Video: Abendschau | 12.12.2013 | Beitrag von Florian Eckardt
Opposition kritisiert Doppelhaushalt -
"Haushalt der verpassten Möglichkeiten"
Mehr als 12 Stunden lang wurde im Berliner Abgeordnetenhaus über den Haushaltsentwurf für die Jahre 2014/15 debattiert. Zündstoff gab es genug - die Opposition wirft der Regierung nämlich vor, die günstige Haushaltslage nicht für Investitionen zu nutzen und sich mit dem Schuldenabbau zu brüsten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hält dagegen: Schuldenabbau habe Priorität. Berlin wolle nicht ewig zu den Nehmerländern gehören.
"Wir wollen zum Geberland werden", lautet die Vision von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Seit 1995 erhält die Hauptstadt Gelder aus dem Finanzausgleich, rund 48 Milliarden Euro kamen dem Land seitdem dadurch zugute, allein 2012 rund 3,2 Milliarden Euro. Doch das will der Regierende ändern, sagte er am Donnerstag in der Haushaltsdebatte im Berliner Abgeordnetenhaus.
Der Doppelhaushalt 2014/15, der mehr als zwölf Stunden Plenum diskutiert und kurz nach 23 Uhr verabschiedet wurde, sieht vor: 23 Milliarden Euro Ausgaben, keine Schulden mehr, 90 Millionen Schuldenabbau im Jahr 2014 abbauen, 2015 dann gleich 226 Millionen. Der rot-schwarze Senat will die 63 Milliarden Euro Schuldenlast drücken, die das Land belasten. Ein Abbau also, obwohl wegen der Zensus-Ergebnisse in Zukunft sogar erheblich weniger Geld aus dem Länderfinanzausgleich fließt. Hintergrund ist die gute Einnahmesituation.
So sieht der Haushaltsplan von Finanzsenator Nußbaum aus
"Schwarze Null und Schuldenabbau"
Bei der Opposition kommt das so an: "Haushalt der verpassten Möglichkeiten" (Ramona Pop / Grüne), "überkandidelte Träumereien" (Udo Wolf / Linke). Auch die Piraten stimmen in diesen Tenor ein. Sie kritisieren den Haushaltsplan von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) vor allem deswegen, weil theoretisch ein Spielraum von 400 bis 500 Millionen Überschuss zum Investieren bereit liegt, am Ende aber "nur" Investitionen von rund 1,5 Milliarden fließen.
Grüne, Linke und Piraten warfen der Regierung deshalb vor, sich mit Überschüssen und Schuldenabbau zu brüsten. Dafür ließen sie Schulen, Bäder, Kitas und Straßen verrotten und steckten zu wenig Geld in Bildung, Kultur, freie Kunstszene, Energiewende, an das Stadtwerk und den Wohnungsneubau flössen zudem lächerliche Summen.
Die Opposition stellt die Frage in den Raum: "Wenn nicht jetzt, wann dann?" Zehn Jahre harter Sparkurs liegen hinter den Menschen, so Wolf. "Sie unterwerfen alle Politik nur einem Ziel: Der schwarzen Null und dem Abbau der Altschulden". Dabei wüssten Wowereit und der gesamte Senat, dass Berlin seine Altschulden ohne Hilfe des Bundes nicht abbauen könnten.
Weitere Einnahme-Quellen für Freie Kunstszene
Wowereit hat die Kritik erwartungsgemäß zurückgewiesen. Dem rbb sagte er am Rande der Debatte über den Doppelhaushalt, dass in diesem Jahr zwischen 400 und 500 Millionen Euro übrigblieben, aber dieses Geld jetzt nicht mehr ausgeben könne. Deshalb werde das Geld für die Rückzahlung von Schulden eingesetzt. Dadurch würden im nächsten Jahr weniger Zinsen anfallen. Der Haushalt für die kommenden beiden Jahre sei dagegen ausgeglichen.
Wollen raus aus der Schuldenfalle: Innensenator Henkel (CDU, l.) und Wowereit
Zudem würden 23,5 Milliarden Euro würden ausgegeben und es bleibe zunächst nichts übrig. Was an Mehreinnahmen vorhanden sei, werde auch ausgegeben. Zugleich betonte Wowereit, dass für die Freie Kunstszene eine Etat-Steigerung von 20 Prozent vorgesehen sei. Das gebe es in keinem anderen Bereich des Haushalts. Außerdem gebe es noch weitere Finanzierungsquellen für die Freie Szene, wie den Hauptstadtkultur-Fonds, Gelder aus den Bezirken oder aus Lotto-Mitteln. Der Weg vom Nehmer- zum Geberland sei schwer, aber seit 2005 lägen Berlins Konjunkturdaten über dem Bundesdurchschnitt. "Wir setzen bei Bildung, Kultur und Wissenschaft die richtigen Schwerpunkte", sagte Wowereit.
Berlin will keine neuen Schulden machen
Berliner Doppelhaushalt 2014/2015: Wer bekommt wieviel?
Lange haben SPD und CDU in Berlin über den Doppelhaushalt verhandelt. Am Donnerstag soll er im Abgeordnetenhaus verabschiedet werden - nach 14-stündiger Sitzung. Wer von den Beschlüssen profitiert und wer verliert - ein kurzer Überblick in alphabetischer Reihenfolge. Von Ute Schuhmacher
A wie Arbeit: Federn lassen müsen vor allem die Arbeitsmarktprogramme für Langzeitarbeitlose. Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) bekommt in den nächsten beiden Jahren insgesamt rund 26 Millionen Euro weniger als bisher. Sie kann deshalb nicht mehr 2.800 Langzeitarbeitslose in einem Beschäftigungsprogramm unterbringen, sondern nur noch 1.700.
C wie City Tax: Sie soll ab 2014 von Touristen kassiert werden. Geschäftsreisende dagegen sind von ihr ausgenommen. Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) verspricht sich durch die neue Abgabe Mehreinnahmen von 25 Millionen Euro.
F wie Freie Szene: Für die Freie Szene sind genau diese 25 Millionen Euro die entscheidende Grenze: Alles was Berlin darüber hinaus durch die City Tax einnimmt, kommt zu einem Drittel der Freien Szene zugute. Davon abgesehen bekommen sie vom Senat gut eine Million Euro. Gefordert hatten sie allerdings erheblich mehr. Offen ist zudem noch, wie es mit Sasha Waltz und ihrer Tanzcompagnie weiter geht: Die Regierung wollte ihr 500.000 Euro mehr geben und das Geld aus dem Etat der Opernstiftung nehmen. Das aber wollten weder Waltz noch die Stiftung.
G wie Grunderwerbsteuer: Sie wird zum nächsten Jahr von 5 auf 6 Prozent steigen. Berlin verspricht sich dadurch Mehreinnahmen von 100 Millionen Euro.
I wie Innenressort: Mehr Personal bekommen Polizei und Feuerwehr. Insgesamt sind es gut 200 Stellen, die Innensenator Frank Henkel (CDU) mehr bekommt. Die meisten neuen Mitarbeiter werden im Gebäudeschutz arbeiten.
R wie Radverkehr: Eigentlich wollte der Senat den Etat von 5,5 Millionen Euro auf 4,5 Millionen Euro zusammenstreichen. Doch die Abgeordneten haben letztlich beschlossen: 2014 und 2015 sollen jeweils 6 Millionen Euro für den Radverkehr in Berlin ausgegeben werden.
S wie Schlaglöcher: Das Schlaglochsanierungsprogramm wird fortgesetzt: Pro Jahr gibt es 25 Millionen Euro zusätzlich zum allgemeinen Straßenbautopf. Das war auch in diesem Jahr schon so - erhöht wird das Schlaglochprogramm also nicht.
S wie Schulen und Sportstätten: Für die Sanierung der Schulen und Sporthallen werden wie bisher 32 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es noch ein Programm für Brennpunktschulen. Schulen in sozialen Brennpunkten können bis zu 100.000 Euro pro Jahr bekommen, um etwa Sozialarbeiter zu beschäftigen.
S wie Stadtwerk: Ein neuer Posten kommt ab 2014 hinzu: Das neue Stadtwerk bekommt pro Jahr 5,5 Millionen Euro. Das sind satte vier Millionen mehr als vom Senat ursprünglich geplant.
T wie Tierpark: Fünf Millionen Euro bekommt der künftige Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem, der Mitte des Jahres sein neues Amt tritt, für den Tierpark in Friedrichsfelde. Mit dem Geld soll der Masterplan für den Tierpark umgesetzt werden, vor allem für einen Erlebnisspielplatz. Der Plan war bereits 2011 erarbeitet, aber bislang nicht abgerufen worden.
W wie Wohnen: Für den Wohnungesneubau gibt es pro Jahr 64 Millionen Euro zusätzlich. Insgesamt will Berlin in fünf Jahren 320 Millionen Euro in neue Wohnungen investieren, um mehr günstigen Wohnraum zu schaffen. Weitere Bildergalerien
Aber nicht nur der Haushalt stand am Donnerstag auf dem 14-stündigen Programm des Abgeordnetenhauses. Die Abgeordneten verabschiedeten auch einen Teil der Parlamentsreform. Danach steigt die steuerfreie Kostenpauschale der Abgeordneten von derzeit 1.018 auf 1.500 Euro. Wer ein externes Büro anmietet, bekommt noch 1.000 Euro dazu.
Die Diäten der Abgeordneten bleiben unverändert bei 3.477 Euro, die der Bezirksverordneten werden von 345 auf 582 Euro erhöht. Der Reform stimmte die große Mehrheit der Abgeordneten zu, die meisten Grünen enthielten sich.
Die Abgeordneten beschlossen außerdem die Einführung der umstrittenen City-Tax. Danach müssen Touristen bereits ab Januar 2014 eine Übernachtungssteuer in Höhe von fünf Prozent der Netto-Hotelrechnung bezahlen. Geschäftsreisende snd davon ausgenommen. Die City-Tax soll der Stadt jährlich 25 Millionen extra bringen – doch der Hotelverband DEHOGA hat bereits Klagen dagegen angekündigt und ist sich sicher, das Gesetz zu Fall bringen zu können.
Das sieht die Parlamentsreform in Berlin vor
Wahlkreisbüros für alle
Jeder der 149 Abgeordneten soll künftig ein eigenes Wahlkreisbüro samt Mitarbeitern bekommen. Näher dran am Bürger wären die Abgeordneten - sagen die Befürworter der Reform - SPD, CDU, Linke und Piraten. Die Grünen dagegen schimpfen, der Grund für die Wahlkreisbüros sei nur der Platzmangel im Abgeordnetenhaus selbst. Finanziert werden sollen die Wahlkreisbüros über eine deutlich höhere Kostenpauschale: Steuerfreie 2.500 Euro beträgt sie statt der bisherigen 1.018 Euro. Mit der Pauschale sollen jeweils Miete, Telefon, Porto, Fahrtkosten und Schreibarbeiten bezahlt werden. Wer kein Wahlkreisbüro mietet, bekommt allerdings 1.000 Euro weniger.
Mehr Geld für Mitarbeiter
3.000 Euro soll jeder Abgeordnete künftig monatlich für Mitarbeiter ausgeben dürfen. Das ist mehr als fünf Mal so viel wie bisher: 580 Euro standen den Parlamentariern bisher zur Verfügung. Neu ist auch eine einmalige Pauschale für die Büroeinrichtung: 5.000 Euro schlagen dafür pro Abgeordnetem zu Buche.
Diäten der Abgeordneten bleiben gleich
Entgegen ursprünglichen Planungen sieht die Parlamentsreform keine Diätenerhöhung vor. Wie bisher bekommen die Abgeordneten monatlich 3.477 Euro.
Regierender Bürgermeister darf mehr Senatoren einsetzen
Bislang darf der Regierende Bürgermeister maximal acht Senatoren ernennen. Das soll sich zum 1. Januar 2014 ändern: Die Parlamentsreform erlaubt jetzt bis zu zehn Senatorenposten. Der Bund der Steuerzahler befürchtet, dass dadurch auch die Zahl der Staatssekretäre in die Höhe schnellt - und die ist in Berlin mit derzeit 23 ohnehin schon bundesweit am höchsten. Die Entscheidung darüber, wie viele Staatssekretäre es gibt, soll auch nach der Reform wie bisher der Senat entscheiden - und nicht das Abgeordnetenhaus.
Parlamentsdebatten beginnen und enden früher
Künftig sollen die Plenardebatten schon um 11 Uhr beginnen statt wie bislang um 13 Uhr. Neu ist auch eine feste zeitliche Begrenzung: Um 19 Uhr ist künftig Schluss. Was bis dahin nicht verhandelt wurde, wird vertagt. Lange Nachtdebatten vor leeren Rängen sollen damit ein Ende haben. Die Grünen befürchten allerdings, dass durch das feste Tagungsende manche Themen gar nicht mehr verhandelt werden.
Nach mehr als zwölfstündiger Debatte wurde auf der letzten Sitzung des Jahres der Doppelhaushalt 2014/2015 verabschiedet. Außerdem wurde die City-Tax beschlossen und ein Teil der Parlamentsreform verabschiedet.
Finanzsenator Nußbaum ist am Ziel: Das Abgeordnetenhaus hat die so genannte Bettensteuer einstimmig beschlossen. Die City-Tax soll Berlin jährlich 25 Millionen extra in die Kasse spülen. Der Hotelverband DEHOGA hofft allerdings, die Abgabe noch zu Fall zu bringen. Er kündigte bereits vor der Abstimmung Klage an.
Durchbrüche in der East Side Gallery sorgen seit Monaten für Proteste. Jetzt soll es einen Eigentümerwechsel für das längste noch erhaltene Stück Mauer geben: Nicht mehr der Bezirk, sondern Bund und Land sollen die Mauer betreuen. Das Berliner Parlament ist dafür – ob der Bund mitmacht, ist unklar.