
Streit um East Side Gallery - Lücken-Lösung gesucht
Seit rund einem Jahr wird um die Lücken in der weltberühmten East Side Gallery in Berlin gestritten. Dort ensteht bereits der Wohnkomplex "Living Levels", nun darf ein Hotel direkt daneben gebaut werden. Damit es nur eine Mauerlücken braucht, sollen beide Gebäude eine gemeinsame Zufahrt bekommen - doch die Sache hat einen Haken.
Einst Todesstreifen, heute Streitpunkt zwischen Investoren und Geschichtsbewahrern: Auch rund ein Jahr nachdem Tausende für den kompletten Erhalt der weltberühmten East Side Gallery in Berlin-Friedrichshain protestiert hatten, gibt es noch immer keine Einigung darüber, wieviele Lücken sie künftig haben wird. Klar ist hingegen, dass nach dem Wohnturm des Investors Maik Uwe Hinkel ("Living Levels") nun auch ein israelischer Investor sein Hotel ("Waterfront Living") bauen darf - und zwar höher als ursprünglich gepant. Die Genehmigung für das Projekt sei erteilt, bestätigte die Senats-Bauverwaltung am Freitag dem rbb.
Für die Zufahrten zu den Grundstücken an der East Side Gallery ist zwar eine Lösung im Gespräch. Doch die rechtliche und planerische Situation ist kompliziert.
Hinkel soll seine Baulücke schließen
So darf der israelische Investor sein Hotel nun zwei Etagen höher bauen als ursprünglich vorgesehen. Im Gegenzug soll es eine gemeinsame Zufahrt zu dem Hotel und dem benachbarten Wohnturm geben. Die soll über das Grundstück des Hotels führen. Das Problem: Wohnturm-Bauer Hinkel muss diesem Kompromiss noch zustimmen. Dann erst könnte die zweite temporäre Baulücke in der East-Side-Gallery nach Ende der Bauarbeiten wieder geschlossen werden. Der Senat hofft, dass Hinkel zu "seiner Zusage vom vergangenen Sommer steht und die neue Mauerlücke nach Bauabschluss schließt", wird Senatssprecher Richard Meng im "Tagesspiegel" zitiert. Doch dazu ist er rechtlich nicht verpflichtet. Der Bezirk hatte ihm genehmigt, für den Bau seines Wohnhauses die sechs Meter breite Lücken zu reißen, was er im März 2013 auch machte. Das löste teils heftige Proteste aus. An den folgenden Krisenrunden, an denen auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) beteiligt war, wurde der Kompromiss mit der gemeinsamen Zufahrt angedacht. Im April soll "Living Levels" fertig sein, in einem Jahr sind die Wohnungen wohl bezugsfertig. Die originalen Mauerstücke existieren jedenfalls noch.
Doch wasserdicht ist der Kompromiss offenbar noch lange nicht. Hinkel-Sprecher Jürgen Scheunemann sagte der "Berliner Zeitung", dass noch viele Fragen zu klären seien. "Uns muss offiziell ein Wegerecht eingeräumt werden, damit die Bewohner von 'Living Level" dort langfahren können." Für dieses Recht werde der israelische Nachbar aber bestimmt Geld verlangen. Wer das bezahle, sei unklar. Die Zufahrt über das Hotelgelände sei außerdem sicherheitstechnisch schwierig.
Senat entscheidet für den Investor
Außerdem stößt der Deal, den Investor und Senat wegen der gemeinsamen Zufahrt getroffen haben, auf Kritik. Da diese dem Hotel Fläche nimmt und Planungsänderungen vorgenommen werden mussten, darf es nun höher gebaut werden als ursprünglich geplant. Viel zu hoch, sagte der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Hans Panhoff (Grüne), schon vor Wochen. Der Bezirk lehnte einen höheren Bau ab. Dagegen wiederum legte die Firma Widerspruch ein, über die der Senat nun entschieden hat - pro Investor.
Das Hotel des israelischen Investors soll über 100 Meter lang werden, dort befindet sich die erwähnte Lücke. Der Baubeginn für das Vorhaben ist nicht bekannt.
East-Side-Gallery-Initiative fassungslos
Der Sprecher der Initiative "East Side Gallery retten!", Lutz Leichsenring, sagte am Samstag, er sei fassungslos über den Umgang mit dem geschichtsträchtigen Denkmal. "Das wurde alles im Hinterzimmer vereinbart." Die Initiative sei komplett außen vor gelassen. Der Senat habe dem ursprünglich zuständigen Bezirk das Zepter abgenommen.
Prominente Unterstützer
Im März 2013 hatten die umstrittenen Abbrucharbeiten an dem insgesamt 1,3 Kilometer langen Abschnitt der früheren Berline Mauer begonnen. Daraufhin hatten sich Tausende Bürger für einen kompletten Erhalt der East Side Gallery stark gemacht und wochenlang protestiert. Dabei erhielten sie auch prominente Unterstützung - etwa von "Baywatch"-Star David Hasselhoff, Ex-Pink-Floyd-Frontmann Roger Waters, Schauspieler Ben Becker und Liedermacher Reinhard Mey.





