
Räumung abgesagt - Obdachlose aus der Eisfabrik ziehen vorerst in eine Kirche
Das Gelände der alten Eisfabrik zwischen Spree und Köpenicker Straße steht seit Jahren leer - und dient Obdachlosen als Unterkunft. Am Freitag sollten die Bewohner nach Aufforderung des Eigentümers eigentlich die Ruinen verlassen. Doch sie lehnten die Unterbringung in Notunterkünften ab und forderten reguläre Wohnungen.
Die Räumung der ehemaligen Berliner Eisfabrik in Mitte ist gescheitert. Die Bewohner der Ruine in der Köpenicker Straße lehnten am Freitag die angebotene Hilfe des Sozialamts Mitte ab. Sie blieben damit vorerst in dem maroden Gebäude, sagte Mittes Sozialstadtrat Stephan Dassel (Grüne).
18 Bewohner sind nun vorübergehend in der katholischen Kirche Sankt Michael im Bezirk Mitte untergekommen. Sie würden dort für eine Nacht bis zum Samstag beherbergt, sagte Pfarrer Michael Wiesböck der Nachrichtenagentur dpa am Freitagabend. Am Wochenende solle gemeinsam mit der Caritas versucht werden, eine Lösung für die nächsten Tage zu finden, bis die Behörden sich des Problems annehmen könnten. Allerdings sei es dort sehr kalt, es gebe keine ausreichenden sanitären Anlagen, sagte Wiesböck.
Der Eigentümer des leerstehenden Gebäudes hatte die Obdachlosen in dem Haus aufgefordert, bis zum Freitagmorgen das Gelände zu verlassen. Nach Angaben der Polizei war dafür allerdings kein förmliches Räumungsbegehren gestellt worden.
Der Eigentümer des Geländes war vom Verwaltungsgericht dazu verurteilt worden, die Gebäude aus Gründen der Sicherheit räumen zu lassen. Der Bezirk war gleichzeitig verpflichtet worden, die Obdachlosen nach der Räumung unterzubringen.
Obdachlose forderten eine reguläre Wohnung vom Bezirk
Nach Dassels Angaben konnte der Bezirk den Obdachlosen lediglich die Unterbringung in einer Notunterkunft oder aber die befristete Übernahme der Kosten anbieten. Die Obdachlosen und ihre Unterstützer hätten aber eine reguläre Wohnung verlangt. Das sei sozialrechtlich nicht möglich, betonte Dassel. Einige Obdachlose weigerten sich auch, ihre Personalien anzugeben. So sei nicht geklärt, ob sie EU-Bürger mit Anspruch auf Hilfe seien.

Streit um Abriss, Erhalt und Denkmalschutz
Um die Gebäude auf dem Gelände gibt es seit Jahren Streit. Zwar ist die einstige Eisfabrik als eine der ältesten ihrer Art anerkannt und große Teile tragen auch das Siegel des Denkmalschutzes. Da aber seit Jahren kaum in die Erhaltung investiert wird, ist der Verfall erheblich.
Seit Beginn der 90er Jahre wird in der Fabrik kein Eis mehr hergestellt, bereits wenige Jahre später begann der Abriss einzelner Gebäude, wurde aber nicht abgeschlossen. Ein Teil des Geländes an der Spree wurde von der TLG Immobilien verkauft. Ein Investor will hier nun den nahezu kompletten Abriss und einen Neubau. Initiativen, Bezirk und Stadt setzen sich dagegen für den Erhalt der noch vorhandenen Fabrikgebäude ein.


