
Steuersünder in Brandenburg - Zahl der Selbstanzeigen hat sich vervielfacht
Immer mehr Brandenburger bekennen sich zu ihren Steuersünden. Das geht aus Angaben des Potsdamer Finanzministeriums hervor. Allein im vergangenen Jahr gingen 114 Selbstanzeigen ein - das waren siebenmal so viele wie 2012. Dem Fiskus bescheren die Selbstanzeigen einige Millionen an Mehreinnahmen. Auch in anderen Bundesländern sind die Zahlen deutlich gestiegen.
In Brandenburg haben sich im vergangenen Jahr 114 Steuersünder selbst angezeigt. Das sind mehr als siebenmal so viele wie im Vorjahr, als sich nur 16 Steuerhinterzieher der Staatsanwaltschaft offenbarten. Seit dem Beginn der Statistik im Jahr 2010 sei dies der Rekordwert, teilte das Finanzministerium am Dienstag auf Anfrage mit. Der Landeskasse bescherten reuige Steuersünder allein im vergangenen Jahr Einnahmen von knapp drei Millionen Euro. Seit 2010 kassierten die Finanzämter bei 218 Selbstanzeigen insgesamt knapp 4,2 Millionen Euro.
Experten vermuten Hoeneß-Effekt
"Sicher haben 2013 die öffentlich gewordenen Fälle von Steuerhinterziehung zu dem Rekordwert bei den Selbstanzeigen beigetragen", sagte Finanzminister Christian Görke (Linke). Insbesondere der Fall des Fußballmanagers Uli Hoeneß hatte monatelang für Schlagzeilen gesorgt.
Görke wies darauf hin, dass in Brandenburg in diesem Jahr acht weitere Steuerfahnder eingesetzt würden. Gleichzeitig forderte er die Bundesregierung auf, die Straffreiheit bei Selbstanzeigen abzuschaffen: "Das ist eine Sonderbehandlung, die Ladendiebe oder Schwarzfahrer zu Recht nicht erhalten."
Auch in Berlin gibt es deutlich mehr Steuersünder, die sich selbst anzeigen. Anfang Januar hatte die Senatsverwaltung für Finanzen mitgeteilt, dass sich die Zahl der Selbstanzeigen im vergangenen Jahr mehr als verdreifacht hat.
Bundesweiter Trend
Bis zum 31. Dezember hatten sich in der Hauptstadt 966 Bürger freiwillig beim Fiskus gemeldet - 2012 waren es 303 gewesen. Als Auslöser für den Anstieg der Selbstanzeigen sehen Experten den erneuten Ankauf von Steuer-CDs und die Ermittlungen gegen den Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeneß, die im April bekannt wurden. Bereits im Jahr 2010 hatte es nach dem Ankauf von geheimen Steuerdaten eine erste Welle von Selbstanzeigen gegeben. Damals meldeten sich in Berlin 854 Steuersünder nachträglich.
Die Tendenz aus Berlin und Brandenburg entspricht einem bundesweiten Trend. Wie eine Umfrage der Nachichtenagentur dpa in den Bundesländern ergab, haben sich bundesweit im vergangenen Jahr mehr als 26.000 Steuersünder zu einer Selbstanzeige entschlossen.


