
2.000 Lehrkräfte werden gesucht - Berlin wirbt um Junglehrer aus Bayern
Bayern will 600 frisch ausgebildete Lehrer nicht in den Staatsdienst übernehmen und schickt sie weg - und zwar ausgerechnet nach Preußen. Das kommt der Hauptstadt des Lehrermangels gerade recht.
Berlin versucht verstärkt, junge Lehrkräfte aus Bayern anzuwerben. In diesem Jahr werden in der Hauptstadt rund 2.000 neue Lehrer gebraucht. Es seien aber erst 400 Bewerber in der Auswahl, bestätigte die Senatsbildungsverwaltung am Dienstag. Deshalb würden auch Absolventen in anderen Bundesländern gesucht.
Berlin und Bayern mal mit gleichem Ziel
Offensichtlich hat der Senat besonders die Junglehrer in Bayern im Blick. Denn dort werden in diesem Jahr rund 600 Lehrer nach ihrer Ausbildung nicht in den Staatsdienst übernommen, wie die bayerische Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bestätigte. Ihnen bietet der Berliner Senat in Schreiben nun unbefristete Stellen in der Hauptstadt an.
Auch die bayerische Landesregierung empfiehlt den Schulleitern, die Junglehrer auf Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Bundesländern hinzuweisen: "Insbesondere in Berlin besteht derzeit erhöhter Bedarf an Lehrkräften in zahlreichen Fächerverbindungen", zitiert die "Welt" aus einem Schreiben vom 10. Januar.

Bildungsverwaltung: "Normaler Vorgang"
Die Berliner Gewerkschaft Erziehung und Ausbildung sieht in der Anwerbung der bayerischen Lehrer ein Zeichen für den Personalnotstand in der Hauptstadt.
Die Senatsbildungsverwaltung bezeichnet den Vorgang dagegen als völlig normal. Schon jetzt stammten rund ein Viertel der Berliner Lehrer von Hochschulen aus anderen Bundesländern.
Wegen des Lehrermangels versucht Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) unter anderem, Referendare mithilfe einer frühzeitigen Einstellungsgarantie in der Hauptstadt zu halten.
Junglehrer in Berlin sind keine Beamte
Berlin hat unter anderem deshalb Probleme, neue Lehrkräfte zu finden, weil sie seit 2009 nicht mehr in den Beamtenstatus übernommen werden. In anderen Bundesländern, auch in Brandenburg, ist dies weiterhin der Fall.
Zudem sehen sich angestellte Junglehrer in Berlin im Vergleich zu den Beamtenkollegen schlecht bezahlt. Die Lehrergewerkschaft GEW fordertseit langem einen eigenen Tarifvertrag und ruft immer wieder zu Streiks auf. Über Fragen des Tarifvertrags laufen derzeit Gespräche.
Außerdem hat Berlins Schulsystem keinen guten Ruf. In Bildungstests schneiden Schüler aus der Hauptstadt immer wieder schlecht ab.


