Die Luftaufnahme zeigt das Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKMZ) der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (Bild dpa)

Nach der Hochschulfusion in der Lausitz - Gründungspräsident für BTU Cottbus-Senftenberg gesucht

Dass Universitäten neues Führungspersonal suchen, geschieht immer wieder. Dass der- oder diejenige aber eine ganz neue Hochschule gestalten und aufbauen kann, ist eine Seltenheit. Und so schaut nicht nur die deutsche Wissenschaftslandschaft sondern eine ganze Region gerade sehr interessiert auf die frisch fusionierte BTU Cottbus-Senftenberg.

Nachdem die BTU Cottbus und die FH Lausitz im vergangenen Sommer zur BTU Cottbus-Senftenberg fusioniert sind, ist die Uni-Neugründung nun auf der Suche nach einem Präsidenten. Am Montag haben sich die beiden Kandidaten für den Posten  vorgestellt. Mit Michael Stelter, derzeit Prorektor für Forschung an der Bergakademie in Freiberg, und Jochen Zimmermann, Dekan für Wirtschaftswissenschaften an der Uni Bremen, bewerben sich zwei erfahrene Hochschulprofessoren für den Job.

Michael Stelter und Jochen Zimmermann (Bilder Bergakademie Freiberg/Universität Bremen)
Michael Stelter und Jochen Zimmermann

Im voll besetzen Audimax der BTU in Cottbus mussten sich die beiden Kandidaten vielen Fragen stellen. Den besseren Eindruck machte den Zuschauerreaktionen zufolge der 48-jährige Zimmermann. Sein schon sehr detailliertes Konzept bekam den meisten Applaus. Weniger überzeugt hat demnach das Konzept des Freiberger Profesors Stelter, der auch Fragen zur Finanzierung nicht ausreichend erklären konnte.

Die endgültige Entscheidung wird zwischen Wissenschaftsministerin Sabine Kunst und der Findungskomission gefällt, vermutlich noch im Januar.

Die neue "Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg" war im vergangenen Sommer aus der Fusion der BTU Cottbus und der FH Lausitz hervorgegangen. Grundlage ist ein im Januar 2013 beschlossenes Fusionsgesetz. Dagegen hatte es massiven Widerstand von Studierenden und Lehrkräften gegeben. Ein Volksbegehren der Fusionsgegner war im Oktober allerdings gescheitert.

Die Kandidaten im Überblick

  • Zur Person

    Alter: 57

    Geboren in Darmstadt

    Werdegang

    Diplom-Chemiker, Promotion im Bereich Anorganische Festkörperchemie an der TU Darmstadt

    Arbeit in der freien Wirtschaft, u.a. Norddeutsche Affinerie AG, Transvaal Alloys Pty. (Südafrika) und RPE GmbH

    Seit 1997 an der TU Bergakademie Freiberg, Direktor des Lehrstuhls für "Technologie der Nichteisenmetalle und Werkstoffrecycling"

    Seit 2006 Vize-Präsident der Gesellschaft für Bergbau, Metallurgie, Rohstoff- und Umwelttechnik (GDMB)

    Philosophie

    Zimmermann will den Platz der BTU Cottbus-Senftenberg in der deutschen Wissenschaftslandschaft deutlich verbessern. Dafür soll sich die Hochschule vor allem auf ihre Kernkomptenzen Energie, Sozialwesen und Medizintechnik konzentrieren.

    Schwerpunkte

    Erste Priorität für Stelter an der neu gegründeten BTU soll "das Zusammenwachsen" der beiden Standorte sein. Dafür will er die Universität noch stärker in der Region verankern.

    Die Standorte in Cottbus, Sachsendorf und Senftenberg sollen erhalten bleiben. Wie genau die Struktur in Zukunft aussehen soll, lässt er allerdings offen. In der Forschung will Stelter die BTU vor allem auf die Themen "Energie, Mensch und Umwelt" konzentrieren.

  • Zur Person

    Alter: 48

    Geboren in Clausthal-Zellerfeld, Niedersachsen

    Aktueller Job

    Dekan für Wirtschaftswissenschaften an der Uni Bremen

    Werdegang

    Diplomkaufmann, Promotion zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Mannheim

    Lehrtätigkeient an der London Business School und New York University, sowie European School of Management and Technology Berlin

    Seit 1998 Professor an der Uni Bremen, 2007 Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften

    U.a. Mitglied im Deutschen Verein für Versicherungswirtschaft und im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft

     

    Philosophie

    Weil die BTU zwischen den beiden bekannten Technischen Universitäten Berlin und Dresden "eingeklemmt" sei, will Stelter aus der Lausitzer Hochschule ein "Schnellboot zwischen den Tankern" machen. Er will den Fokus auf Flexibilität, flache Hierarchien und geringe Bürokratie legen. Der Ansatz des "forschenden Lernen" soll gestärkt werden. Damit will Stelter die BTU international konkurrenzfähig machen.

    Schwerpunkte

    Zimmermann will beim anstehenden Umbau der Uni vor allem "die Disziplinen stärken". Die Studienfächer sollen im internationalen Wettbewerb bestehen können, so Zimmermann. Er will darüber hinaus die Fächer Bauwesen und Architektur erhalten.

    Außerdem will er die Zahl der Studierenden erhöhen, auf mindestens 10.000. Davon sollen vor allem auch die nicht-technische Studiengänge profitieren. Zudem soll die BTU internationaler werden, durch Studierende aus dem Ausland. Insgesamt, sieht er sieben Fakultäten an der BTU vor.

  • Nach der Anhörung berät eine die Findungskomission über die beiden Bewerber. Sie macht dann Wissenschaftsministerin Sabine Kunst einen Vorschlag – der allerdings auch die Namen beider Bewerber beinhalten kann. Falls dem so sein sollte, muss sich das Ministerium mit dem Gründungssenat der BTU verständigen. Zu einer Einigung soll es noch Ende Januar kommen. Danach muss der Kandidat nur noch aus seinem aktuellen Vertrag gelöst werden. Vor April wird das aber wohl nicht der Fall sein.

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