Schnuller von Kleinkindern hängen an einem Brett in einer Kindertagesstätte (Quelle: dpa)

Kita-Betreuung in Berlin und Brandenburg - Kein Grund zur Klage

Seit einem halben Jahr gilt der bundesweite Rechtsanspruch auf eine Betreuung für unter Dreijährige. In Berlin und Brandenburg gibt es bisher keine Klagen. Beide Länder sind fleißig dabei, weiterhin Kita-Plätze zu schaffen, denn der Bedarf ist noch lange nicht gedeckt.

Ein halbes Jahr nach Einführung des bundesweiten Rechtsanspruchs auf eine Betreuung für unter Dreijährige hat Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch (SPD) ein positives Fazit gezogen. In Brandenburg sei die Umsetzung gelungen, sagte sie am Samstag. Knapp 84 Prozent aller zwei- und fast 70 Prozent aller einjährigen Kinder besuchten eine Tagesbetreuung. Damit gehöre Brandenburg bundesweit zur Spitze. Klagen wegen des neuen Rechtsanspruchs sind im Ministerium bislang nicht bekannt.

Rund 4.200 Plätze bis 2016 in Berlin

Auch in Berlin hat es bisher keine Klagen gegeben. Allein im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung rund 7.000 neue Kita-Plätze für alle Altersgruppen geschaffen worden. Bis 2016 müssten nach aktuellen Schätzungen noch rund 4.200 hinzukommen, um den erwarteten Bedarf an Tagesbetreuung für Kinder zu decken.

Bei den Ein- bis Zweijährigen soll bis Ende 2015 ein Betreuungsgrad von 70 Prozent erreicht werden. Der letzte verfügbare Stand ist von Ende 2012: Damals wurden bereits 66 Prozent der Kinder der Altersgruppe betreut.

Brandenburg setzt auf Fachkräfte-Gewinnung

In Brandenburg existierte schon vor dem 1. August 2013 ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für unter Dreijährige - allerdings nur für berufstätige Eltern. Dass nun auch Eltern ohne Job einen Anspruch hätten, wirkt sich nach Einschätzung des Ministeriumssprechers nicht so stark aus.

"Brandenburg ist beispielgebend bei der Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften für die Kita-Betreuung", sagte Münch. In den vergangenen Jahren seien deutlich mehr Erzieherinnen ausgebildet worden. Zudem gebe es mehr qualifizierte Seiteneinsteiger. Seit 2010 konnten etwa 1.140 Fachkräfte aus verwandten pädagogischen Bereichen für die Kitas fit gemacht werden. Weitere 160 kamen aus ganz anderen Berufssparten.

In den vergangenen Jahren wurden in Brandenburg mit Bundesmitteln rund 6.000 neue Kitaplätze geschaffen sowie weitere 15.000 Plätze aufgewertet. Zwischen 2008 und 2013 flossen insgesamt 56,8 Millionen Euro vom Bund.

Für 2013 und 2014 waren weitere 16,5 Millionen Euro vorgesehen, knapp die Hälfte (7,4 Millionen) davon in diesem Jahr. Gemeinden, freie Träger und Privatinvestoren gaben seit 2008 zusätzlich mehr als 29,1 Millionen Euro.

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