Ein Mann raucht eine Haschzigarette (Quelle: dpa)

Diskussion um Kreuzberger Coffee-Shop - "Verkaufs-Shop" oder "Kifferhöhle"?

Ein Coffeeshop für den Görlitzer Park: Diesem Vorschlag hat die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg Ende November mit großer Mehrheit zugestimmt. Damit soll der illegale Cannabishandel im Park beendet werden. Wie der staatliche Drogenverkauf jedoch genau ablaufen soll, weiß noch niemand so genau.

Vor den Zugängen zum Park stehen Gruppen junger Männer. Sie warten auf Kundschaft. An ihnen muss vorbei, wer beispielsweise ins Restaurant Edelweiß will - dort arbeitet Jennifer Wittenburg. Aber privat, mit ihrem Kind, meidet sie den Park. Sie fühlt sich belästigt: "Man wird alle zwei Meter angesprochen und hat teilweise auch Angst, weil man auch nie weiß, was das für Leute sind."

"Keine gemütliche Kifferhöhle"

Jennifer ist für eine staatlich kontrollierten Cannabis-Verkauf. Sie hofft, dass die Gegend dadurch sicherer wird. Auch die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann möchte die Cannabis-Abgabe staatlich organisieren. Die Grünen-Politikerin musste in den letzten Monaten viel Kritik einstecken für ihr Coffeshop-Projekt, vermutlich auch, weil bislang völlig unklar ist, wie genau der Coffeeshop aussehen soll. Werden dort Drogen lediglich verkauft, oder auch konsumiert? Erstmals äußerte sich nun Bezirksbürgermeisterin Herrmann konkret zu der Gestaltung des Ladens: "Wir denken an einen schlichten und nüchternen Verkaufs-Shop, wo es ausschließlich Cannabis zu kaufen gibt, der keine gemütliche Kifferhöhle werden kann. Es ist ein sehr ernstes Thema".

"Konsum der Drogen vor Ort"

Herrmanns Hauptargumente für einen "Cannabis-Fachhandel": Jugendschutz und Verbraucherschutz. Denn wenn der illegale Handel trockengelegt werden würde, kämen unter 18-Jährige nicht mehr an Dope, meint sie. Die volljährigen Verbraucher könnten ihren Bedarf in staatlich kontrollierten Verkaufsstellen decken, aus geprüftem Anbau, mit gleichbleibend berechenbarer Wirkung und mit Gütesiegel.

Über den Vorstoß der Bezirksbürgermeisterin hoch erfreut ist der Deutsche Hanf-Verband. Dessen Vorsitzender, Georg Wurth, sieht sich in seinem Vorhaben bestätigt, Haschisch in Deutschland zu legalisieren: "In Schleswig-Holstein wurde Ende der 90er Jahr auch solch ein Modellprojekt beantragt, dort sollte allerdings der Verkauf in Apotheken stattfinden, ohne Konsummöglichkeit vor Ort. In Kreuzberg soll es offenbar anders laufen - wenn schon von Coffeeshop die Rede ist, dann geht es auch um Konsum der Drogen vor Ort." Wurth könnte sich auch einen "großen Konsumierbereich" im Görlitzer Park vorstellen: "Dann müsste man ein Stück vom Park dafür Reservieren und schön chillig einrichten, dass die Leute sich da auch gerne aufhalten."

Staatliches Cannabis mit Bio-Siegel

Doch daran denkt Monika Herrmann offenbar nicht. "Coffeeshop" sei lediglich ein "Arbeitstitel" für das Projekt, das man nicht mit einer "holländischen Variante" vergleichen könne. Laut Herrmann soll es keine Konsummöglichkeit in dem Laden geben. Trotzdem ist sich die 49-Jährige sicher, dass die Konsumenten den Laden wertschätzen werden - und dann nicht mehr Schwarzmarkt-Drogen im Görlitzer Park kaufen werden. Diese seien oftmals von schlechter Qualität: "Wenn die Leute wissen, dass das Cannabis, welches wir staatlich verkaufen, sauber ist und ein Bio-Siegel hat, dann werden die nicht da kaufen, wo es unsicher ist."

Cannabis-Verkaufsstellen in allen Bezirken

Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband weiß, wie andere Länder den Cannabis-Schwarzmarkt trockengelegt haben. Das wichtigste dabei ist der Preis: "Der Preis darf nicht über dem derzeitigen Schwarzmarkt-Niveau liegen, sondern möglichst etwas darunter, so dass der Schwarzmarkt keine Chance mehr hat." Noch im Januar soll eine Arbeitsgruppe starten, die aus Medizinern, Juristen, Suchtberatern und Politikern besteht, erklärt Herrmann. "Wenn wir scheitern, haben wir wenigstens eine breite Diskussion angeregt." Andernfalls könnte das Projekt wegweisend für Berlin sein. Herrmann wünscht sich nämlich für die Zukunft Cannabis-Verkaufsstellen in allen Bezirken.

Monika Hermann, Bündnis 90/Die Grünen (Bild: imago)
Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin in Friedrichshain-Kreuzberg, will Cannabis legalisieren.

Dies wäre vermutlich für die Berliner CDU ein Worst-Case Szenario. Timur Husein ist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion Friedrichshain-Kreuzberg. Er würde den Görlitzer Park am liebsten nachts absperren. Husein setzt auf den Dreiklang von Prävention, Suchthilfe und auf "alle zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mittel.  Polizei und Justiz müssen zusammenarbeiten und durchgehend und für einen längeren Zeitraum harte Kante zeigen", sagte Husein dem rbb.

130 Razzien gab es zwischen Januar und November 2013 allein im Görlitzer Park, 355 Ermittlungsverfahren wurden wegen Drogenbesitzes eingeleitet.


Mit Informationen von Katja Weber

  • Wie ist die Ausgangslage am Görlitzer Park?

  • Wie reagiert bisher die Berliner Politik?

  • Welche rechtlichen Hürden für Coffeeshops gibt es?

  • Was ist legal, was nicht?

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