Erhöhung um vier Prozent - Mehr Geld für ambulante Pflegedienste
Die Pflege alter Menschen in ihren eigenen vier Wänden ist ein Job, der viel abverlangt: Körperlichen Einsatz und zugleich Feingefühl. Trotzdem ist er extrem schlecht bezahlt. In Berlin soll es nun ein bisschen mehr Geld für Waschen oder Ankleiden geben - nach Meinung von Kritikern reicht das allerdings nicht.
Mit einer Erhöhung der Vergütungen in der ambulanten Pflege will das Land Berlin die Situation für die rund 20.000 Mitarbeiter verbessern. Sie verdienen je nach Ausbildung oft weniger als 2.000 Euro brutto im Monat - und das für einen anstrengenden Vollzeitjob. Ab dem 1. April können alle rund 600 ambulanten Pflegedienste Vereinbarungen abschließen, durch die Leistungen wie Waschen oder Ankleiden um vier Prozent besser bezahlt werden, kündigte die Senatsgesundheitsverwaltung am Mittwoch an.
Darauf haben sich die Pflegekassen, Pflegedienstleister und die Senatsverwaltung nach monatelangen Verhandlungen geeinigt. "Das bedeutet, dass die Pflegedienste, die mit uns diese Vereinbarung unterzeichnet haben, ab dem 1. April vier Prozent mehr bekommen für die Leistungen in der ambulanten Pflege", so Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) im rbb.
Das kostet auch Berlin zusätzliches Geld - rund zwölf Millionen Euro. Denn das Land springt ein, wenn Bedürftige die Pflegekosten nicht selbst aufbringen können. Mit der neuen Vereinbarung sagen die Pflegedienste vertraglich zu, die erhöhte Vergütung an die Beschäftigen weiterzureichen.

Kritik: Erhöhung der Vergütung reicht nicht
Bisher haben rund 80 Prozent der Berliner Pflegedienste die besagte Vereinbarung unterzeichnet. Ob alle daran Interesse haben, ist unklar, denn in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. Nur 20 Prozent der Unternehmen haben Tarifverträge. In Berlin werden rund 26.000 Menschen ambulant durch Pflegedienste betreut.
"Unsere Gesellschaft altert und es ist absehbar, dass in Zukunft immer mehr Menschen ambulant gepflegt werden wollen. Mit diesen Neuerungen stärken wir die Position der zahlreichen guten Anbieter in der ambulanten Pflege", betonte Gesundheitssenator Czaja.
Ganz so positiv sieht Hans-Joachim Wasel, zuständig für die Altenhilfe beim Berliner Caritasverband, die Entwicklung nicht. Zwar habe das Land die Brisanz des Themas erkannt, sagte er. Die Erhöhung der Vergütungen um real drei Prozent für 2014 bleibe aber deutlich
hinter der allgemeinen Lohnentwicklung anderer Branchen in den Jahren 2012 bis 2014 zurück.
Bessere Ausbildung soll den Nachwuchs locken
Es ist vor allem die Bezahlung, die ambulante Altenpflege neben dem Zeitmangel so unattraktiv macht. Das Dilemma beginnt schon damit, dass in der dreijährigen Ausbildung in Berlin noch fast überall ein Schulgeld in Höhe von 152 Euro im Monat anfällt. Dabei verdient ein Azubi im Durchscnitt weniger als 1.000 Euro brutto. Im Moment gibt es nur rund 600 Auszubildende in der ambulanten Pflege.
Ab 2015 will Berlin aber die Ausbildung in der ambulanten Pflege verbessern. So sollen Ausbilder dann für zweieinhalb Stunden pro Schüler in der Woche für die Anleitung freigestellt werden. Außerdem ist über das Schulgeld das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Übernahme der Kosten würde mit rund 350.000 Euro im Monat zu Buche schlagen.


