Anschlag auf geplantes Asylbewerberheim - 20-Jähriger räumt Brandstiftung in Premnitz ein
Ein Vierteljahr nach dem Brandanschlag auf ein geplantes Asylbewerberheim in Premnitz ist der Fall weitgehend aufgeklärt. Ein 20-Jähriger hat die Tat eingeräumt und erklärt, er wollte "ein Zeichen setzen". Ein weiterer Jugendlicher streitet seine Beteiligung allerdings ab.
Die Polizei hat die Ermittungen zum Brand in einem geplanten Asylbewerberheim im vergangenen September in Premnitz weitgehend abgeschlossen. Nach Mitteilung der Behörden gab der 20-jährige Hauptverdächtige aus Premnitz bei Vernehmungen in dieser Woche zu, gemeinsam mit einem 17-Jährigen aus dem Ort den Brand an der verschlossenen Eingangstür des leerstehenden Gebäudes gelegt zu haben. Auch der 17-Jährige sei als Beschuldigter vernommen worden, habe aber seine Beteiligung bestritten.
Bei seinem Geständnis habe der Hauptverdächtige als Motiv erklärt: Er wollte nicht, dass in der Nähe seines Wohnortes Asylbewerber untergebracht werden. Zur Tatzeit wohnte er nur wenige Autominuten vom künftigen Heim entfernt. Er habe "ein Zeichen setzen" wollen um zu erreichen, dass "das Asylheim woanders untergebracht" wird.
"Man sieht ja, es führt zu nichts"
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sieht in dem Fahndungserfolg ein gutes Signal. Der Vorgang in Premnitz zeige, dass man gut beraten sei, mit einer starken Zivilgesellschaft aber auch mit dem nötigen Nachdruck in Justiz und Polizei gegen solche Dinge vorzugehen, sagte Woidke am Donnerstag bei einem Besuch in einem künftigen Asylbewerberheim in Bestensee.
Der Ministerpräsident lobte ausdrücklich die Arbeit der Polizei. Nach der Tat in Premnitz wurde sofort eine sechsköpfige Ermittlungsgruppe eingesetzt. Auch der Premnitzer Bürgermeister Roy Wallenta (parteilos) zeigte sich erleichtert über den Fahndungserfolg. Er sieht dadurch die Gefahr der Wiederholung und der Nachahmung gebannt. "Man sieht ja, es führt zu nichts, die Täter werden gefasst", sagte Wallenta dem rbb.

Spuren untermauern Geständnis
Die von den Kriminaltechnikern vorgefundenen Spuren und der daraus geschlussfolgerte, mögliche Tatablauf, sei durch die Aussagen des 20-Jährigen untermauert worden, teilte die Polizei mit. Von Zeugen sei darüber hinaus das Auto des Mannes in der Nähe des Brandortes beobachtet worden.
In ihrer Rekonstruktion des Falles gehen die Ermittler davon aus, dass die beiden Tatverdächtigen mit einem Feuerzeug und Brandbeschleuniger zuerst gelbe Säcke auf der Haustreppe in Brand setzten und danach eine Restmülltonne auf die brennenden Abfälle schütteten. Beide Tatverdächtige sind nach ihren Vernehmungen wieder entlassen worden. Sie sind der Polizei wegen Eigentums- und Körperverletzungsdelikten bekannt.
Bei dem Brand in der früheren Schule war lediglich Sachschaden entstanden. Das Gebäude war aber daraufhin unter Polizeischutz gestellt worden.
Die Region um die der 8.500-Einwohner-Stadt Premnitz gilt als ein Brennpunkt der rechtsextremistischen Szene. Ihr werden 60 Personen zugerechnet, 16 davon gelten als gewaltbereit. Erst kurz vor dem Anschlag hatte die NPD mehrfach gegen das Heim plakatiert und die Stimmung aufgeheizt.
Die ersten Asylbewerber sollen im Frühjahr in die ehemalige Berufsschule einziehen.



