
Berlins Kultur-Papst André Schmitz - Netzwerker auf Du und Du
André Schmitz gilt als enger Vertrauter von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und gehört zu den schillernden Persönlichkeiten des Kulturbetriebs in der Hauptstadt. Besonders ist auch seine Lebensgeschichte: 1957 in Oberhausen geboren und aufgewachsen in Hamburg, wurde er im Alter von 40 Jahren von der kinderlosen "Wella"-Erbin Pauline Schwarzkopf adoptiert. Von Jan Menzel
Mit den großen der Kulturszene ist André Schmitz auf Du und Du. "Der Frank" sagt er, und meint den Volksbühnen-Intendanten Frank Castorf oder er spricht von "meinem Freund Matthias", dem ehemaligen Intendanten des Hebbel am Ufer, Matthias Lilienthal. André Schmitz ist das, was man einen Netzwerker nennt und er hat nie einen Hehl aus seiner Leidenschaft für die Kultur gemacht. Der spannendste Job im Kulturbereich Deutschlands, so hat er seinen Staatssekretär-Posten in Berlin 2007 selber genannt.
Finanziell nötig hatte er das Amt ohnehin nie und natürlich hätte der Adoptivsohn der Haarkosmetik-Erbin Pauline Schwarzkopf nicht "Nein" gesagt, wenn es das Amt des Kultursenators von Berlin geworden wäre. Doch das war nicht zu vergeben, weil die Anzahl der Senatoren qua Verfassung gedeckelt ist. Hauptamtlich zuständig für die Kulturpolitik der Stadt ist der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). So blieb sein Parteikollege Schmitz die Rolle als graue Eminenz, als heimlicher Kultursenator der Hauptstadt. Er sei zuständig für das Alltagsgeschäft, erklärte Schmitz stets bescheiden.
Immer Charmant und gut gescheitelt
Der Regierende und sein Staatssekretär sind dabei mehr als nur politische Weggefährten. Als Wowereit 2001 auf dem Chefsessel im Roten Rathaus Platz nimmt, ist Schmitz quasi seine rechte Hand als Chef der Senatskanzlei. Gerne mit Fliege statt Krawatte, immer elegant, das rötliche Haar gescheitelt und immer charmant - so tritt Schmitz auf. Zugute kommt ihm, dass er später als Kulturstaatssekretär zu einer Zeit Verantwortung übernimmt als die großen Sparrunden und Schließungsdebatten hinter der Hauptstadt liegen. "Ich mache garantiert keine Oper zu", konnte Schmitz verkünden und sich auf den Koalitionsvertrag stützen, um die drei Häuser für Berlin zu erhalten. Der Kampf um die Opern war vielleicht das dickste Brett, das Schmitz zu bohren hatte. Dabei half ihm, dass er vor seiner Zeit als Beamter auch die andere Seite kennengelernt hatte – als Verwaltungsdirektor der Volksbühne und Direktor der Deutschen Oper.
Kultur war für Schmitz aber immer auch mehr als die Zukunft der großen Häuser zu gestalten. Aktiv warb er dafür, Berlin seine historische Mitte zurückzugeben und das Gebiet um das Rote Rathaus entsprechend den historischen Stadtgrundrissen wieder aufzubauen. Schmitz beklagte die "kaum zu ertragenen Brache" im Herzen der Stadt, gemeint ist der Schlossplatz, und stellte ihr die Vision des Humboldt-Forums gegenüber. Ein internationales Kulturforum in Berlin, mit einer Bedeutung "größer als die des Louvre in Paris", wurde zu seinem erklärten Ziel. Das letzte große Projekt, für das Schmitz sich einsetzte und für das er gemeinsam mit Klaus Wowereit kämpfte, war das einer neuen zentralen Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld.


