Das DDR-Symbol über dem Auditorium der Elite-Uni "esmt - European School of Management and Technology" am Donnerstag (15.12.2005) im ehemaligen Staatsratsgebäudes in Berlin (Quelle: dpa).
Abendschau | 03.01.2014 | Norbert Siegmund

Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen - Knabe fordert Verbot von DDR-Symbolen

Parteiabzeichen, FDJ-Embleme, Hammer und Zirkel: Nach dem Willen von Hubertus Knabe sollen alle Symbole der DDR aus der Öffentlichkeit verschwinden. Der Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen fordert, die Verwendung dieser Zeichen unter Strafe zu stellen - wie es in vielen anderen ehemals kommunistischen Ländern längst üblich ist.

Der Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hat erneut ein Verbot von DDR-Symbolen gefordert. Knabe sagte am Freitag dem rbb, viele Opfer der Staatssicherheit seien an ihn herangetreten. Sie empfänden es als schmerzlich, dass Symbole der DDR-Diktatur in bestimmten Kreisen als schick gelten würde. Dies sei ein unhaltbarer Zustand. Knabe forderte, alle Symbole des DDR-Regimes aus der Öffentlichkeit zu verbannen und ihre Verwendung unter Strafe zu stellen. In vielen anderen ehemaligen kommunistischen Staaten wie Ungarn, Tschechien oder Lettland gebe es bereits solche Verfügungen.

Knabe kritisierte diesbezüglich die neue Bundesregierung. Es sei sehr bedauerlich, dass sich die ostdeutschen CDU-Abgeordneten bei den Koalitionsverhandlungen nicht mit entsprechenden Forderungen nach einem Verbot von DDR-Symbolen durchsetzen konnten, sagte Knabe. Im Frühjahr waren in Berlin Angehörige eines früheren Stasi-Wachregimentes in ihren Uniformen aufmarschiert. Der Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (CDU), hatte daraufhin angekündigt, ein Verbot nach der Bundestagswahl im September auszuloten. Am Brandenburger Tor und am Checkpoint Charlie zeigen sich regelmäßig uniformierte Ex-DDR-Grenzer und stoßen damit auf Kritik.

Der Buchautor und Gedenkstätten-Leiter Hubertus Knabe, aufgenommen am 13.03.2009 auf der Leipziger Buchmesse (Quelle: dpa).
Hubertus Knabe, der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Ehemalige DDR-Bürgerrechtler widersprechen

Der Historiker Knabe schlug vor, in den kommenden Monaten ein Symposium zu dem Thema zu veranstalten. "Wir sollten uns Gedanken machen, welche Symbole man erfassen und mit welchen Instrumenten man sie aus der Öffentlichkeit verbannen will", sagte Knabe. Wer beispielsweise in Litauen Uniformen oder Wappen der Nazi- oder der Sowjetzeit öffentlich zeige, müsse mit einem Bußgeld rechnen. In Deutschland gelte das nur für nationalsozialistische Symbole. "Es ist einfach unlogisch, dass die Verherrlichung der einen Diktatur bestraft wird, die der anderen jedoch nicht", sagte Knabe.

In diesem Punkt jedoch widersprachen Knabe ehemalige DDR-Bürgerrechtler scharf. "Die DDR war eine unangenehme, unanständige Diktatur - aber wir sollten sie nicht mit den Verbrechen des Naziregimes gleichsetzen", sagte der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse dem rbb.

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