
Schüler, Lehrer und Eltern beklagen Verfall - Wenn die Schule wirklich stinkt
Egal ob in Problemkiezen oder in gut-bürgerlichen Vierteln: Viele Berliner Schulen sind nicht so sauber, wie sie sein sollten. Und das sorgt immer wieder für Ärger. Auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen befasst sich am Mittwoch der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses mit dem Thema. Schwerpunkt sind die Sanitäranlagen der Schulen. Von Anneliese Bergemann
Das Treppenhaus an der Max-Beckmann-Oberschule in Reinickendorf wirkt auf mich zur Mittagszeit noch ziemlich sauber, obwohl sich draußen Schnee und Granulat zu einer hässlichen Pampe vermischen. Auch auf den Fluren der Integrierten Sekundarschule mit über 1000 Schülern sieht es ordentlich aus. Schülersprecher Janosch Jassim, der seit gut einer Woche auch Landesschülersprecher ist, kennt aber die Schmuddelecken.
"Wo es manchmal ein bisschen dreckiger wird, ist zum Beispiel bei den Heizungen am Ende. Weil sich die Schüler da während der Pause aufhalten."
"Keine Seife auf der Toilette"
Auf dem Boden liegen ein paar Fetzen, Einwickelpapier von Süßigkeiten, Zellophan. Richtig vermüllt sieht anders aus. "Sonst ist es eigentlich ziemlich sauber", erklärt mir ein Schüler, "nur ab und zu liegen während der Schulzeit in den Räumen Brote oder sowas auf dem Boden rum."
Bei einem Ort haben allerdings fast alle Schüler etwas auszusetzen, wie eine kleine Umfrage auf dem Gang ergibt.

"Die Toiletten sind eigentlich dauerschmutzig."
"Wir haben keine Seife an unserer Schule."
"Also, ich bin hier eigentlich nie auf dem Klo."
"Ist halt ziemlich unhygienisch alles."
Janosch Jassim zeigt mir die Schülertoiletten im Hauptgebäude. Die Schülertoiletten in dem rund 100 Jahre alte Gemäuer wurde vor wenigen Jahren saniert. "Es riecht ein bisschen oll", gebe ich zu. "Och, wenn Sie das oll nennen", sagt Janosch, "dann müssen Sie mal in den Pavillon kommen. Dagegen riecht es hier gar nicht."
Fliesen und Waschbecken sind in gutem Zustand, genau wie die Toilettenbecken. Auch der Schülersprecher findet es an diesem Tag ziemlich sauber, weist aber auf ein anderes Problem hin: "Man sieht, dass hier zum Beispiel die Seifenspender abgeschlagen sind. Und die Seife ist leider immer leer, weil manche die einfach nur leerdrücken. Das ist natürlich ein massives Problem, das wir hier momentan haben. Wir überlegen auch, wie wir das lösen können."
Erst einmal müssten die Räume renoviert werden
Im Vergleich zu den Sanitärräumen sehen Flure und Klassenzimmer allerdings richtig alt aus. Putz bröckelt auf abgewetzten Teppichboden. Die Wände könnten einen Anstrich gebrauchen.
Für Schulleiter Jürgen Plenefisch ist genau das der Knackpunkt. "Unser Problem ist weniger die Sauberkeit, sondern der dringende Renovierungsbedarf im Haus. Der führt im Grunde dazu, dass natürlich dann auch nicht besonders auf Sauberkeit geachtet wird." Für Plenefisch zwei Seiten derselben Medaille: "Der erste Schritt müsste sein, die Räume menschenwürdig zu renovieren, und dann wäre ich mir sicher, hätten wir auch ein viel geringeres Problem mit der Sauberkeit."

Die hängt allerdings auch mit dem Reinigungsauftrag zusammen, den der Bezirk vergibt. Die Max-Beckmann-Oberschule wird zwar täglich sauber gemacht, aber die Zeit reicht nur für das Nötigste. Tische zum Beispiel stehen nur einmal im Jahr auf dem Reinigungsplan, wie Schulleiter Plenefisch beklagt. "Das passiert nur in den Sommerferien, wenn dann quasi über sechs Wochen das ganze Haus gründlich gereinigt wird. Da werden alle Tische rausgeräumt, alle Stühle rausgeräumt, dann werden die Böden neu versiegelt. Und danach wird dann einigermaßen saubergemacht, und dann werden auch die Tische abgewischt. Ansonsten müssen das quasi die Schüler selbst tun. Oder ich mache das in dem Raum, wo ich unterrichte."
Mehr Geld für die Reinigung von Schulen ist angesichts der klammen öffentlichen Kassen in Berlin wohl erst einmal nicht in Sicht. Schülersprecher Janosch Jassim könnte sich vorstellen, aus der Not eine Tugend zu machen. "Wir könnten ja mal einen Putztag einführen, wo dann alle Schüler, Lehrer und Eltern herkommen und am Samstag die Schule putzen."

