Lehrer beim Mathematik-Unterricht in der Oberstufe (Quelle: dpa)
Abendschau | 13.02.2014 | Heike Bettermann

In immer mehr Fächern fehlen Lehrer - Berlin setzt verstärkt auf Quereinsteiger

Etwa 2.000 neue Lehrer müsste Berlin in diesem Jahr neu einstellen. Doch in vielen Fächern fehlt es an geeigneten Lehrkräften. Also weitet Berlin die Liste der Mangelfächer aus - und macht so den Weg frei für Quereinsteiger.

Berlin weitet die Liste der sogenannten Mangelfächer aus. Laut Bildungsverwaltung gibt es mittlerweile in allen Fächern außer Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde zu wenig Lehramtsabsolventen. Für die Mangelfächer können sich auch Quereinsteiger ohne reguläre Lehramtsausbildung bewerben. So haben auch Bewerber etwa mit einem Diplomabschluss eine Chance.

Bisher war die Zahl der Mangelfächer kleiner, die Liste umfasste vor allem die naturwissenschaftlichen Fächer. Sie sei ausgeweitet worden, weil ein erheblicher Lehrerbedarf bestehe, so eine Sprecherin der Bildungsverwaltung.

Reguläre Lehrerausbildung bevorzugt

Doch auch die Quereinsteiger müssen bestimmte Kriterien erfüllen. Zusätzlich zu dem Mangelfach müssen sie ein zweites Fach studiert haben oder das berufsbegleitend tun. Kräfte mit regulärer Lehrerausbildung sollen bei den Einstellungen aber weiterhin bevorzugt werden. Eine Beschäftigung von Quereinsteigern sei nur möglich, wenn ein bestehender Fachbedarf nicht durch den vorrangigen Bewerberkreis  (Laufbahnbewerber/innen) gedeckt werden könne, heißt es in den Hinweisen zur Einstellung für Quereinsteiger der Senatsbildungsverwaltung.

Auch Lehrer aus anderen Bundesländern werden angeworben

An den Berliner Schulen müssen in diesem Jahr insgesamt mehr als 2.000 Lehrer neu eingestellt werden, weil ältere Kollegen in den Ruhestand gehen. Bis Mitte Januar waren aber nur 400 Bewerber in der Auswahl.

Deshalb sucht Berlin auch in anderen Bundesländern nach Lehramtsabsolventen.
Offensichtlich hat der Senat besonders die Junglehrer in Bayern im Blick. Denn dort werden in diesem Jahr rund 600 Lehrer nach ihrer Ausbildung nicht in den Staatsdienst übernommen, wie die bayerische Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bestätigte. Ihnen hat der Berliner Senat in Schreiben unbefristete Stellen in der Hauptstadt angeboten.

Allerdings werden Lehrer in Berlin schlechter bezahlt als in anderen Bundesländern. Zudem verbeamtet die Hauptstadt ihre Lehrkräfte seit 2009 nicht mehr - und die angestellten Lehrer werden im Vergleich zu ihren verbeamteten Kollegen deutlich geringer entlohnt.

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