Außensicht auf das Salvador Allende Haus in Wittenberge (Foto: rbb/Angelika Schramm)

Auszug aus der Platte - Abriss von Wittenberger Neubauviertel geht weiter

Wittenberge ist zwar die größte Stadt in der Prignitz, schrumpft jedoch stetig. Noch sind es 18.000 Einwohner, aber in rund fünf Jahren werden es schon 2000 weniger sein. Die Stadt hat zu viele Wohnungen, obwohl seit mehr als zehn Jahren abgerissen wird. Derzeit ist das Allende-Viertel dran. Für die Bewohner ist das nicht immer leicht. Ein Zwischenbericht.

Die demografischen Voraussagen für die Prignitz sind ernüchternd: Wittenberge etwa zählt heute noch 18.000 Einwohner, für 2020 prognostiziert das Landesamt für Bau nur noch rund 16.000 Einwohner. Und zehn Jahre später sollen es noch einmal mehr als 3000 Wittenberger weniger sein. Diese Zahlen sind schon lange bekannt, deshalb werden seit mehr als zehn Jahren Plattenbauten im Rahmen des so genannten Stadtumbaus abgerissen. Das Ziel: kompletter Rückbau bis 2030. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet das Potsdamer Planungsbüro Ernst Basler & Partner an einem Teilraumkonzept für das Allende-Viertel - denn das Gebiet soll fast vollständig den Baggern weichen.

Salvador Allende Gebäude in Wittenberge (Foto: rbb/Angelika Schramm)
Dieser Fünfgeschosser im Allende-Viertel wird bis zum Jahresende abgerissen

Durchschnittsalter liegt im Viertel bei 65 Jahren

Für Wittenberger, die jetzt umziehen müssen, ist die Einsicht in die Notwendigkeit nicht immer leicht. Schließlich haben sie hier mehr als 30 Jahre hier gelebt.

Entstanden ist das so genannte "Allende-Viertel" - benannt nach dem einzigen sozialistischen Präsidenten Chiles - in den 70er Jahren. Es hatte die typischen funktionalen Eigenschaften von DDR-Neubaugebieten mit Schwimm- und Sporthalle, Schule, Kaufhalle und Kindergarten. Damals waren die Menschen froh, eine Wohnung zu bekommen. Heute leben hier noch rund 2000 Leute in Fünfgeschossern, die teilweise nur zur Hälfte vermietet sind. Die verbliebenen Anwohner sind mit ihren Nachbarn von damals gemeinsam alt geworden. Das Durchschnittalter im Viertel liegt bei 65 Jahren, 14 Jahre mehr als in Wittenberge insgesamt. Jetzt müssen sie aus ihren angestammten Häusern raus; einige ziehen direkt ins Pflegeheim.

Hilfe bei Wohnungssuche garantiert

Die Bewohnerin Marina Gabel wohnt seit 20 Jahren in ihrem Haus, das jedoch als nächstes abgerissen wird. Sie zieht zunächst in den Fünfgeschosser um die Ecke und hofft, dass sie nicht in wenigen Jahren wieder umziehen muss. "Wenn ich jetzt umziehe, will ich darin auch alt werden", sagte sie.

Karsten Korup, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft "Elbstrom", kennt die Ängste der Mitglieder. Einerseits empfänden die Menschen Trennungsschmerz, weil viele ihrer Nachbarn ausgezogen sind. Andererseits hätten sie Angst davor, alleine oder mit wenigen Menschen in den Häusern wohnen zu müssen. Deshalb bietet die Genossenschaft ebenso wie die Wohnungsbaugesellschaft WGW Hilfe beim Umzug an. Die letzten Plattenbewohner werden finanziell unterstützt, bekommen Umzugshelfer gestellt und ihnen wird bei der Suche nach einer neuen Wohnung geholfen. Laut Karsten Korup nehmen jedoch die Fälle zu, in denen die Genossenschaft den Umzug von der Wohnungssuche bis zum Transporter für die Möbel komplett organisiert.

Künftig soll sich das Leben in Wittenberge in der Altstadt abspielen

Konzentration auf die Innenstadt

Wohnraum gibt es in Wittenberge mehr als genug. Sie werden sich also in der Altstadt umsehen müssen, denn die hat Priorität im Stadtumbau. Künftig soll sich das Leben weitgehend in der Innenstadt abspielen. Im "Allende-Viertel" bleiben die Schwimmhalle und die Schule erhalten. Auf dem vielen Platz, der nun frei wird, ist übrigens ein neuer Einkaufsmarkt geplant.

Mit Informationen von Angelika Schramm

Mehr zum Thema

Archivbild: Leerstehende Hochhäuser werden in Frankfurt (Oder) abgerissen (Quelle: dpa)

Leerstand in Brandenburg - Auch die Kleinen bekommen nun Geld für den Rückbau

Leerstehende Häuser und Wohnungen sind in vielen Regionen Brandenburgs ein großes Problem. Besonders unbeliebt: die alten DDR-Plattenbauten. In größeren Städten wie Schwedt oder Cottbus wurden sie bereits in ganzen Blöcken abgerissen. Nun profitieren erstmals auch kleinere Gemeinden von der Förderung des Landes für den sogenannten Rückbau.