Sicherung der Festmeile im Tiergarten -
Welcher Zaun soll's werden?
Fest oder mobil einzäunen? Die Sicherung der Festmeile auf der Straße des 17. Juni ist seit langem ein Streitthema in der Hauptstadt. Eines ist klar: Das nächste Großevent, die Fußball-WM, steht im Sommer an. Was noch nicht fest steht: Wie soll die Festmeile künftig abgesichert werden?
Berlin und seine Besucher feiern gerne Riesenpartys in der Stadtmitte. Der nächste Partyknüller wird im Sommer stattfinden, wenn zur Fußball-WM tausende Menschen wieder zur Fanmeile pilgern.
Bisher werden Großveranstaltungen auf der Straße des 17. Juni mit leichten Stahlbau-Zäunen abgesperrt. Gegen diese Absperrungen regt sich seit langem aber Widerstand. Zu den Gegnern gehört Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU), der am Donnerstag erneut auf eine Entscheidung drängte. Es müsse endlich geklärt werden, wie die Festmeile künftig bei Großveranstaltungen gesichert werden solle, forderte der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung.
Er will, dass das Areal bis zum WM-Start am 12. Juni fast komplett eingezäunt wird. Noch ist fraglich, ob dies so umgesetzt wird. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt spricht sich gegen den Plan aus.
Nächstes Treffen am 25. Februar
Der von ihm favorisierte feste Außenzaun könne aus Termingründen für dieses Jahr aber nicht mehr realisiert werden. Dafür hätte bereits eine Ausschreibung erfolgen müssen. Der Zaun soll eine gründlichere Personenkontrolle und mehr Sicherheit bei Großveranstaltungen wie der Fanmeile ermöglichen. Zusammen mit Staatssekretären und Vertretern von Polizei und Feuerwehr will Spallek am 25. Februar über das weitere Vorgehen verhandeln.
So könnte ein dauerhafter Zaun um den Großen Tiergarten aussehen.
Spallek fordert diesen dauerhaften Zaun schon seit über einem Jahr. 3,5 Millionen Euro würde ein 2,40 Meter hoher, fester Zaun für rund vier Kilometer Länge kosten. Als Alternative gilt ein stabiler mobiler Zaun mit festen Betonsockeln, der mit 2,8 Millionen Euro plus 1,2 Millionen Aufstellkosten zu Buche schlüge.
Die Polizei hält den fest im Boden verankerten Zaun für sicherer. Auch die Feuerwehr ist für einen stabilen Zaun. Bisher wurde das Areal nur direkt für Großveranstaltungen eingezäunt.
Der feste Zaun
Der dauerhafte Zaun wird fest in den Boden betoniert und erreicht dadurch eine hohe Standfestigkeit. Die Metallsteben sind 2,40 Meter hoch, das Design kann an historische Vorbilder angepasst werden. Weitere Vorteile: Kein Auf- und Abbauen mehr, keine Straßensperrungen.
Der Zaun soll in einem 4,2 Kilometer langen Bogen rund um die Straße des 17. Juni führen, damit Besucher der dortigen Fest- oder Fanmeilen im Notfall genügend Fluchtwege durch den Tiergarten finden. Die Tore an den Wegkreuzungen bleiben zwischen den Veranstaltungen für Spaziergänger offen.
Rund 3,5 Millionen Euro soll diese Zaun-Variante kosten. 90 Prozent davon soll die EU übernehmen. Berlin müsste die übrigen zehn Prozent - also 350.000 Euro - dazulegen.
Der mobile Zaun
Mobile Zaunelemente kommen in Italien zum Einsatz. Mit ihrem Betonsockel sind sie standhafter als Bauzäune, müssen aber - wegen ihres Gewichts - mit Gabelstaplern transportiert werden. Damit beim Auf- und Abbau die Gehwege des Tiergartens nicht beschädigt werden, müssten die Wege und -Platten mit Gummimatten und anderen Maßnahmen vorbereitet werden, heißt es im Gutachen.
Das kostet Zeit und Geld: allein 1,2 Millionen Euro für den Aufbau und die Wege-Sicherung - jedes Mal - plus 2,8 Millionen Euro Anschaffungskosten.
Ein im Boden versenkbarer Zaun würde den Kostenrahmen laut Gutachten komplett sprengen: Er kostet bis zu 20 Millionen Euro.
Der Bauzaun
Auch das Auf- und Abbauen der bisher in Berlin üblichen Bauzaun-Elemente kostet die Großveranstalter einiges: Für die Silvester-Party auf der Straße des 17. Juni fallen rund 100.000 Euro an, erklärte der Veranstalter "Silvester in Berlin" gegenüber rbb online. Bei anderen Großveranstaltungen sollen es bis zu 250.000 Euro sein.
Dazu kommen die Kosten für die Schäden an der Tiergarten-Pflanzen und -Wege.
Straßen müssen tagelang gesperrt werden.
Immerhin bietet der Zaun eine "optische Barriere". Damit werden Personen- und Taschenkontrollen sowie die Lenkung von Besucherströmen zumindest erleichtet, heißt es bei der Senatsinnenverwaltung. Sie hält den Bauzaun dennoch nicht mehr für ausreichend, während Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) sagt, Berliner Großveranstaltungen hätten auch bisher gut funktioniert.
Kurz vor dem nächsten Großereignis im Berliner Tiergarten - der Silvester-Partymeile – wirbt Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) noch einmal eindringlich für eine permanente Einzäunung des Parks. Absperrgitter seien nicht sicher genug, sagt Spallek. Der Senat hält sich weiterhin auffällig zurück. Von Andrea Marshall
Klingt wie ein Witz, ist aber keiner: Rund um den Großen Tiergarten könnte bald ein zwei Meter hoher und sechs Kilometer langer Zaun stehen. Als Dauerlösung für mehr Sicherheit bei Großveranstaltungen, sagt Bezirksstadtrat Spallek im Interview.