Polizeischüler trainieren auf einem Schießstand der Landespolizeischule in Berlin. (Quelle: dpa)

10.600 Azubis ausgebildet - Öffentlicher Dienst Berlins soll jünger werden

Berlins Öffentlicher Dienst sieht ziemlich alt aus: Jeder zweite Beschäftigte ist über 50, jeder vierte geht bis 2018 in den Ruhestand. Diese Pensionierungswelle bietet jedoch die Chance für eine Verjüngung der Verwaltung, sagt Finanzsenator Ulrich Nußbaum – und prognostiziert gute Jobchancen für die rund 10.600 Auszubildenden des Landes. Doch bislang erhalten die meisten Azubis nach ihrer Ausbildung nur befristete Verträge.

Der Öffentliche Dienst galt zu West-Berliner Zeiten noch als aufgebläht. Doch seit 1998 schrumpfte die unter Spardruck stehende Landespolitik die Schar der Beamten und Angestellten radikal zusammen: Bis 2013 wurde fast jede dritte Stelle abgebaut. Unerfreulicher Nebeneffekt: Neben der Arbeitsbelastung stieg auch der Altersdurchschnitt der Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute, Finanzbeamten und Verwaltungs-Mitarbeiter immer weiter an. Im Jahr 2013 lag er bei 49,3 Jahren. Doch jetzt will Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) die Kehrtwende einläuten.

Ein Feuerwehrmann überprüft auf dem Gelände der Feuerwehr-Akademie der Berliner Feuerwehr an der Ruppiner Chaussee das Atemschutz-Gerät seines Kollegen (Quelle: dpa)
Auch bei der Feuerwehr wird der Nachwuchs ausgeblidet.

109 Millionen Euro gab der Senat im Jahr 2013 für seine insgesamt 10.600 Auszubildenden aus, rund 17 Prozent mehr als noch im Jahr 2008. "So viel Ausbildung wie jetzt war nie," tönte Nußbaum. Das sei auch eine Chance, den öffentlichen Dienst in Berlin zu verjüngen. Bis 2018 würden schließlich zwischen 3.260 und 4.000 öffentlich Beschäftigte pro Jahr in den Ruhestand gehen. Daher hätten die Auszubildenden gute Chancen, übernommen zu werden. Bislang habe sich Berlin da nicht so hervorgetan, kritisiert allerdings der DGB.

DGB fordert mehr Ausbildung

Zwar wurden rund 80 Prozent der Auszubis im vergangenen Jahr nach ihrer Ausbildung übernommen und angestellt. Der größte Teil allerdings nur befristet. Das liegt auch daran, dass nicht in jedem Fall gleich eine freie Stelle verfügbar ist, erklärte Finanzsenator Nußbaum. Die befristeten Verträge gelten in der Regel zwei Jahre, Ziel ist es, im Laufe der Zeit eine freie Stelle zu finden.

Während der Finanzsenator zuversichtlich ist, dass Berlin ausreichend ausbildet, warnt der DGB: 25 Prozent der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Stadt gingen in den nächsten vier Jahren in den Ruhestand. Berlin müsse deshalb deutlich mehr ausbilden als bisher.

Mitgezählt werden auch Auszubildende bei Landesunternehmen

Zum 15. Oktober 2013 zählte Berlin rund 8.400 Azubis in den Senatsverwaltungen, den Bezirken, bei Polizei, Feuerwehr, den Theatern oder auch beim Fischereiamt. Dazu kamen rund 2.400 Ausbildungsplätze bei den Landesunternehmen wie Berliner Stadtreinigung, Berliner Verkehrsbetriebe, dem Krankenhauskonzern Vivantes oder den Hochschulen. Die Frauenquote liege bei 48,7 Prozent.

mit Informationen von Ute Schumacher

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