Archivbild: Die Tunnelbohrmaschine "Bärlinde" an der Baugrube zur Verlängerung der U5 (Quelle: dpa)

Krisentreffen wegen Problemen beim Bau - U5 wird erst im April weiter gebaut

Seit zweieinhalb Monaten stehen die Tunnelbohrer wegen Problemen mit dem Grundwasser still. Und drei weitere Monate wird es wohl noch dauern, bis die Verlängerung der U5 weiter gebaut wird. Das ist das Ergebnis eines Krisentreffens zwischen dem Baukonzern Bilfinger und der BVG. Um wieviel teurer das 525-Millionen-Projekt dadurch wird, ist noch unklar.

525 Millionen Euro für eine nur 2,2 Kilometer lange Strecke sind ein stolzer Preis. Jetzt könnte die Verlängerung der U5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor nochmals teurer werden. Wegen anhaltender Probleme beim Bau traf sich Roland Koch, Vorstandsvorsitzender des Baukonzerns Bilfinger, am Freitag mit BVG-Chefin Sigrid Nikutta zu einem Krisengespräch.

Bei dem Gespräch einigten sich beide Seiten laut BVG-Sprecherin Petra Reetz darauf, dass der Tunnelbohrer "Bärlinde", der seit zweieinhalb Monaten still steht, Anfang April weiter bohren soll. Bis dahin soll in der 40 Meter tiefen Baugrube des späteren U-Bahnhofs Museumsinsel ein Betonboden gebaut werden, um die Stabilität der Seitenwände zu erhöhen. Auf die Wände drücken deutlich größere Grundwassermengen als vorher angenommen.

Der Vorstandsvorsitzende des Dienstleistungs- und Baukonzerns Bilfinger, Roland Koch. (Quelle: dpa)
Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch wechselte vor rund drei Jahren zum Baukonzern Bilfinger.

Nur ein Drittel der geplanten Tunnel-Distanz geschafft

Wegen der unvorhergesehenen Schwierigkeiten forderte der Baukonzern Bilfinger für den Tunnelbau einen kräftigen Nachschlag auf den mit der BVG vereinbarten Festpreis von 190 Millionen Euro. Ob die BVG dieser Forderung entgegen kam, und um wieviel die Baukosten dadurch steigen, wollte die BVG nicht kommentieren. Erst vor rund zwei Monaten hatte BVG-Chefin Nikutta bekannt gegeben, dass die Verlängerung der U5 um 92 Millionen Euro teurer wird als ursprünglich geplant.

Seit Ende Oktober steht die Tunnelvortriebsmaschine Bärlinde unmittelbar vor dem geplanten neuen U-Bahnhof "Museumsinsel" still, weil Grundwassereinbrüche drohen. Gerade einmal 427 Meter hat sich Bärlinde bislang vorgegraben, eigentlich sollte sie in dieser Zeit die dreifache Strecke geschafft haben. Sowohl die BVG als auch Bilfinger haben Gutachten zum Zustand der Baustelle erstellen lassen. Deren Ergebnisse wurden jetzt auf Chef-Ebene diskutiert.

Für die BVG ist es nicht der erste Kostenstreit um den Bau einer U-Bahn. Schon beim Bau der "Kanzler-U-Bahn" U55 hatte der ausführende Baukonzern Hochtief Nachforderungen von rund 40 Millionen Euro gestellt. In einem außergerichtlichen Vergleich einigte man sich schließlich auf eine Nachzahlung von zwölf Millionen Euro.