Der Siegerentwurf von Gehry Partners, LLP (Gehry Partners, LLP)
Abendschau | 27.01.2014 | Boris Hermel

Siegerentwurf für Alex-Hochhaus vorgestellt - Die neue Krone für Ostberlin

Er soll ein Abschied von der Vergangenheit sein: Der neue Wohnturm am Alexanderplatz. Nun steht fest, wie er aussehen soll - und er unterscheidet sich deutlich vom Masterplan, den Star-Architekt Hans Kollhoff einst für die Zukunft des "Alex"  entwickelt hat. Dessen Idee vom Wolkenkratzer-Kiez ist wohl passé - und doch wird Kollhoff weiter mitreden dürfen. Von Sebastian Schöbel-Matthey

An diesen Worten wird man es messen müssen, das neue Hochhaus am Alexanderplatz: "Ein neues Wahrzeichen" für die City Ost will der US-Investor Hines bauen, mit einem "neuen Wohntypus" verteilt auf 150 Meter Höhe. So jedenfalls drückt es Hines-Sprecher Christoph Reschke an diesem Montagmorgen aus. Seine Signalwirkung entfalten soll das Hochhaus durch die Hand von Star-Architekt Frank Gehry, dessen Entwurf den Architekturwettbewerb zum Projekt gewonnen hat.

Entwürfe für das Hochhaus am Alexanderplatz (li. nach re. Kleihues + Kleihues, Gehry Partners, LLP, Barkow Leibinger)
Die drei Entwürfe (li. nach re.): Kleihues + Kleihues, der Gewinner Gehry Partners LLP, Barkow Leibinger

Die kleeblättrige Schachtelschraube

Es ist eine Art invertierte Schachtelschraube, die sich der gebürtige Kanadier Gehry ausgedacht hat: Auf einem Sockel sitzen leicht verdreht voneinander zwei weitere Blöcke, das Gebäude hat den Grundriss eines Kleeblattes. Wie ein Leuchtturm blickt das Hochhaus damit über die Dächer der Stadt in alle Richtungen. Der "markante Turm", wie ihn Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bereits nennt, soll die Struktur der angrenzenden Karl-Marx-Allee mit ihren Zuckerbäckerfassaden aufnehmen und gleichzeitig den Abschluss der berühmten Magistrale bilden. "Der Entwurf von Gehry hat einerseits eine ausdrucksstarke Form und eine für diesen Standort ungewöhnlich exzentrische, neuartige Formsprache", lobt Lüscher. "Und doch strahlt seine Fassade eine angenehme Ruhe aus." Zudem füge sich der Entwurf gut in seine Umgebung ein und "vermittelt am besten den Aspekt des großstädtischen Wohnens".

Die Berliner Senatsbaudirektorin, Regula Lüscher, und Christoph Reschke, Mitarbeiter der Immobilienfirma Hines, betrachten das Modell des neuen Hochhauses am Alexanderplatz. (Bild dpa)
Da muss er hin: Lüscher und Reschke stellen den Hochhaus-Entwurf vor.

Exklusive Wohnlage, exklusive Preise

Rund 300 Eigentumswohnungen und ein Designhotel sollen auf 39 Stockwerken einmal Platz finden. 250 Millionen Euro will Hines sich das Projekt kosten lassen. Noch bis Ende des Jahres sollen die Innenarchitektur und der Zuschnitt der Wohnungen geplant werden, ab 2015 könnten dann die Bauarbeiten beginnen. Geplant ist eine Bauzeit von zweieinhalb Jahren.

Billig werden die Wohnungen sicherlich nicht, kündigt Reschke vorsichtshalber schon einmal an, ohne aber Preise zu nennen. Aber dafür sei die Lage eben auch exklusiv und mittendrin. Dass sich die zukünftigen Mieter der Luxusobjekte vom regelmäßigen Krach auf dem Alex gestört fühlen könnten, glaubt er nicht. "Wer in Mitte wohnen möchte, tut das, weil dort das Leben pulsiert, nicht, weil es ruhig ist."

Architekturwettbewerb für Hines Hochhaus am Alexanderplatz

Der erste Turm von zehn... oder weniger

Etwas Besonderes ist der Hines-Turm schon jetzt, auch als Entwurf auf Papier: Schließlich wird er das erste Hochhaus von zehn sein, das Star-Architekt Hans Kollhoff vor gut zehn Jahren dem Alexanderplatz in seinem Masterplan verordnet hat. Passiert ist seitdem allerdings nichts, Investoren schreckten jahrelang vor der Herausforderung zurück, der Plan gilt inzwischen als kaum noch realisierbar. Kollhoff selbst hatte nach viel Kritik selbst einen Entwurf im Wettbewerb eingereicht, war aber in der ersten Runde gescheitert. Nun wird wohl ausgerechnet das erste neue Hochhaus am Alex auch das Ende seines ursprünglichen Masterplans einläuten.

Bye-bye, Chicago!

Zwar habe man mit dem Sockelbau des Turms eine Idee Kollhoffs übernommen, so Senatsbaudirektorin Lüscher. Auch die Höhe von 150 Metern bleibt erhalten. Doch schon die Fassade – die Kollhoff eher an die amerikanischen Wolkenkratzer der 20er und 30er Jahre angelehnt hatte – wird anders aussehen. Neuer. Moderner. Dynamischer. Worte, die Lüscher so nicht in den Mund nimmt, obwohl es längst kein Geheimnis mehr ist, dass die Schweizerin wenig von Kollhoffs ursprünglichen Masterplan hält. "Der Bebauungsplan definiert nicht die Architektur", sagt sie heute diplomatisch.

Hines-Turm ist mit Kollhoffs Plan kompatibel

Außerdem sei der Turm von Investor Hines durchaus "anschlussfähig". Soll heißen: Das neue Hochhaus schließt keine weiteren 150-Meter-Türme in der Nachbarschaft aus, Kollhoffs zentrale Idee einer neuen City Ost sei weiter machbar. Nur wie viele Hochhäuser es werden und wo sie stehen, das hat Lüscher längst zur Diskussion gestellt. Dass sie ikonische DDR-Bauten wie das Haus des Lehrers, das Park Inn Hotel und wohl auch das Haus des Reisens vor der Abrissbirne bewahren will, ist bekannt.

Demnächst wird das Abgeordnetenhaus entscheiden, ob und wie der Masterplan angepasst werden soll. Probleme für sein Projekt erwartet Reschke nicht. Auch nicht dadurch, dass der Turm nun nicht auf dem Einkauzfszentrum "Die Mitte" sitzt, wie im Masterplan gedacht, sondern dahinter: Man geht davon aus, dass die Änderung angenommen wird - Kollhoff habe dem sogar bereits schriftlich zugestimmt.

Bei der Opposition fällt die Reaktion hingegen zurückhaltender aus. "Wenn wir über den Alexanderplatz neu diskutieren wollen, dann kann man nicht mit so einem Wettbewerbssieger eine Vorentscheidung treffen," sagte die Stadtentwicklungsexpertin der Linken Katrin Lompscher dem rbb.

Modell des neuen Hochhauses am Alexanderplatz (Bild dpa)
150 Meter hoch, 39 Stockwerke, Eigentumswohnungen und ein Designhotel

Kommt bald das nächste Hochhaus?

Ein Wörtchen mitreden wird Kollhoff also dennoch. Der Respekt gebiete es, den Architekten bei der Anpassung seines Masterplans einzubinden, sagt Reschke. Regula Lüscher fügt hinzu, der streitbare Kollhoff werde sogar die Chance bekommen, als Erster seine Meinung zu sagen, wenn an seiner ursprünglichen Idee etwas geändert wird. "Es geht um eine Anpassung, nicht um eine Ablehnung des Masterplans", so Lüscher.

Schon jetzt deutet sich der nächste Hochhausbau an: Vor dem Einkaufszentrum "Alexa", an der Stelle, die auch Kollhoff für einen Turm gewählt hatte. Man sei bereits "in Gesprächen" mit Interessenten, so Lüscher, doch mehr verrät sie nicht.

Nur eine Sache, die ist laut Lüscher schon jetzt klar: Dass der Turm von Hines einmal neun neue Nachbarhochhäuser haben wird, sei so gut wie ausgeschlossen.

Abstimmung

Die Projekte am Alexanderplatz im Überblick

  • 1) Das "Hines-Hochhaus"

  • 2) Das "Park Inn" Hotel (Blackstone Group)

  • 3) Kaufhaus Alea 101

  • 4) Haus des Reisens

  • 5) Die "2. Reihe" am Alex

  • 6) Neue Büros, Wohnungen und ein Hotel (BEGO Immobilien)

  • 7) Die Alexanderstraße

  • 8/9) Rund um das Gebäude der "Berliner Zeitung"

  • 10) "Hotel Barcelona" hinter dem Cubix-Kino

  • 11) "Alexa"... und mehr?

Beitrag von Sebastian Schöbel-Matthey

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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Der Alexanderplatz mit Alexanderhaus (l-r), Fernsehturm (l-r), Berolinahaus, dem Kaufhaus Galeria Kaufhof und dem Hotel Park Inn (Quelle: dpa)

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