Historische Aufnahme von Gefangenen in Auschwitz-Birkenau (Quelle: dpa)

Gedenken an die Befreiung von Auschwitz vor 69 Jahren - "Jede Generation muss von neuem verstehen"

Mehr als eine Million Menschen starben im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die überlebenden Häftlinge. An diesem Jahrestag wird an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert - Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit bezeichnete diese Erinnerung als Aufgabe für die Zukunft.

Vor 69 Jahren, am 27. Januar 1945, befreiten Soldaten der Roten Armee rund 7.000 überlebende Häftlinge in Auschwitz-Birkenau. Im größten deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager waren im Zweiten Weltkrieg mehr als eine Million Menschen ermordet worden - die meisten von ihnen Juden aus dem von Nazi-Deutschland besetzten Europa.

In Berlin und Brandenburg fanden zu diesem Anlass am Montag zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt.

Wowereit: Erinnerung ist Aufgabe für die Zukunft

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit bezeichnete die Erinnerung an den Holocaust als Aufgabe für die Zukunft. "Jede heranwachsende Generation muss von neuem verstehen, dass die Freiheit jeder und jedes Einzelnen abhängt von der Sicherung von Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie", sagte Wowereit am Montag. Die Gesellschaft müsse für Gefahren wie Intoleranz, Antisemitismus und Fremdenhass sensibilisiert werden: "Die richtige Antwort darauf bleibt, dagegen Gesicht zu zeigen."

Am Holocaust-Mahnmal in Berlin sollte am Nachmittag eine Begehung mit Kuratoren stattfinden. Anschließend stellten die Historiker Wolfgang Benz und Florian Lanz im unterirdischen Ort der Information am Mahnmal ein Buch über die ersten Zeugnisse der Schoah in Polen vor.

Menschen gehen bei einer Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Auschwitz-Befreiung mit Kerzen zur Kirche in Berlin-Pankow (Quelle: dpa)
Menschen mit Kerzen bei einer Gedenkveranstaltung in Berlin-Pankow

Zeichen gegen Diskriminierung

Im Tiergarten wollten zudem die Stiftung Denkmal für die verfolgten Juden Europas und der Lesben- und Schwulenverband gemeinsam am Denkmal für die verfolgten Homosexuellen  ein Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung setzten.

Im Jüdischen Bildungszentrum in Berlin-Wilmersdorf wurden am Vormittag erstmals Original-Dokumente von den Nürnberger Prozessen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Deutsche Historische Museum hat zum Tag des Gedenkens ein Sonderprogramm bei freiem Eintritt angeboten. Im Zeughauskino des Museums wurde die Dokumentation "Shoah" des Franzosen Claude Lanzmann gezeigt. Im Bundestag eröffnete Vizepräsidentin Ulla Schmidt (SPD) die Ausstellung "Erfasst, verfolgt, vernichtet. Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus".

Fritsch: Alltagsrassismus verantwortungsvoll begegnen

Auch in Brandenburg gedachten Menschen am Montag der Opfer des Holocaust. Im ehemaligen KZ Sachsenhausen bei Oranienburg (Oberhavel) wurde an das Schicksal jüdischer Häftlinge aus Ungarn erinnert. Kränze und Blumengebinde wurden unter anderem auch am Gedenkstein am ehemaligen KZ-Außenlager Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) niedergelegt.

Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) sagte in seiner Rede am zentralen Gedenkort "Station Z", das Gedenken an die Opfer und ihre Familien verpflichte dazu, sich aktiv gegen jegliche Auswüchse nationalsozialistischen Gedankenguts zur Wehr zu setzen: "Besonders die Aufklärung der Jugend muss vorangetrieben werden, um Phänomenen wie Alltagsrassismus bereits in jungen Jahren verantwortungsvoll begegnen zu können."

In das ehemalige KZ Sachsenhausen kamen vor 70 Jahren tausende Juden aus Auschwitz oder direkt aus Ungarn, darunter viele Frauen. Sie wurden zur Zwangsarbeit in den zahlreichen Außenlagern eingesetzt.

Bei der Räumung des Außenlagers Lieberose (Dahme-Spreewald) erschoss die SS Anfang Februar 1945 rund 1350 meist gehunfähige Häftlinge. Die übrigen erreichten nach einem 200 Kilometer langen Todesmarsch das Hauptlager Sachsenhausen.

Weltweiter Gedenktag

Der Tag der Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar - dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz - wird seit 2006 weltweit begangen. Er geht auf einen Beschluss der Vereinten Nationen zurück. In Deutschland ist dieses Datum seit 1996 ein nationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

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