Matthias Platzeck vor der Baustelle des BER (Quelle: dpa)
Brandenburg aktuell | 10.12.2013 | Beitrag von Thomas Bittner

Rückzug aus der Landespolitik - Platzeck räumt das Spielfeld

Noch bis zur Landtagswahl im kommenden Jahr, ein bisschen Wahlkampf, dann ist für Matthias Platzeck endgültig Schluss. Brandenburgs langjähriger Landesvater wird überraschend nicht noch einmal für das Parlament in Potsdam kandidieren. Die Gründe dafür zeichneten sich schon seit Monaten ab.

Doch kein Abschied auf Raten: Matthias Platzeck wird sich komplett aus der aktiven Landespolitik zurückziehen. Vor etwas mehr als vier Monaten gab er seinen Rückzug als Ministerpräsident Brandenburgs bekannt. Nun will er "das Spielfeld einfach räumen".

Er werde nicht mehr als Kandidat bei der Landtagswahl im nächsten Jahr antreten, kündigte Platzeck am Dienstag an. Als Begründung sagte der 59-Jährige, er wolle das Feld freimachen und sich neu orientieren. Er werde in Zukunft viel ehrenamtlich arbeiten. Zudem wolle er sich in der Friedrich-Ebert-Stiftung für Ost- und Mitteleuropa-Belange engagieren.

"Ich habe erkannt, dass ich den Schnitt nach den langen Jahren in Regierungsverantwortung nicht nur halb, sondern ganz machen will", sagte Platzeck. "Ich will das Spielfeld einfach räumen." Er hat im Herbst nochmals ein gesundheitliches Warnzeichen erhalten, so der Politiker zur Begründung.

Der Potsdamer SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Kralinski sagte zu Platzecks Rückzug: "Er wollte ja kürzertreten und hat nun doch erkannt, dass die Belastung durch seine zahlreichen Engagements noch sehr hoch ist."

"Ich bedaure das sehr, dass er dieser Entscheidung getroffen hat", sagte Platzecks Nachfolger als Ministerpräsident, Dietmar Woidke (SPD), "die Entscheidung ist aber auf alle Fälle nachvollziehbar. Ich wünsche ihm vor allen Dingen, dass er seine Gesundheit stabilisieren kann."

Uckermark-Kandidatur vom Tisch - SPD gelassen

Hintergrund ist augenscheinlich der angeschlagene Gesundheitszustand des Politikers. Nach einem Schlaganfall im Frühsommer hatte Platzeck zunächst drei Wochen lang pausiert und anschließend entschieden, seine Posten als Regierungschef und SPD-Landesvorsitzender aufzugeben. Daraufhin war ihm Dietmar Woidke, zuvor Innenminister, Ende August in beide Ämter gefolgt.

Ursprünglich wollte der langjährige Landesvater auch bei der Landtagswahl 2014 für den Wahlkreis Uckermark I (Prenzlau/Angermünde) antreten. Der dortige SPD-Unterbezirk hatte ihn im Sommer bereits einstimmig zum Kandidaten aufgestellt. Vor vier Jahren hatte Platzeck dort seinen Wahlkreis direkt gewonnen. Diese Kandidatur ist nun vom Tisch.

Die SPD in der Uckermark zeigte sich jedoch gelassen. Platzeck werde als Mitstreiter weiter mit seinen Mitteln und Kontakten zur Verfügung stehen, sagte der örtliche Parteivorsitzende Frank Bretsch am Mittwoch dem rbb. Platzecks Verbundenheit zur Uckermark belegen auch dessen private Aktivitäten: Er baut derzeit in der Uckermark ein Haus.

Bis zum Ende der Legislaturperiode bleibt Platzeck aber noch Landtagsabgeordneter in der SPD-Fraktion. Für seine Partei wird er auch noch Wahlkampf machen. Dann, im Herbst 2014, ist auch dieses Kapitel seiner politischen Karriere Geschichte. Er werde sich "Anderen Feldern widmen", sagte Platzeck dem rbb. Seiner Leidenschaft für Israel und Palästina nachgehen, für die Friedrich-Ebert-Stiftung arbeiten zum Beispiel.

Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck tauscht wegen der Pressekonferenz zu seinem Rücktritt sein Namensschild mit dem seines Nachfolgers Dietmar Woidke aus. (Quelle: dpa)

Kommentar zum Rücktritt - Gegen den Wahn, unersetzlich zu sein

"Na, hält er durch?" - diese Frage hat Matthias Platzeck schon länger begleitet. Jetzt macht er aus gesundheitlichen Gründen Schluss mit der großen Politik. Alex Krämer, landespolitischer Korrespondent des rbb, zollt ihm Respekt für diese Entscheidung - und sieht unerwartet spannende Zeiten auf das politische Brandenburg zukommen. [30.07.2013]