Gymnasiasten während einer Prüfung (Bild: dpa)

Freie Träger kritisieren neues Gesetz - Rot-Schwarz will Schulreform rasch umsetzen

Nach monatelangen Querelen um eine Reform des Schulgesetzes will Berlins rot-schwarzes Regierungsbündnis die Änderungen nun rasch umsetzen. Möglichst schon für die Oberschulaufnahme zum kommenden Schuljahr soll die Reform greifen. Am Donnerstag beschäftigte sich das Parlament in erster Lesung mit den Neuerungen.

Die geplanten Änderungen im Berliner Schulgesetz sollen nach dem Willen der Koalition von SPD und CDU rasch umgesetzt werden. Mit der Schulgesetz-Änderung will die rot-schwarze Koalition unter anderem veranlassen, dass Geschwisterkinder an stark nachgefragten Oberschulen bevorzugt aufgenommen werden.

Über die Neuerungen hat das Abgeordnetenhaus am Donnerstagabend in erster Lesung beraten. Die Koalition will die geplanten Änderungen im Februar im Bildungsausschuss und Anfang März in der Plenarsitzung beschließen. 

Gelten sollen die Änderungen bereits für die Oberschulaufnahme zum kommenden Schuljahr. Die Anmeldungen für die Oberschulen seien zwar bereits im Februar, sagte Bildungsstaatssekretär Mark Rackles. Die Zusagen würden dann aber im April auf Basis der geltenden Rechtslage erteilt. Die wichtigsten Änderungen im Überblick sind:

  • Striktere Regeln für Sprachförderung

  • Aufnahmeverfahren für das Gymnasium

  • Geschwisterkinder

  • Kinder aus dem gleichen Bezirk werden bei Schulwahl bevorzugt

  • Auslandsaufenthalte sollen für Schüler erleichtert werden

  • Gründung freier allgemeinbildender Schulen

  • Gründung freier berufsbildender Schulen

Von den Änderungen ist besonders die Finanzierung der Freien Schulen umkämpft. Deren Träger befürchten durch das neue Gesetz drastische Einschränkungen. "Der Vorschlag des Senats geht zu Lasten freier Schulen", sagte Andreas Wegener vom Verband deutscher Privatschulen Berlin-Brandenburg am Dienstag.

"Bei den Berliner Waldorfschulen ist es seit 30 Jahren so, dass sich eine Schule nach der Aufbauphase mit einem eigenen Träger selbstständig macht", sagte Detlef Hardorp, bildungspolitischer Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg. Das habe noch nie zu Problemen geführt. Die geplante Neuerung, dass Träger Zuschüsse rückzahlen sollten, falls sich neue Schulen vor einer gesetzten Frist wieder von ihnen lösen., sei daher "unnötig und unsinnig".

"Zukunftsträchtige Kombinationen nicht mehr möglich"

Die Berliner Arbeitsgemeinschaft der Schulen in freier Trägerschaft (AGFS) kritisierte außerdem die geplanten Neuerungen für private Berufsschulen. Die Einteilung der Berufsfelder, die der Genehmigung zugrunde liegen sollen, sei unzulänglich, sagte Andreas Wegener. "Zukunftsträchtige Kombinationen wie etwa Sozialwesen und Ernährung sind dann nicht mehr möglich, weil die Felder so eng gefasst sind."

Mit Informationen von Kirsten Buchmann und Matthias Bartsch

Mehr zum Thema

Eine Grundschülerin zeigt der Berliner Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) ein selbstgebautes Schnurtelefon. (Bild dpa)

Neues Schulgesetz vorgestellt - Scheeres plant verbindlichen Sprachtest

Für Freie Träger von Berufsschulen soll bald ein Zwei-Klassen-System eingeführt werden: Zuschüsse zur Gründung gibt es dann nur unter Auflagen. Auf Kinder, die nicht in der Kita waren, kommt ein verbindlicher Sprachtest vor der Einschulung zu - und eine Strafzahlung für Eltern, die den Test verweigern.