Kinder auf Klassenfahrt (Bild:dpa)

Förderung für sozial Bedürftige - Bildung und Teilhabe gibts nur für Aktive

2,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland gelten als arm, hat das Kinderhilfswerk gerade wieder vermeldet. Doch Kinder von Hartz IV- oder Sozialhilfeempfängern, Wohngeldbeziehern und Asylbewerbern sollen nicht ausgegrenzt werden: Schulausflüge, Nachhilfe oder Sportprogramme können im Rahmen des Bildungs- und Teilhabe-Pakets der Bundesregierung bezahlt werden. In Berlin scheitern allerdings viele Eltern an den Formalitäten. Von Ute Schuhmacher

Einen dicken Ordner schlägt die Sekretärin der Paul-Löbe-Oberschule in Reinickendorf auf. Jeder einzelne Schulausflug - vom Museumsbesuch bis zum Wandertag - ist abgelegt. Denn für jeden Ausflug muss das Geld einzeln beantragt werden, egal ob das Ganze 3,60 Euro oder 70 Euro kostet.  "Ich muss wirklich jeden einzelnen Fahrschein und jede Quittung dranhängen", sagt die Sekretärin.

Fehlt etwas, bleibt der Lehrer auf den Kosten sitzen. Er hat das Geld für den Ausflug in der Regel vorgestreckt und bekommt nur das zurück, was er auch belegen kann.

Eltern scheitern an Anträgen

Ein anderes Problem: Ohne gültigen Berlin-Pass gibt es ebenfalls kein Geld. Für den Pass müssen die Berechtigten beim Amt einen Antrag stellen, ein aktuelles Passfoto muss mitgebracht werden.

Das sind echte Hürden, sagt der Koordinierende Erzieher der Möwenseegrundschule, Claas Thomas.  "Schon die Beantragung dauert manchmal lange. Wir hatten schon Eltern, deren Berlin-Pass deshalb schon zwei Wochen, nachdem sie ihn bekommen hatten, wieder abgelaufen war", seufzt Thomas.

Ein halbes Jahr ist der Berlin-Pass maximal gültig. Zur Verlängerung müssen die Eltern wieder aufs Amt. Wird der Pass nicht verlängert, kann das beispielsweise für Eltern, die ihre Kinder zum Schulessen angemeldet haben, richtig teuer werden, erklärt Claas Thomas: Essenslieferanten fordern den doppelten Beitrag. "Das passiert immer wieder, obwohl das Bezirksamt es für nicht korrekt erklärt hat", sagt der Erzieher.

Mühsam hilft die Schule, solche Probleme wieder gerade zu biegen, wenn sie denn davon erfährt.

Hartz-IV-Eltern füllen Anträge aus (dpa-Archivbild)
Mit den Anträgen für das Bildungspaket sind viele Eltern überfordert.

Ausgaben steigen

Für den zuständigem Sozialstaatssekretär Dirk Gerstle (CDU) ist das Bildungs- und Teilhabepaket in Berlin trotz dieser Kritik ein Erfolg. Dafür sprächen unter anderem die steigenden Zahlen, sagt er: Wurden bei der Einführung des Bildungspakets 2011 rund 17 Millionen Euro ausgegeben, waren es im Jahr 2013 schon 27 Millionen Euro.

Wie viele der über 200.000 anspruchsberechtigten Kinder und Jugendlichen in Berlin davon bislang profitiert haben, ist noch unbekannt. Eine entsprechende Statistik soll im Frühsommer da sein, verspricht der Sozialstaatssekretär.

Andere Länder noch bürokratischer

Die Kritik an der zu aufwändigen Bürokratie in Berlin will Gerstle nicht gelten lassen. In anderen Bundesländern müsse oft für jeden Schulausflug einzeln beim Amt ein Bildungsgutschein beantragt werden, sagt er.

In Berlin reicht der gültige Berlin-Pass, egal ob Nachhilfe beantragt wird oder ob Schulausflüge und Klassenfahrten bezahlt werden sollen. Die Anträge dazu müssen allerdings trotzdem ausgefüllt werden.

Beitrag von Ute Schuhmacher

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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