
"Einsatzbegleitende Kommunikation" - Berliner Polizei will am 1. Mai twittern
"Konflikte lösen" und "vermitteln, was gerade passiert" - das will die Berliner Polizei künftig bei schwierigen Demonstrationen über die neuen Medien erreichen. Polizeipräsident Kandt denkt dabei vor allem an Twitter, wie er nun bekannt gab. Allerdings ist die Kommunikation über den Kurznachrichtendienst wohl eher als Einbahnstraße gedacht: Auf Meldungen beteiligter Gruppen will man nicht reagieren.
Die Berliner Polizei will bei schwierigen Demonstrationen künftig ihre Sicht der Lage über den Kurznachrichtendienst Twitter schildern. "Wir wollen die neuen Medien stärker nutzen", sagte Polizeipräsident Klaus Kandt der Nachrichtenagentur dpa. Bei der Polizei laufe das unter dem Begriff "einsatzbegleitende Kommunikation".
"Wir wollen auch Twitter einsetzen, zum Beispiel am 1. Mai." Bei den Demonstrationen am Maifeiertag kommt es seit Jahren zu Krawallen und Auseinandersetzungen.
Kandt erklärte mit Blick auf den 1. Mai, an dem es seit langem zu Krawallen von Linksextremisten und Randalierern kommt: "Wir wollen nicht nur Konflikte lösen, sondern auch vermitteln, was gerade passiert. Damit es gar nicht erst durch Gerüchte oder Fehlinformationen zu Aufregungen kommt."
Die Polizei wolle sich allerdings nicht auf einen Meldungswettkampf mit Veranstaltern von Demonstrationen oder politischen Parteien einlassen. "Wir reagieren dabei nicht auf Twitter-Meldungen beteiligter Gruppen bei den Demonstrationen, sondern schildern einfach nur: Das ist aus unserer Sicht die Realität, das ist der Einsatzverlauf", sagte Kandt.

Kandts Sprecher twitterte im Flüchtlingskonflikt am Oranienplatz
Im Konflikt um die Zelte von Flüchtlingen auf dem Kreuzberger Oranienplatz hatte die Polizei bereits über Twitter kommuniziert. Eigentlich sollten die Zelte nach dem Umzug der meisten Flüchtlinge am 24. November abgebaut werden. Als sich aber an dem Abend
Demonstranten versammelten und die Situation zu eskalieren drohte, sagten der Bezirk und die Polizei das Vorhaben ab. Kandts Sprecher Stefan Redlich twitterte daraufhin: "Zur Info: es werden heute keine Zelte am O-Platz abgebaut."
Außerdem will die Polizei demnächst bei Facebook mit einem eigenen Profil vertreten sein.
Im vergangenen Jahr war es bei den zahlreichen Demonstrationen und Festen in der Walpurgisnacht und am Maifeiertag ruhiger zugegangen als in den Vorjahren. Die Polizei verbuchte 94 Festnahmen (2012: 123) und 54 verletzte Beamte aus den eigenen Reihen (2012: 124). Kritik am Vorgehen der Polizei kam von Politikern der Grünen und der Linken. Dabei ging es vor allem um den Einsatz von Pfefferspray und Wasserwerfern.


