jugendämtern nun anderweitig untergebracht.
Heimaufsicht wird personell aufgestockt
Münch selbst war nach der Aufdeckung der Missstände in den Haasenburg-Heimen selbst unter Druck geraten. So wurde ihr von der Opposition vorgeworfen, nicht die politische Verantwortung zu übernehmen und diese auf die Mitarbeiter in den Ministerien und im Landesjugend abzuschieben.
Münch hatte bereits kurz nach der Veröffentlichung des Berichtes im Januar angekündigt, die Heimaufsicht werde personell neu aufgestellt und möglicherweise auch durch externe Kontrollen verstärkt. Die Heimaufsicht muss in Brandenburg rund 400 Einrichtungen der Jugendhilfe kontrollieren.




