Wachenleiter Lars Borchardt (l) zeigt am 21.10.2013 Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) die Polizeiwache, in der ein Teil der Beamten in früheren Arrestzellen arbeitet (Quelle: dpa)
Brandenburg Aktuell | 23.01.2014 | Michael Schon

Brandenburg-CDU versucht Polizeireform zu stoppen - Wie viele Polizisten sind genug?

Knapp 9.000 Polizisten hatte Brandenburg noch zu Beginn der Polizeireform Anfang 2011. Geplant war, die Zahl auf 7.000 zu reduzieren. Doch die steigende Zahl von Einbrüchen und Autodiebstählen gibt zu denken. Während CDU, FDP und Grüne deshalb die rot-rote Landesregierung scharf kritisieren, sieht diese keinen Grund zum Umsteuern.

Der Stellenabbau bei der Polizei in Brandenburg erhitzt weiterhin die Gemüter. Die Opposition im Potsdamer Landtag sieht angesichts wachsender Kriminalität die Sicherheit der Bürger "grob vernachlässigt". Einen Antrag der CDU, die Umsetzung der Polizeireform sofort zu stoppen, lehnte der Landtag am Donnerstag aber mit den Stimmen der rot-roten Regierungskoalition und der Bündnisgrünen ab.

CDU hält Polizeireform für grundsätzlich gescheitert

CDU-Parteichef Michael Schierack wies in der Aktuellen Stunde darauf hin, dass die Zahl der Einbruchsdiebstähle kontinuierlich gestiegen sei - allein um zehn Prozent im Jahr 2013. Die Aufklärungsquote liege nur bei mageren 17 Prozent.

Auch die Probleme der Polizisten nehme die rot-rote Regierung nicht ernst, sagte Schierack. Der hohe Krankenstand unter den Beamten sei nur ein Indiz dafür. "Die Polizeireform ist grundsätzlich gescheitert", kritisierte der CDU-Chef.

Der FDP- Innenexperte Hans-Peter Goetz bemängelte, dass es immer noch zu wenig Streifenwagen gebe und die Interventionszeiten der Polizei zu lang seien. Auch Ursula Nonnenmacher von den Bündnisgrünen warf der Landesregierung vor, die Polizisten zu demotivieren.

Rot-Rot verspricht mehr Streifenpolizisten

Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) entgegnete, die Reform werde optimiert: "Was wir verbessern können, verbessern wir." So kämen in diesem Jahr zusätzlich 150 Beamte in den Streifendienst. Auch sollen Wachen, die immer weniger genutzt werden, nachts geschlossen bleiben, um mehr Polizisten auf Streife schicken zu können. Außerdem habe er gerade erst den Einsatz einer weiteren Polizei-Hundertschaft in der Grenzregion verlängert, erklärte Holzschuher. Und die Aufklärungsquote bei Diebstählen habe sich im vergangenen Jahr deutlich verbessert.

Drastischer Personalabbau vom Tisch?

Im Zuge der Polizeireform soll die Zahl der Polizisten in der Mark von derzeit 8.300 bis zum Jahr 2020 auf rund 7.000 sinken. Insbesondere die Verwaltung sollte deutlich "verschlankt" werden. Zu Beginn der Reform Anfang 2011 waren es noch 8.900 Polizisten.

Die Reform hatte zu Beginn der damalige Innenminister Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) umgesetzt, der jetzige Regierungschef. Er hat inzwischen angekündigt, den Stellenabbau abzumildern.

Gewerkschaft fordert mindestens 8.000 Polizisten

Die Gewerkschaft der Polizei reichen kleine Korrekturen an der Reform nicht. Mindestens 8.000 Beamte würden in Brandenburg gebraucht, hatte der Landesvorsitzende Andreas Schuster Anfang Januar im rbb erklärt. Die Lage in der Polizei sei kritisch: "Die Stimmung ist katastrophal, weil die Kollegen mittlerweile 'null Bock' haben." Sie seien "sauer" auf die Politiker.

Mit Informationen von Amelie Ernst.

Polizeistrukturreform 2020

  • Hintergrund der Reform

  • 1.900 Polizisten weniger

  • Zentrales Polizeipräsidium

  • Vier neue Direktionen

  • Weniger Wachen rund um die Uhr besetzt

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