
Kandidatur für Landesvorsitz - Lauer will Piraten in Berlin anführen
Medienaffin, redegewandt und selbstbewusst: Christopher Lauer gehört zu den bekanntesten Piraten in Berlin. Auch, weil er schonungslos die Niederlagen der jüngsten Vergangeheit aufgearbeitet hat. Nun will der Abgeordnete für den Vorsitz im Landesverband kandidieren - und spart wieder einmal nicht mit Kritik an der eigenen Partei.
Der Berliner Piraten-Abgeordnete Christopher Lauer will Landesvorsitzender seiner Partei werden. Seine Kandidatur gab er am Mittwoch über Twitter und über seine Internetseite bekannt.

"Momentan bedrückt es mich, in welchem Zustand sich der Berliner Landesverband befindet. Das möchte ich ändern", erklärte er. Die Partei zeige organisatorische Mängel, die sich auf die inhaltliche Arbeit auswirkten.
"Ich weiß, dass wir uns traditionell gegen Strukturen stellen. Aber wenn dieser Mangel an Strukturen zu einer Lähmung der Partei führt, dann muss diese Haltung meiner Meinung nach überdacht werden." Der Vorstand wird am 1. März neu gewählt.
Der Landesverband müsse ein Gegengewicht zur Fraktion bilden, die die öffentliche Wahrnehmung der Piraten in Berlin komplett dominiere, erklärte Lauer. Er stört sich nach eigenen Worten besonders daran, dass viele Mitglieder keine Beiträge zahlen. So sei die Partei nicht handlungsfähig.

Lauer selbst ist in der Piratenpartei allerdings nicht unumstritten. Im Sommer 2013, wenige Monate vor der Bundestagswahl, stand er im Mittelpunkt von Personalquerelen in der Berliner Piraten-Fraktion. Lauer war in die Kritik geraten, weil die Mutter seiner Freundin als Pressesprecherin der Fraktion gearbeitet hatte. Lauers Freundin, Assistentin von Lauer Fraktionskollegin Susanne Graf, habe er aber erst
kennengelernt, als ihre Mutter schon längst als Sprecherin tätig war, so Lauer damals. Im Gegenzug bezichtigte er Fraktionsmitglieder, den Vorwurf der Vetternwirtschaft gegen ihn
lanciert zu haben, um ihm bei den Vorstandswahlen zu
schaden.
Im Juni trat Lauer bei der Wahl der Fraktionsspitze dann nicht mehr am. Die Entscheidung habe private Gründe, sagte Lauer damals.
Zuletzt machte Lauer von sich reden, als er während der Debatte über ZDF-Talkmaster Markus Lanz eine Gegen-Petition mit dem Titel "Markus Lanz soll mal bitte seine Show so machen wie er will, immerhin ist er ja erwachsen" startete. "Die Lanz-Debatte der vergangenen Tage ist doch etwas grotesk", begründete Lauer seine Initiative. "Klar muss man Lanz nicht gut finden, aber bitte, Leute, für sowas wurden weder Internet-Petitionen erfunden noch ist es sinnvoll so viel Zeit für so einen Quark draufgehenzulassen."


