Neuer Sozialstrukturatlas vorgestellt - Pankow startet durch
Aufsteiger und Absteiger gibt es nicht nur in der Fußball-Bundesliga, sondern auch unter den Berliner Stadtteilen. Im neuen Sozialstrukturatlas, der erstmals seit fünf Jahren wieder vorgelegt wurde, haben Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg Plätze gut gemacht. Ungeschlagener Spitzenreiter ist aber ein Bezirk im Westteil der Stadt.
In Sachen Einkommen, Bildung und Gesundheit stehen die Bezirke Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Pankow am besten da. Das geht aus dem neuen Sozialstrukturatlas für Berlin hervor, den Sozialsenator Mario Czaja (CDU) am Freitag vorgestellt hat.
Pankow rückte von Platz 9 im letzten Sozialstrukturatlas auf Platz 3 auf und gehört so mit Friedrichshain-Kreuzberg (von Platz 10 auf 8) zu den Aufsteigern im Sozial-Ranking der Berliner Bezirke. Die rote Laterne hält Neukölln, das vom vorletzten auf den letzten Platz absackte.
Der Sozialstrukturatlas fasst die Ergebnisse statistischer Erhebungen zur sozialen Entwicklung der Stadt zusammen. Dies soll vor allem dem Senat helfen, seine Sozialpolitik besser zu planen. Seit 1990 erschien er mittlerweile sechs Mal, zuletzt 2003 und 2008.
Der Sozialindex der Bezirke im Zeitvergleich
| Bezirk | 2013 | 2008 | 2003 |
| Steglitz-Zehlendorf | 1 | 1 | 1 |
| Charlottenburg-Wilmersdorf | 2 | 2 | 3 |
| Pankow | 3 | 4 | 9 |
| Treptow-Köpenick | 4 | 3 | 2 |
| Tempelhof-Schöneberg | 5 | 5 | 8 |
| Lichtenberg | 6 | 7 | 6 |
| Reinickendorf | 7 | 6 | 4 |
| Friedrichshain-Kreuzberg | 8 | 10 | 12 |
| Marzahn-Hellersdorf | 9 | 9 | 5 |
| Spandau | 10 | 8 | 7 |
| Mitte | 11 | 12 | 11 |
| Neukölln | 12 | 11 | 10 |
In die umfangreiche Untersuchung fließen unter anderem Daten aus den Einwohnerregistern, vom Arbeitsmarkt, der Sozialhilfe- und Krankheitsstatistik sowie aus dem Mikrozensus und dem Mietspiegel ein. Neu bei der aktuellen Ausgabe sind die Ergebnisse von Schuleingangsuntersuchungen und Daten zur Pflege von Senioren.
Czaja zufolge zeigen die Daten, dass sich die Verteilung von armen und reichen Menschen auf die verschiedenen Bezirke und Stadtteile sich immer weiter verfestigt. Als Reaktion auf die neuen Strukturdaten kündigte der Senator an, verstärkt in die Gesundheitsprävention, Stadtteilzentren, Pflege und eine bessere medizinische Versorgung zu investieren.
Berlin will bessere Versorgung von Senioren
Insbesondere in der Pflege und der Altenhilfe will Czaja mehr tun. Diese müssten besser in das gemeinschaftliche Leben vor Ort eingebettet werden. "In den kommenden Jahren wollen wir unter anderem alternative Wohn- und Versorgungsformen stärken und die Infrastruktur zur Unterstützung pflegender Angehöriger ausbauen", sagte Czaja laut einer Mitteilung. So sollten Arztpraxen gerechter auf Berlin verteilt werden.
Aber Czaja benannte auch die Grenzen seines Einflusses: Eines der wichtigesten Kriterien des Sozialstrukturatlas sei das Einkommen, sagte der Senator dem rbb. "Und das sind wirtschaftliche Fragestellungen." Wenn in einem Stadtteil ein sehr hoher Anteil von Sozialhilfeempfängern lebe, könne das "nicht durch die Gesundheits- und Sozialverwaltung verändert werden." Sondern das sei eine wirtschaftliche Frage und eine Frage des allgemeinen Wohlstandsniveaus in in der Stadt.
Der vor zwei Tagen veröffentlichte Sozialbericht des Statistischen Landesamtes für Berlin und Brandenburg hatte ergeben, dass das Armutsrisiko in der Region steigt. Besonders bedroht seien Menschen aus der Altersgruppe der 18-25 Jährigen. Angestiegen sei auch die Gruppe der Armen unter den über 65-Jährigen.




