
Präsidentenwahl an der TU Berlin - Thomsen gewinnt Kampfabstimmung gegen TU-Präsidenten
Christian Thomsen ist neuer Präsident der TU Berlin. Überraschend deutlich setzte sich der Herausforderer bei der Wahl am Mittwoch gegen Amtsinhaber Jörg Steinbach durch. Der hatte in seiner vierjährigen Amtszeit zwar eine gute Bilanz vorzuweisen, war allerdings wegen seines Führungsstils in die Kritik geraten.
Die Technische Universität (TU) Berlin bekommt einen neuen Präsidenten. Der Erweiterte Akademische Senat der Hochschule wählte mit absoluter Mehrheit den Physiker Christian Thomsen zum Nachfolger des bisherigen Präsidenten Jörg Steinbach. Thomsen erhielt 40 Stimmen, Steinbach dagegen nur 12 Stimmen bei 9 Enthaltungen.
"Das deutliche Ergebnis zeigt, dass es gelungen ist, die essentiellen Unterschiede zwischen beiden Kandidaten für das Präsidentenamt deutlich zu machen. Ich freue mich sehr, der Präsident aller Mitglieder unserer Universität zu werden", kommentierte Thomsen das Ergebnis. Der 54-Jährige ist seit 20 Jahren Professor an der TU. Zwischen 1997 und 1999 amtierte er bereits als Vizepräsident für Studium und Lehre. Seit 2003 ist er Dekan der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften.

Steinbach war erfolgreich - und autoritär
Mit der Wahl endet die vierjährige Amtszeit von Jörg Steinbach, dem durchaus Erfolge bescheinigt werden können: So konnte Steinbach die eingeworbenen Forschungsmittel der TU um ein Fünftel auf rund 160 Millionen Euro steigern. Er fügte den drei vorhandenen Sonderforschungsbereichen vier neue hinzu. Zudem warb er damit, vom Senat die Zusage für einen neuen Campus im Wedding bekommen zu haben.
Diese gute Bilanz wird für einige Professoren und Uni-Mitarbeiter jedoch von einem autoritären Führungsstil Steinbachs überschattet. In Konflikten habe er schnell gekränkt reagiert, andere in schroffem Ton abgekanzelt, wurde berichtet. Das konnte sich offenbar sein Gegenkandidat Thomsen zunutze machen. Er wies darauf hin, dass 300 Mitarbeiter an der Technischen Universität dauerhaft krank seien. "Da stimmt etwas im System nicht", folgerte er.
Thomsen will Probleme in der Uni-Verwaltung lösen
Vor der Wahl hatte Thomsen versprochen, den Diskussionsstil in den Gremien und mit den Uni-Angehörigen zu verbessern. Das Eigenengagement wolle er "wieder attraktiv machen“. Für die Verwaltung, die als ineffizient gilt, verspricht er Maßnahmen zur Personalentwicklung.
In der Lehre setzt er sich für didaktische Reformen und mehr Wahlfreiheit für die Studierenden ein. Zudem solle der Numerus Clausus bei einigen Studiengängen abgeschafft und neue Studiengänge geschaffen werden. Neben Thomsen wählte der akademische Senat die Maschinenbau-Professorin Christine Ahrend zur 1. Vizepräsidentin der TU. Sie hatte zusammen mit Thomsen kandidiert. Ihre zentralen Wahlversprechen präsentierten die beiden auf ihrer Webseite www.mehr-aus-der-tu-machen.de

