Das Kinder und Jugendzentrum Haasenburg in Neuendorf am See (Quelle: rbb/Franziska Weigelt)

Unterlagen: Zustände seit Jahren ignoriert - Haasenburg-Heime: Landesjugendamt soll zu spät reagiert haben

Wenige Tage nachdem das Bildungsministerium die Schließung der Haasenburg-Heime eingeleitet hat, gibt es erneut Zündstoff: Das Brandenburger Landesjugendamt soll Hinweise auf die unhaltbaren Zustände in den Einrichtungen ignoriert haben - und das seit Jahren. Das geht aus Unterlagen hervor, die dem rbb vorliegen.

Das Landesjugendamt Brandenburg mit in Sitz in Bernau soll Hinweise auf unhaltbare Zustände in den Haasenburg-Heimen seit 2008 ignoriert haben. Das geht aus Unterlagen hervor, die dem rbb vorliegen. 

Darin heißt es, die Behörde habe ihre Aufsichtspflicht nicht ausreichend wahrgenommen. Beschwerden von Mitarbeitern und sozialen Diensten über unzumutbare Erziehungsmethoden seien missachtet worden. Mitarbeiter des Landesjugendamts hätten eingeräumt, man hätte konsequenter gegen körperliche Übergriffe vorgehen müssen.

Das brandenburgische Jugendministerium hatte in der vorigen Woche ein Verfahren zur Schließung der Haasenburg-Heime eingeleitet. Die Haasenburg GmbH hat von Donnerstag an eine Woche Zeit, sich zu äußern - danach erstellt das Ministerium den endgültigen Bescheid. Der Heimbetreiber könnte sich gegen die geplante Schließung juristisch zur Wehr setzen.

Gravierende Mängel im Umgang mit Kindern

Derzeit sollen noch etwa 30 Kinder und Jugendliche in den drei Heimen leben, die ursprünglich weit über 100 Plätze hatten. Hier hatten Jugendämter aus ganz Deutschland schwer erziehbare Kinder und Jugendliche untergebracht.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt wegen Misshandlungsvorwürfen gegen Erzieher und Betreiber. Zudem wird geprüft, ob es Anhaltspunkte für wirtschaftliche Unregelmäßigkeiten bei der Haasenburg GmbH gibt. Eine unabhängige Untersuchungskommission hatte im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen gravierende Mängel angeprangert. Zudem stieß das Gremium auf Hinweise, dass aus Kostengründen nicht so viel Personal eingestellt wurde, wie angegeben. Der Heimbetreiber weist alle Vorwürfe zurück.