
Dieter Dombrowski gibt Fraktionsvorsitz auf - Der Antikommunist
Christdemokrat ist Dieter Dombrowski schon seit fast drei Jahrzehnten - als Fraktionschef in Brandenburg war er aber nur eineinhalb Jahre im Amt. Bekannt wurde der gebürtige Ost-Berliner, der wegen Republikflucht in Haft saß, durch markige Worte und Aktionen. Von Andrea Marshall
Auf sich aufmerksam macht Dieter Dombrowski gern durch markige Worte und streitbare Aktionen – vor allem, wenn es gegen Linke, Sozialisten und Kommunisten geht. Unvergessen ist sein Auftritt im Potsdamer Landtag im Jahr 2009, als dort die rot-rote Landesregierung vereidigt wird: Dombrowski erscheint in DDR-Häftlingskleidung. Aus Protest gegen eine Regierung mit früheren Stasi-Mitarbeitern. Schließlich hatte er selbst zu DDR-Zeiten im (Stasi-)Gefängnis gesessen.

Haft im Stasigefängnis
Vielleicht war es diese Gefängnisstrafe, die den heute 62-Jährigen zu einem derart überzeugten Antikommunisten machte. Das Bezirksgericht Schwerin verurteilt den gebürtigen Ost-Berliner und gelernten Maler 1974 nach einem gescheiterten Fluchtversuch zu vier Jahren Haft, von denen er 20 Monate absitzt – 16 davon im Stasigefängnis Cottbus. Vorgeworfen wird dem damals 23-Jährigen der ungesetzliche Grenzübertritt aus der DDR, genannt Republikflucht, sowie staatsfeindliche Verbindungsaufnahme.
Die Bundesrepublik kauft den jungen Mann jedoch frei; Dombrowski zieht nach West-Berlin. Zwanzig Jahre später – 1994 – wird er offiziell rehabilitiert.
"Guerilla"-Aktionen in West-Berlin
In der damals geteilten "Frontstadt" tritt Dombrowski dann bald in die CDU ein - und macht mit ungewöhnlichen Aktivitäten von sich reden. So ist er beteiligt, als das Büro der russischen Fluglinie Aeroflot am Bahnhof Zoo zugemauert wird. Möglicherweise auch eine Art symbolischer Propaganda gegen die Bespitzelungen der Stasi-Geheimdienstler, die Dombrowski angeblich auch in West-Berlin im Visier hatten.
Referent im Bundestag
Nach einer Umschulung zum Zahntechniker widmet sich Dombrowski dann allerdings hauptberuflich der Politik: Sieben Jahre lang, von 1983 bis 1990, arbeitet er als Referent der Berliner CDU-Landesgruppe im Bundestag. Vier Jahre davon führt er auch die Junge Union in West-Berlin, die als ultrakonservativ gilt.

Nach der Wende nach Brandenburg
Die Jahre nach der Maueröffnung, die Vereinigung der beiden Hälften Berlins, erlebt der Großstädter dann aber vom flachen Land aus: Er ist zurück in den Osten gezogen, ins brandenburgische Havelland, wo er seine Kindheit verbracht hatte. Von 1990 bis 1994 arbeitet Dombrowski als Landrat des Kreises Rathenow, bevor er die Geschäftsführung der "Beratungsgesellschaft für kommunale Infrastruktur“ in Werder (Havel) übernimmt (1994 bis 2004).
Fundamental-Opposition im Landtag
1999 gelingt Dieter Dombrowski dann der Einzug in den brandenburgischen Landtag. Dort ist die CDU allerdings viele Jahre lang heillos zerstritten. 2009 steigt Dombrowski zu ihrem Generalsekretär und stellvertretenden Parteichef auf. Beide Ämter hat er bis 2012 inne.
Im September 2012 wird der agile Pragmatiker schließlich mit knapper Mehrheit Chef der CDU-Landtagsfraktion - und damit Oppositionsführer gegen die rot-rote Landesregierung, die er schon seit ihrem Start leidenschaftlich bekämpft. Zum Parteichef reicht es nicht - diesen Posten bekommt Michael Schierack - aber Dombrowski betreibt nun recht erfolgreich Fundamental-Opposition, greift die Regierung an, wo er kann, fordert im Zusammenhang mit dem Flughafen-Desaster immer wieder den Rücktritt von Regierungschef Matthias Platzeck (SPD).
Erfolgreich im Machtpoker
Dombrowski soll auch die Fäden gezogen haben, als seine Vorgängerin an der Fraktionsspitze, die umstrittene damalige Landes-Chefin Saskia Ludwig, 2012 nach heftigen innerparteilichen Kämpfen alle Ämter räumen muss. In Machtspielen gilt der Mann als versiert.
Und so soll er auch den jetzigen Wechsel mit eingefädelt haben: Dombrowski tritt offenbar freiwillig vom Amt des Fraktionschefs in die zweite Reihe zurück und wird zum Stellvertreter. Neuer starker Mann an der Fraktions- und der Parteispitze wird Michael Schierack. Mit diesem Schachzug, so das Kalkül, müsste die Landtagswahl im September für die CDU gut laufen.
