(Quelle: Franziska Weigelt/ rbb)

Gericht verschiebt Entscheidung über Schließung - Neue Vorwürfe gegen Haasenburg-Betreiber aufgetaucht

Eigentlich hätte die Entscheidung über die Schließung der Haasenburg-Heime am Freitag fallen sollen. Nun ist sie auf Anfang kommender Woche verschoben. Unterdessen sind neue Vorwürfe aufgetaucht: Trotz Verbots sollen auch nach 2009 Jugendliche auf Liegen festgeschnallt worden sein. Ein Abschluss der Ermittlungen ist nicht absehbar.

Das Verwaltungsgericht Cottbus hat die Entscheidung über die Schließung der Haasenburg-Heime auf Anfang kommender Woche verschoben. Dies erklärte Gerichtssprecher Gregor Nocon auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Ursprünglich war die Entscheidung im Eilverfahren am Freitag erwartet worden.

Allerdings werden in den drei Heimen der Haasenburg GmbH in Brandenburg schon seit Ende Dezember keine schwer erziehbaren Kinder und Jugendliche mehr betreut. Hintergrund sind schwere Misshandlungsvorwürfe. Eine Expertenkommission hatte zudem gravierende Mängel in den Heimen festgestellt. Der Betreiber klagt vor Gericht gegen den Entzug der Betriebserlaubnis.

Auch nach 2009 festgeschnallte Jugendliche

Derweil sind neue Vorwürfe gegen ein Heim aufgetaucht. Trotz Verbots waren in einem Heim der Haasenburg nach Ermittlungen der Cottbuser Staatsanwaltschaft auch nach 2009 in mindestens einem Fall noch renitente Jugendliche auf einer Liege festgeschnallt worden. "Damit haben wir zum ersten Mal etwas Belastbares, das über die Aussagen von Betroffenen hinausgeht", sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding am Freitag.

Bislang hatte Haasenburg-Geschäftsführer Mario Bavar lediglich eingeräumt, dass bis vor drei Jahren lediglich in Einzelfällen Jugendliche stundenweise auf speziellen Liegen fixiert worden seien.

Bei einer wiederholten Hausdurchsuchung sollen die Ermittler nach Informationen der "Märkischen Oderzeitung" (Freitagsausgabe) fündig geworden sein. In einem verschlossenen Raum, der ihnen bei vorherigen Besuchen nicht gezeigt worden sei, haben sie eine der kritisierten Anschnall-Vorrichtungen vorgefunden. Dort sicherten sie DNA-Spuren, die einem früheren Heimbewohner zuzuordnen seien, der Anzeige gegen das Heim erstattet hatte. Er hatte laut der Zeitung beklagt, noch im Jahr 2010 fixiert worden zu sein.

Abschluss der Ermittlungen nicht absehbar

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in mehr als 70 Fällen wegen Misshandlungsvorwürfen gegen Erzieher und Betreteiber der Heime. Ein Abschluss der Ermittlungen sei noch nicht absehbar, sagte die Sprecherin der Behörde, Petra Hertwig. "Jeder Einzelfall muss genau geprüft werden. Und es kommen ja noch laufend neue Anzeigen herein."

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