Keine neuen P+R-Plätze - Senat schickt Pendler in den Stau
Die Zahl der Brandenburger, die nach Berlin zur Arbeit pendeln, ist seit 2002 um 30 Prozent gestiegen. Der ADAC fordert deshalb dringend zusätzliche Park & Ride-Parkplätze. Doch der Berliner Senat will sich an deren Finanzierung bislang nicht beteiligen – zum Ärger von Brandenburger Verkehrspolitikern. Von Robin Avram
Rund 183.000 Brandenburger pendeln jeden Morgen nach Berlin zu Arbeit. Laut Statistischem Landesamt sind das rund 30 Prozent mehr Berufspendler als noch im Jahr 2002. Eigentlich eine erfreuliche Entwicklung, dass die Berliner Wirtschaft so viele Arbeitsplätze schuf, und auch viele Brandenburger davon profitieren.
Die Kehrseite: Selbst tagsüber sind Parkplätze in Teilen der Innenstadt rar geworden, von den Staus während des Berufsverkehrs ganz zu schweigen. Diese Probleme haben auch deshalb zugenommen, weil viele der Pendler mangels Alternativen mit dem Auto nach Berlin fahren. Denn das Land Berlin schuf seit dem Jahr 2001 nur einen einzigen neuen Park&Ride-Parkplatz mit 157 Plätzen am Bahnhöf Hönow. Viel zu wenig, meint der ADAC.

Parkangebot werde weiter verteuert und reduziert
"Wir haben in Summe rund 8000 Park&Ride-Plätze im Land Berlin sowie im direkten Umland an den S-Bahn und Regionalbahnen," sagt ADAC-Verkehrsexperte Jörg Becker rbb online. Auf einen P+R-Parkplatz kämen inzwischen rund 23 Pendler. "Berlin muss deshalb dringend zusätzliche Plätze konzipieren und mit Brandenburg gemeinsame Lösungen zur Finanzierung finden", fordert Becker. Ansonsten werde das Parkangebot in der Innenstadt weiter verteuert und reduziert.
Dass es dafür dringenden Bedarf gibt, zeigt eine Studie des Auto Club Europa (ACE), der im Jahr 2013 bundesweit Park&Ride-Parkplätze testete. Demnach sind vier der sieben Berliner P+R-Standorte zu über 100 Prozent ausgelastet. Besonders in Falkensee und Königs-Wusterhausen ist der Andrang viel größer als das Angebot. Wer diese P+R-Plätze nutze, spare gegenüber der Autofahrt zum Hauptbahnhof im Schnitt pro Tag über ein halbe Stunde Fahrtzeit und 4,60 Euro an Fahrtkosten. Gute Argumente also auch für die Pendler.
Gespräche mit Brandenburg schon seit 2010 geplant
Doch die Verwaltung von Stadtentwicklungs-Senator Michael Müller (SPD) hat derzeit keine Pläne, neue P+R-Plätze zu schaffen. Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Abgeordneten Katrin Vogel aus dem November 2013 hervor. Die für P+R-Parkplätze infrage kommenden Flächen in unmittelbarer Nähe an S-Bahnhöfen sollten einer "wirtschaftlich effizienteren Nutzung vorbehalten werden", schreibt darin der zuständige Staatssekretär Christian Gäbler.
Auf Nachfrage von rbb-online gibt sich Senatssprecherin Daniela Augenstein ausweichend, ob es bei dieser Entscheidung bleibt. "Wir werden in Zukunft mit dem Land Brandenburg darüber sprechen, ob wir unsere gemeinsame P+R-Konzeption überarbeiten", sagt sie. Solche Gespräche sollten eigentlich schon seit dem Jahr 2010 stattfinden. Doch bisher habe man "aufgrund anderer Prioritätensetzung" noch nicht damit begonnen, heißt es in der Antwort auf die Anfrage.
"Ich erwarte, dass sie Berlin in die Pflicht nehmen"
Und so bleibt es bislang den Brandenburger Steuerzahlern vorbehalten, neue P+R-Parkplätze zu finanzieren. Mit 1,1 Millionen Euro will das märkische Infrastrukturministerium in diesem Jahr vier neue P+R-Parkplätze in Havelland, Oberhavel und Barnim fördern. Die Berliner Zurückhaltung bei diesem Thema möchte man im Ministerium nicht kommentieren.
Die Brandenburger Verkehrspolitiker sind da weniger zurückhaltend. "Ich erwarte von der Landesregierung, dass sie Berlin ein Stück weit in die Pflicht nehmen, was diese gemeinsame Aufgabe angeht," meint Michael Jungclaus von den Grünen. Auch Kerstin Kircheis, verkehrspolitische Sprecherin der SPD, findet es "schlecht", dass ihr Parteigenosse, Verkehrssenator Müller, in Berlin so wenig für neue P+R-Parkplätze tut. Sie will das Thema nun in der nächsten Sitzung der Gemeinsamen Landesplanung auf die Tagesordnung setzen. "Schließlich profitiert auch Berlin davon, wenn mehr Pendler die Regionalbahnen nutzen und damit die Straßen und Parkplätze in Berlin entlasten."




