Eine Jugendliche sitzt alleine auf einer Treppe (Quelle: dpa)

Studie: Jedes vierte Kind betroffen - Brandenburger Kinder zunehmend von Armut bedroht

Jedes vierte Kind ist in Brandenburg und Berlin von Armut bedroht. Doch während in der Hauptstadt das Armutsrisiko seit Jahren weitgehend unverändert ist, bedeutet diese Zahl für Brandenburg eine deutliche Zunahme von armen Kindern und Jugendlichen.

Fast jedes vierte Kind (24,9 Prozent) ist in Brandenburg von Armut bedroht. Das geht aus einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung unter Berufung auf den Mikrozensus 2012 hervor, die am Donnerstag in Düsseldorf veröffentlicht wurde. Damit ist die Zahl der Betroffenen in Brandenburg binnen Jahresfrist deutlich gestiegen: Im Jahr 2011 lebte jedes fünfte Kind (20,9 Prozent) im Land in Armut.

"Kinder sind arm, wenn die Eltern arm sind", sagte Sozialminister Günter Baaske (SPD) zu dem Ergebnis der Studie. Jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte verdiene derzeit weniger als den im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbarten Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Außerdem müsse mit Hilfe der Tarifparteien die Lohnangleichung zwischen Ost und West endlich vorankommen. "24 Jahre nach der Wende verdienen die Menschen in Brandenburg im Durchschnitt immer noch 20 Prozent weniger im Vergleich zu den Menschen in Westdeutschland."

Armutsrisiko in Berlin weiterhin hoch

In Berlin lebt der Studie zufolge ebenfalls jedes vierte Kind bis 14 Jahre in Elternhäusern mit geringem Einkommen. Viele betroffene Familien könnten sich nur kleine Wohnungen und keinen Urlaub leisten. Manchmal mangele es auch an genügend Winterkleidung.

Der Studie zufolge ist die Armut von Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland insgesamt mit 26,3 Prozent deutlich höher als im Westen mit 17,4 Prozent. Deutschlandweit ist jedes fünfte Kind von Armut bedroht. Am höchsten ist das Armutsrisiko in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils über 33 Prozent. Die niedrigste Armutsquote ermittelten die Forscher mit 9,9 Prozent in der Oberpfalz.

Die Autoren werteten für ihre Studie den Mikrozensus aus dem Jahr 2012 sowie Befragungen für das Panel Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung (PASS) aus dem Jahr 2011 aus.

Kinder stärker armutsgefährdet als Erwachsene

Vergleicht man die aktuelle Armutsstudie mit einem Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes vom Dezember 2013, ergibt sich: Kinder sind stärker von Armut bedroht als Erwachsene. Denn der Armutsbericht 2013 zeigt, dass in Berlin und Brandenburg insgesamt jeder Fünfte von Armut betroffen ist. Auch diese Untersuchung beruht auf dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes. Auch hier verzeichnete Brandenburg mit einer Zunahme von 16,9 Prozent im Jahr 2011 auf dann 18,3 Prozent einen deutlichen Anstieg. In Berlin liegt die Armutsquote mit 21,2 Prozent zwar höher als in Brandenburg, allerdings stieg sie hier nur noch um 0,1 Punkte.

Wie der Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes weiter ergab, wird die Kluft zwischen armen und reichen Ländern geht immer größer; bundesweit sind 15,2 Prozent der Menschen von Armut bedroht. Während sich die Situation in den armen Ländern immer mehr verschlechtert, geht es den reichen Ländern wie Bayern und Baden-Württemberg immer besser. Dort sinkt die Armutsquote weiter und liegt mit 11,2 bzw. 11,1 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt, während sie bei den Schlusslichtern Mecklenburg-Vorpommern und Bremen weiter gestiegen ist und 22,9 bzw. 23,1 Prozent beträgt.

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