Eine Gruppe ultra-orthodoxer Juden, hier bei einer Versammlung in Jerusalem (Bild dpa)

"Einmalig in Deutschland" - Berlin hat eine neue jüdisch-orthodoxe Gemeinde

Sie leben streng nach den Regeln der Thora, viele sind extra nach Berlin gezogen, um eine Glaubens-Gemeinschaft zu finden. Am Dienstag feierten die 250 Mitglieder der jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft "Kahal Adass Jisroel" in Berlin-Mitte offiziell ihre Gemeindegründung.

In Berlin gibt es eine neue jüdische Gemeinde, die anknüpfen will an eine Glaubensgemeinschaft, die 1939 von den Nazis verboten wurde. In der Synagoge Beth Zion in Berlin-Mitte feierte die orthodox ausgerichtete Gemeinschaft Kahal Adass Jisroel (hebräisch: Versammlung des Volkes Israel) offiziell ihre Gründung.

An dem Festakt nahmen zahlreiche Vertreter aus Politik und Religion teil, darunter der Berliner Kulturstaatssekretär Andrè Schmitz (SPD) sowie Nachfahren derjenigen Rabbiner, die der unter der NS-Herrschaft verbotenen Synagogen-Gemeinde "Adass Jisroel" vorstanden. 

Einzige Gemeinde dieser Art in ganz Deutschland

Angefangen habe alles vor einigen Jahren mit ein paar Familien, die jüdisch-orthodox leben wollten, sagte Gemeindevorstand Michelle Berger. Sie selbst ist Marketingberaterin und vor drei Jahren mit ihrer Familie aus Köln nach Berlin gezogen. In der Brunnenstraße fanden Berger und andere Gleichgesinnte einen Anlaufpunkt, dort betreibt die US-amerikanische Ronald S. Lauder Foundation ein orthodoxes Rabbinerseminar und einen Kindergarten. Auch eine jüdische Grundschule gibt es wenige Kilometer entfernt.

Im vergangenen Frühjahr begannen die Familien schließlich erste Strukturen für eine eigene Gemeinde aufzubauen. Heute zählt sie bereits über 250 Mitglieder, das Durchschnittsalter liege zwischen 30 und 40 Jahren. "Ein vergleichbares Angebot wie Kahal Adass Jisroel gebe es in ganz Deutschland nicht", sagte Berger. Viele Mitglieder seien in den vergangenen Jahren bewusst in die Bundeshauptstadt gezogen, um in Berlin-Mitte als orthodoxe Juden leben zu können.

Gemeinde-Mitglieder leben streng nach orthodoxen Regeln

Nach den orthodoxen Regeln leben heißt beispielsweise am Sabbat kein Auto zu fahren oder den Lichtschalter zu betätigen, regelmäßig die Tora zu studieren, die jüdischen Speisevorschriften penibel einzuhalten und trotzdem einem bürgerlichen Beruf nachzugehen. Unter den Gemeindemitgliedern sind Ärzte, Manager, Juristen, Unternehmer, Beamte, Lehrer und Informatiker.

Kahal Adass Jisroel knüpft an eine Tradition des deutschen orthodoxen Judentums an, die in der 1869 gegründeten Israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adass Jisroel) zu Berlin ihren Anfang nahm. Der Rabbiner Ezriel Hildesheimer (1820-1899) gründete die Gemeinde, die 1939 von von den Nazis aufgelöst wurde. Zu einer weiteren bereits bestehenden Adass-Jisroel-Gemeinde in Berlin besteht nach Angaben von Berger kein Kontakt. Zur Jüdischen Gemeinde Berlin, in der es in der Vergangenheit immer wieder Streit gegeben hatte, bestünden dagegen sehr gute Beziehungen.

Eine junge Frau mit Kippa, im Hintergrund der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz (Bild: imago)

Initiative für Personalwechsel - Jüdische Gemeinde steuert auf Neuwahlen zu

Gideon Joffe steht der Berliner Jüdischen Gemeinde vor und gibt nach Meinung vieler Mitglieder in dieser Position eine wenig glückliche Figur ab. Die Folge: Einige Aktivisten  starteten eine Initiative mit dem Ziel von Gemeindeneuwahlen. Nun die Nachricht: Offensichtlich reicht die Zahl der Mitgliedervoten für diesen Schritt.