"Schwierige finanzielle Situation" - Bäderchef verteidigt neue Eintrittspreise
Seit Jahresbeginn gelten für Berlins Schwimmbäder neue Eintrittspreise. Warum in Spaßbädern grundsätzlich mehr, in anderen Hallen ab 10.00 Uhr weniger gezahlt werden muss, erklärte Bäderchef Ole Bested Hensing am Freitag im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses. Ganze vier Stunden musste sich Hensing den Fragen der Mitglieder stellen.
Berlins Bäderchef Ole Bested Hensing und Berlins Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU) haben die neuen Eintrittspreise für die städtischen Schwimmbäder verteidigt, die seit Anfang des Jahres gelten. Henkel, der zugleich Aufsichtsratschef der Bäderbetriebe ist, wies im Sportausschuss die Kritik der Linken zurück, das Preissystem sei sozial unausgewogen.
Das neue Preiskonzept diene dazu, den Besucherstrom besser über den Tag zu verteilen, sagte Henkel am Freitag im rbb: "Es unterstützt die Bäderbetriebe in ihrem Ziel, den Berlinern ein preislich gerechtes und attraktives Angebot zu bieten. Ich bin nicht der Auffassung, dass das System unsoziale Härten enthält. Es ist - alles in allem - ein sehr gutes Tarifsystem."
Grund für die Ausschusssitzung war das Anfang des Jahres eingeführte neue Tarifgefüge. Dabei zahlen die meisten Badegäste neuerdings 5,50 statt bisher 4,50 Euro. Dagegen gilt zwischen 10.00 und 15.00 Uhr ein ermäßigter Tarif in Höhe von 3,50 Euro. Umstritten ist unter anderem der Aufschlag für "freizeitorientierte Bäder" in Höhe von 2,00 Euro, der auch für Kurzzeit-Schwimmer gilt, die nur 45 Minuten in der Schwimmhalle verbringen. Das gilt derzeit für die Freizeit-Bäder in Schöneberg, Lankwitz und am Spreewaldplatz.

Henkel und Hensing halten Preise für gerechtfertigt
Auch Bäderchef Ole Bested Hensing rechtfertigte das neue Tarifmodell. Die Bäderbetriebe reagierten damit auf die schwierige finanzielle Situation, in der sie sich befinden, sagte der Bäderchef dem rbb.
"Im Doppelhaushalt 2014/15 wurde keine Erhöhung des Budgets für die Bäderbetriebe beschlossen, obwohl die Kosten laufend steigen. Diese müsen aufgefangen werden", sagte Bested Hensing. Gleichzeitig sprach er von einer "sozialen Verpflichtung", die die Bäderbetriebe gegenüber den Badegästen hätten. So gebe es zwischen 10.00 und 15.00 Uhr einen preiswerteren Tarif, den zum Beispiel Rentner nutzen könnten.
Das Land Berlin stelle Einrichtungen zur Verfügung, und die Bädebetriebe müssten dafür sorgen, dass die Kunden entsprechend verteilt werden. Dies gelte auch für Rentner und weniger Verdienende, die zwischen 10.00 und 15.00 Uhr zu niedrigeren Preisen die Bäder besuchen könnten.
Linke lehnt neues Preiskonzept ab
Der sportpolitische Sprecher der SPD, Dennis Buchner, forderte, dass in allen Bädern kostengünstiges Kurzzeitschwimmen möglich sein müsse. Es könne nicht sein, dass diejenigen, die nur 45 Minuten schwimmen, auch den Zuschlag bezahlen müssen.
Die Linke lehnt die neuen Eintrittspreise generell ab. Aus ihrer Sicht sind sie sozial unausgewogen. Besonders die Ärmeren würden dadurch getroffen, sagt die sportpolitische Sprecherin der Linken, Gabriele Hiller. Sie fürchtet, dass es zu getrennten Schwimmzeiten führe - je nachdem, ob man Gut- oder Geringverdiener sei. Das dürfe nicht sein.
Berliner Bäder arbeiten nicht kostendeckend
Im vergangenen Jahr hatte Bested Hensing angekündigt, dass die Bäder-Landschaft in der Hauptstadt attraktiver werden solle. Neben der Sanierung einiger Bäder seien auch Neubauten geplant. Man müsse schauen, ob man gemeinsam mit der Politik einen Weg finde, an mehreren Standorten neue Anlagen zu errichten.
Die Berliner Bäderbetriebe stehen unter großem wirtschaftlichen Druck. Sie verlieren seit Jahren Besucher, viele Schwimmhallen sind sanierungsbedürftig. Der Senat muss mehr als 40 Millionen Euro pro Jahr als Zuschuss gewähren, damit der Badebetrieb aufrechterhalten werden kann.







