Das ehemalige US-Hauptquartier in Berlin-Zehlendorf an der Clayallee (Quelle: dpa)

In Brandenburg verlangsamt sich Konversion - Berlin-Boom beschleunigt Umwandlung ehemaliger Militärflächen

Kasernen, Hubschrauberlandeplätze oder Gefängnisse: Die alliierte Besatzung hat Berlin geprägt. Doch inzwischen dienen fast alle ehemals militärisch genutzten Flächen wieder zivilen Zwecken. Die große Nachfrage nach Wohnungen hat die Umwandlung beschleunigt. In Brandenburg hingegen verlangsamt sie sich. Daran ist auch die Krise der erneuerbaren Energien schuld.

Die Nachfrage nach Wohnraum hat in Berlin auch die Umwandlung von Flächen beschleunigt, die ehemals militärisch genutzt wurden. "Bis auf wenige, unbedeutende Flächen, ist die Umwandlung abgeschlossen", sagte Stephan Regeler, Verkaufschef der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bina) für Berlin und Brandenburg. Das Unternehmen verwaltet und verkauft an den Bund zurückgegebene Flächen der Alliierten, aber auch ehemalige Gelände der Bundeswehr.

Heute würden rund 99 Prozent der ehemaligen Berliner Militäranlagen zivil oder in Einzelfällen wieder von der Bundeswehr genutzt.

Brandenburg hat seit Beginn der 90er-Jahre etwa 93 Prozent der einstigen ehemaligen 100.000 Hektar Militärgelände umgewandelt. Mehr als 10.000 Hektar Land, das teilweise kontaminiert ist, steht noch zum Verkauf. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa wurden seit Beginn der 90er-Jahre rund zwei Milliarden Euro investiert.

Foyer des ehemaligen amerikanischen Hauptquartiers in der Berliner Clayallee, Quelle: rbb/OSTKREUZ/Maurice Weiss
Das ehemalige amerikanische Hauptquartier in der Berliner Clayallee

"Berlin-Boom" hat Immobilienverkauf beschleunigt

Der "Berlin-Boom" habe etwa den Verkauf von Immobilien in einst von Soldaten bewohnten Siedlungen in Dahlem, Düppel und Karlshorst, befördert, sagte Regeler. Zu den letzteren größeren Einzelverkäufen zählt das Gelände des ehemaligen US-Hauptquartiers an der Clayallee in Zehlendorf, das 2011 veräußert wurde: Dort entsteht nun ein Wohnviertel. Auch eine ehemalige französische Siedlung in Wedding mit mehr als 80 Wohnungen steht 2014 zum Verkauf.

Zu den Objekten, die noch zu haben sind, gehört das Kino "L'Aiglon" der französischen Alliierten am Kurt-Schumacher-Damm. Es steht unter Denkmalschutz. Auch ein Hallenbad im ehemaligen französischen Sektor gehöre zu den schwer zu vermarktenden "Einzelfällen": Es ist mit Asbest belastet.

"Die große Konversionswelle" liegt laut Regeler  20 Jahre zurück. Verkauft habe man "alle möglichen Flächen", darunter auch Schulen, Panzergaragen oder Hubschrauberlandeplätze. Damals hätten sich ganze Viertel verändert, viele Bauten wurden abgerissen.

In Brandenburg geht die Umwandlung langsamer

In Brandenburg geht die Umwandlung ehemaliger Militärflächen für zivile Zwecke langsamer voran. Vor knapp 20 Jahren verließen die russischen Truppen Brandenburg. Von den bislang verkauften Flächen seien allerdings noch nicht alle tatsächlich umgewandelt, sagt der Sprecher des Netzwerks "Fokus", Herold Quick. In dem Verbund arbeiten 19 brandenburgische Gemeinden zusammen, um "die großen Chancen" der Konversion zu nutzen.

Luftaufnahme der Dünnschicht-Solarmodule am ehemaligen russischen Militärflugplatz Groß Dölln (Quelle:dpa)
Hier in Groß Dölln starteten und landeten früher Flugzeuge.

Vor einigen Jahren machte sich noch der Aufschwung der erneuerbaren Energien beim Flächenverkauf bemerkbar: Eine große Photovoltaikanlage wurde etwa in diesem Sommer auf dem ehemaligen Flugplatzgelände Groß Dölln eröffnet. "Manche Flächen, die etwa mit Kerosin verseucht sind, kann man kaum anders nutzen als für Photovoltaik- oder Windkraftanlagen", sagt Quick. Im Gegensatz zur Bundeswehr hätten russische Truppen Flächen wenig aufgeräumt hinterlassen.

Da die Solarbranche kriselt und größere Anlagen kaum mehr gefördert werden, sind weitere derartige Parks jedoch wenig wahrscheinlich: Munitionsberäumung könne sich für Investoren womöglich nicht mehr lohnen, erklärte ein Sprecher des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums.

"Nicht unbedingt Rosinenstücke"

Noch rund 12.000 Hektar Flächen stehen nach Angaben der Brandenburgischen Boden GmbH (BBG) zum Verkauf, darunter auch der rund 3.500 große ehemalige Flughafen in Sperenberg. Dieses Gelände wurde dem Land erst 2012 vom Bund übertragen. Schwer verwertbar seien demnach auch einge schlecht angebundene Flächen. 

Wie die sogenannte Konversion der Militärflächen künftig gefördert wird, könnte für die Region entscheidend sein, sagt der Volkswirt Markus Hennen, der die Stadt Jüterbog im Netzwerk "Fokus" vertritt. In der bis Ende 2013 geltenden EU-Förderperiode standen für die Umwandlung im Land 21 Millionen Euro zur Verfügung. Diese seien inzwischen fast vollständig in Projekten gebunden. Hinzu Mittel von Bund, Land und Kommunen.

Ehemalige Militärgaragen in Wünsdorf (Teltow/Fläming) (Quelle: dpa)
Ehemalige Militärgaragen in Wünsdorf

"Nicht unbedingt als Rosinenstücke" bezeichnet Quick die restlichen Flächen: 48 Millionen Euro seien nötig, um hier "Ordnung zu schaffen". Er spricht von einer "verlorenen Welt": Teilweise stünden Ex-Militärgebäude, die schon im Ersten Weltkrieg genutzt wurden, unter Denkmalschutz und seien dem Verfall preisgegeben.

Aber auch hier hat sich ein kleiner Geschäftszweig entwickelt: Ein Berliner bietet Touren für Hobby-Fotografen durch verfallene Anwesen, etwa durch die Militärgebäude in Wünsdorf (Teltow-Fläming).

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