Köhler-Azara gegen Modell-Projekt - Berlins Drogenbeauftragte warnt vor "Coffeeshop-Tourismus"

Geht es nach den Bezirksverordneten in Friedrichshain-Kreuzberg dann soll bald am Görlitzer Park legal Cannabis verkauft werden, um den dort florierenden Drogenhandel einzudämmen. Von dieser Idee hält Berlins Drogenbeauftragte Christine Köhler-Azara allerdings gar nichts - und sieht dann ganz neue Probleme auf den Kiez zurollen.

Berlins Drogenbeauftragte Christine Köhler-Azara hat sich klar gegen einen Coffeeshop am Görlitzer Park in Kreuzberg ausgesprochen. Seit Wochen diskutieren Stadt- und Bezirkspolitiker über die Möglichkeiten und Gefahren, solch einen Coffeeshop im Berliner Stadtteil Kreuzberg zu erlauben.

Christine Koehler-Azara, Drogenbeauftragte des Landes Berlin (Bild: imago)
Berlins Drogenbeauftragte Christine Köhler-Azara

Die Bezirksverordneten von Friedrichshain-Kreuzberg stimmten für ein bundesweit einzigartiges Modell-Projekt. Doch damit wirklich legal Cannabis am Görlitzer Park verkauft werden darf, müsste das Betäubungsmittelgesetz geändert werden. Und da sieht Berlins Drogenbeauftragte wenig Chancen. Sie spricht von einem Alleingang Berlins, der nicht klappen kann: "Cannabis ist dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt. Und das ist ein Bundesgesetz", so Christine Köhler-Azara. Und solch ein Bundesgesetz könne nicht einfach von einem Berliner Bezirk oder einem Bundesland geändert werden.

Wenn man eine Erlaubnis für den bislang verbotenen Verkehr mit Betäubungsmitteln haben wolle, müsse man sich an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wenden. "Die sehen eine Erlaubnis nur für wissenschaftliche Zwecke vor, oder wenn es im öffentlichen Interesse liegt. Und das sehe ich hier nicht", sagte Köhler-Azara dem rbb am Dienstag. Wolle man wiederum das Gesetz ändern, müsse man dafür sorgen, dass Gesetzesinitiativen im Bundestag eingereicht werden. "Aber dafür braucht man Mehrheiten."

Mehr Aufklärung statt Legalisierung

Laut Statistiken konsumieren zwei Millionen Deutsche jährlich so genannte weiche Drogen wie Haschisch oder Marihuana, jeder dritte soll abhängig sein. Angesichts dessen spricht die Drogenbeauftragte auch von einer komplexen Problematik, die mit einer Legalisierung von Cannabis nicht gelöst werden könne. "Nicht alle Cannabis-Konsumenten sind gleich. Es gibt sicher Menschen, die mit ihrem Konsum einigermaßen zurecht kommen. Es gibt aber auch Menschen, die davon abhängig werden", so Köhler-Azara.

In der Bevölkerung müsse vielmehr das Wissen darüber gestärkt werden, dass Cannabis-Konsum zur Abhängigkeit und zu psychotischen Zuständen führen kann. Eine weitgehende Legalisierung der Droge würde die Probleme von Drogennutzern, die etwa an Psychosen erkranken könnten, nicht lösen.

Coffeeshop-Tourismus aus ganz Deutschland

Dem Modellversuch des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg steht Köhler-Azara sehr skeptisch gegenüber. Wenn am Görlitzer Park legal Cannabis verkauft werde, könnte es einen Tourismus aus ganz Deutschland dorthin geben. "Ich fürchte, dass die Probleme, die wir dann im Görlitzer Park hätten, um ein Vielfaches größer wären, als die Probleme, die wir jetzt haben", sagte Köhler-Azara.

Die Idee eines Coffeeshops im Bezirk geht zurück auf Monika Herrmann, die grüne Bezirksbürgermeisterin in Friedrichshain-Kreuzberg. Sie will damit den Drogenhandel eindämmen - und ganz nebenbei den Handel mit Cannabis legalisieren. Der Görlitzer Park ist seit Jahren ein Schwerpunkt des Drogenhandels in Berlin.

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