Insassen einer Justizvollzugsanstalt fertigen in einem Werkraum des Gefängnisses Kugelschreiber (Quelle: dpa)

Arbeitsplätze im Gefängnis - Berliner Häftlinge erwirtschaften Millionen

Kugelschreiber, Büromöbel oder Pflanzenzucht: Rund zwei Drittel der Häftlinge in Berlin arbeiten im Gefängnis. In Brandenburg ist der Anteil noch höher. Von der Situation profitieren sowohl Insassen als auch Länder. Die Häftlinge verdienen sich etwas dazu und qualifizieren aich gleichzeitig, die Verkaufserlöse kommen wiederum den öffentlichen Kassen zugute. Und: "Wer arbeitet macht keinen Blödsinn."

Die Berliner Häftlinge erwirtschaften Millionen. Im Jahr 2012 lag der Umsatz bei 7,1 Millionen Euro, teilte die Senatsverwaltung für Justiz mit. Bis zu 70 Prozent der Häftlinge in Berlin hätten einen Arbeitsplatz im Gefängnis. Umsatzzahlen für 2013 liegen noch nicht vor.

Regelmäßige Beschäftigung sei ein wesentliches Mittel zur Resozialisierung, sagte Sprecherin Claudia Engfeld. Viele Gefangene würden gern arbeiten, da sie so ihre Zeit sinnvoll verbringen sowie etwas Geld verdienen könnten. Die Vergütung reicht von 8,96 Euro bis 14,93 Euro pro Tag. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 37 Stunden. Es könnten auch Leistungszuschläge gezahlt werden.
Zu den Produkten aus Haftanstalten gehören auch Schlosser- und Tischlerarbeiten. Häftlinge reinigen zudem Wäsche, reparieren Schuhe oder polstern Sessel und Stühle. Auch ein Catering- und Buffetservice wird angeboten. In einem Shop werden Erzeugnisse aus dem deutschlandweit größten Männergefängnis Tegel verkauft.

Häuserreihe der Justizvollzugsanstalt Tegel in Berlin (Quelle: dpa)
Außenansicht der Justizvollzugsanstalt Tegel (Quelle: dpa)

Im Jahr 2012 waren bei durchschnittlich knapp 4.250 Gefangenen etwa 2.900 von ihnen beschäftigt. Derzeit sitzen knapp 4200 Menschen in Berlin in Haft.

Während in der Jugendstrafanstalt im Jahr 2012 rund 95 Prozent der Inhaftierten arbeiteten, waren es in der Vollzugsanstalt Moabit nur etwa 35 Prozent. Moabit ist die zentrale Berliner Haftanstalt für Untersuchungsgefangene und für diese gibt es im Gegensatz zu verurteilten Straftätern keine Arbeitspflicht.

Auch im Gefängnis kann man sich qualifizieren. 2012 drückten 195 Gefangene die Schulbank, wurde weiter mitgeteilt. 335 Inhaftierte qualifizierten sich beruflich. So könnten Abschlüsse als Tischler, Schlosser, Bäcker, Maler oder Maurer erworben werden. Auch einzelne  Qualifizierungsmodule seien möglich.

"Wer arbeitet macht keinen Blödsinn"

In Brandenburg gehen von den gut 1.400 Häftlingen nach Auskunft des Potsdamer Justizministeriums mehr als 800 einer Beschäftigung nach - jeder achte in JVA-Betrieben. Dazu zählen etwa die Druckerei der JVA Luckau-Duben (Dahme-Spreewald) oder die Fahrzeugwerkstatt der JVA-Bandenburg/Havel.

Die Fahrzeugwerkstatt war vor einigen Monaten in die Schlagzeilen geraten, weil sie das Land mehr kostet, als dass sie Nutzen bringt. Wie es aus dem Justizministerium heißt, werde derzeit noch nach einem neuen Eigentümer für die Werkstatt gesucht. Es gehe aber auch weniger um den ökonomischen als vielmehr um den sozialen Nutzen solcher Betriebe. "Wer arbeitet macht keinen Blödsinn", sagt der Vorsitzende des Bundes der brandenburgischen Strafvollzugsbediensteten (BSBD), Willi Köbke. Mit der Beschäftigung könnten die Gefangenen nicht nur ihre Langeweile bekämpfen, die Arbeit sei auch wichtig für einen beruflichen Neuanfang nach der Haft.

Schweißer bei der Arbeit (Quelle: dpa)
Schweißer bei der Arbeit

Am beliebtesten sind nach Ansicht Köbkes handwerkliche Berufe wie Schweißer oder Tischler. Die Gefangenen erhielten dabei lediglich 15 Prozent dessen, was sie in Freiheit verdienen würden. Weitere Gewinne fließen in den Erhalt der JVA-Betriebe. Wer nicht arbeiten will, bekommt auch kein Hausgeld, so Köpke.

Neben dem Verdienst könnten die Gefangenen außerdem ihre Fähigkeiten ausbauen sowie Strafvergünstigungen erwarten. Leider gebe es trotz sinkender Häftlingszahlen in der Mark nach wie vor ein Defizit an geeigneten Ausbildern. Hier sieht Willi Köbke die Politik gefordert.