Kommentar - Jetzt muss Schierack nachlegen

Freiwilliger Rückzug in die zweite Reihe: Dieter Dombrowksi gibt seinen Posten auf - er will in der kommenden Woche Michael Schierack als Nachfolger vorschlagen. Er muss jetzt die Chance nutzen, sich bei den Wählern bekannter zu machen. Lernen muss er aber auch noch einiges. Doch für die CDU war das ein bemerkenswerter Vorgang. Ein Kommentar von Alex Krämer.

Bisher kam die Brandenburger CDU doppelgesichtig daher: Da gab es Dieter Dombrowski, die bekannteste öffentliche Figur. In einer Oppositionspartei ist eben der Fraktionschef derjenige, der am häufigsten rausguckt. Und es gab Michael Schierack. Der soll für die CDU im Herbst die Landtagswahl gewinnen, er tauchte aber nur wenig öffentlich auf, kaum ein Brandenburger kennt ihn.

Jetzt hat Schierack zumindest die Chance, daran etwas zu ändern. Ob er sie auch nutzt, ob er sie nutzen kann, muss sich aber noch zeigen. Zweifel sind da angebracht. Warum, das war heute wieder zu besichtigen. Die Pressekonferenz der CDU, auf der der Wechsel verkündet wurde, war eben nicht die große Bühne für Schierack, die sie eigentlich hätte sein müssen. Sie wurde ganz automatisch zur Dieter-Dombrowski-Abschieds-Show.

Dombrowski ist im öffentlichen Auftritt einfach deutlich gewandter, Schierack muss da noch eine Menge nachlegen. Auch seine Rede bei der Sondersitzung des Landtages gestern, eine weitere Gelegenheit zur Profil-Schärfung, geriet reichlich blass.

Mehr Sicherheit im Formulieren

Aber immerhin: Dass die brandenburgische CDU es geschafft hat, diesen sinnvollen Personalwechsel einvernehmlich hinzukriegen, ohne Riesenkrach wie in der Vergangenheit traditionell üblich - das zeigt, dass sich etwas wirklich verändert hat. So innerlich zerstritten, wie es die SPD immer noch gerne darstellt, ist diese CDU nicht mehr. Nicht die einzige, aber immerhin eine Voraussetzung für ein gutes Wahlergebnis.

Ein strategisches Problem wird Schierack im Wahlkampf allerdings trotzdem haben: Der Weg zur Macht führt für ihn nur über die SPD. Er muss es daher das Kunststück vollbringen, die Sozialdemokraten so scharf anzugreifen, dass er öffentlich bemerkt wird - aber wiederum nicht so scharf, dass er ein Bündnis mit ihnen unmöglich macht.

Auch bei dieser Aufgabe könnten Michael Schierack mehr Präzision und Sicherheit im Formulieren nicht schaden.

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