Abendschau | 22.01.2014 | Kathrin Zauter

Schlechte Bezahlung - Berlins Gesundheitsdienst laufen die Ärzte davon

Der Öffentliche Gesundheitsdienst macht Kita- und Einschulungsuntersuchungen, kontrolliert Krankenhäuser, kämpft gegen Infektionskrankheiten – behandelt aber auch Menschen ohne Krankenversicherung, wie Flüchtlinge oder Wohnungslose. Inzwischen aber ist jede vierte Stelle im Gesundheitsdienst nicht mehr besetzt - das kann fatale Folgen haben. Von Kathrin Zauter

Christoph Finger vom Sozialpsychiatrischen Dienst Tempelhof-Schöneberg hat sich gerade wieder an den Schreibtisch gesetzt. Er hatte einen Notfall, musste sich um einen drogenabhängigen Mann kümmern, der nackt auf der Straße herumlief.

Bei Gefahr für Leib und Leben wird der Sozialpsychiatrische Dienst gerufen. Er betreut zum Beispiel psychisch Kranke, alte oder obdachlose Menschen. 22 Mitarbeiter müsste Finger laut Stellenplan eigentlich haben, aber nur 17 der Stellen sind besetzt. Dadurch könnten er und seine Mitarbeiter noch später handeln. Das sei fatal: "Das Kind ist oft schon in den Brunnen gefallen, wenn wir gerufen werden, viele der Menschen haben große Berührungsängste, es hat ja auch seinen Vorlauf warum sie nicht um Hilfe fragen können."

Schwer, neue Bewerber zu finden

Allein im Gesundheitsamt Tempelhof - Schöneberg ist nur jede dritte Stelle besetzt. Mitarbeiter fehlen überall. Und es scheint fast aussichtslos, neue Bewerber zu finden. Gerade im letzten Monat sei wieder ein Facharzt für Psychiatrie ins Krankenhaus zurückgekehrt, erklärt die Leiterin des Gesundheitsamtes, Sina Bärwolff. Das liege daran, dass die Ärzte im Öffentlichen Dienst weniger verdienten als in den Krankenhäusern. Immerhin rund 1.000 Euro weniger.

Nicht nur Tempelhof-Schöneberg hat diese Probleme. Auf einer Pressekonferenz der Ärztegewerkschaft Marburger Bund wurde bekannt, dass bis zu 400 Stellen im Berliner Öffentlichen Gesundheitsdienst nicht besetzt sind.

Für die Gesundheitsstadträtin Sibyll Klotz aus Tempelhof-Schöneberg ist das ein Unding: "Wir haben Flüchtlinge in der Stadt, haben eine höhere Zahl von Wohnungslosen und Nichtversicherten. Das sind alles Personengruppen, die beim Öffentlichen Gesundheitsdienst ankommen." Ein Problem sei auch, dass nicht alle Kinder ärztlich untersucht werden könnten, bevor sie Schule besuchen – oder auch mit dem notwendigen Impfschutz versehen würden, so die Grünen-Politikerin.

Verhandlungen über bessere Bedingungen

Selbst die Senatsverwaltung für Gesundheit hat in einem Brief an das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg vom Juli eingeräumt, dass "die gesetzlichen Verpflichtungen mit dem zur Verfügung stehenden Personal nicht mehr im erforderlichen Umfang erfüllt werden könnten".

Für mehr Personal wird nun mit einer Broschüre geworben. Außerdem sind mit der Senatsfinanzverwaltung mittlerweile auch verbesserte Einstellungsbedingungen verhandelt. Danach müssen Bewerber nicht mehr aus dem öffentlichen Dienst kommen, Berufserfahrungen werden angerechnet und dadurch die Einstiegsgehälter erhöht, wie Sozialsenator Mario Czaja (CDU) erklärte.

Aber in den Bezirken ist man skeptisch, ob das reicht. Zumal demnächst viele Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Allein in Tempelhof Schöneberg gehen in den nächsten zwei Jahren 30 Mitarbeiter des Öffentlichen Gesundheitsdienstes in Rente.

Beitrag von Kathrin Zauter

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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