Das Haus der Gesundheit in Berlin Mitte - Quelle: wikipedia.org

Neuer Interessent bietet Arztpraxen Räume - Doch noch eine Chance für das "Haus der Gesundheit"

Eigentlich sollten die Ärzte aus dem "Haus der Gesundheit" in Berlin-Mitte nach Marzahn umziehen. Viele Patienten hatten dagegen protestiert. Nun könnte das Aus für das Haus abgewendet sein. Wie der rbb erfuhr, will der katholische Träger Alexianer einen Teil der Praxen dort aufrechterhalten. Doch der mögliche Kompromiss wirft einige Fragen auf.

Die drohende Schließung des "Hauses der Gesundheit" in Berlin-Mitte ist nach Informationen des rbb möglicherweise abgewendet. Ein neuer Träger ist nach eigenen Angaben bereit, einen Teil der Praxen im "Haus der Gesundheit" aufrechtzuerhalten. Es handelt sich um den katholischen Träger Alexianer. Die Alexianer GmbH betreibt in Berlin beispielsweise bereits das St.-Hedwigs-Krankenhaus in Mitte.

So sollen die drei Allgemeinmediziner und der Urologe die Betreuung der überwiegend älteren Patienten am Alexanderplatz fortsetzen. Die Ärzte und auch das Unfallkrankenhaus Marzahn sind damit einverstanden. Der Kompromiss steht allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass der Zulassungsausschuss von Kassenärztlicher Vereinigung und Krankenkassen zustimmt.

Die Sana-Gesundheitszentren GmbH als derzeitiger Betreiber will das "Haus der Gesundheit" in der Karl-Marx-Allee aufgeben und die insgesamt mehr als 20 Arztsitze an das Unfallkrankenhaus Marzahn verlagern. Nach Bekanntgabe der Pläne hatten die betroffenen Patienten massive Protestaktionen gestartet.

Das Unfallkrankenhaus Marzahn von oben (Quelle: Imago)
Unfallkrankenhaus Marzahn

Gefälle in ärztlicher Versorgung soll ausgeglichen werden

Seit 1923 werden im "Haus der Gesundheit" Menschen behandelt, 24 Fachärzte und zudem therapeutische Praxen arbeiten gemeinsam unter einem Dach. Rund 100.000 Menschen leben im direkten Einzugsgebiet, jeder Dritte ist weit über 60 Jahre alt.

Das Problem: Zwischen Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung gibt es die Vereinbarung, nach der das Gefälle in der ärztlichen Versorgung zwischen den Berliner Bezirken schrittweise ausgeglichen werden soll. Mitte gilt - nach einer amtlichen Statistik  - als "ärztlich überversorgt". Und in Marzahn würden dringend mehr Ärzte gebraucht - obwohl gerade das Unfallkrankenhaus über zahlreiche Ärzte verfügt.

Schon ein Ärztezentrum am Unfallkrankenhaus Marzahn

Einem Forscherteam der Berliner Beuth-Hochschule für Technik zufolge ist aber die Gegend um das "Haus der Gesundheit" keineswegs überversorgt, das Gebiet um das Unfallkrankenhaus Marzahn hingegen schon.

Denn auch in Bezirken mit insgesamt hoher Arztdichte wie etwa Mitte gibt es demnach Bereiche, für die diese Dichte nicht zutrifft. Und umgekehrt gibt es in Bezirken wie Marzahn, der insgesamt gesehen zu wenig Ärzte hat, durchaus Ecken mit vielen Ärzten. So gibt es in unmittelbarer Nähe des Unfallkrankenhauses Marzahn bereits ein Ärztezentrum mit Medizinern aus zwölf Fachrichtungen. Ob der Zulassungsausschuss zustimmt, hier ein weiteres Ärztezentrum anzusiedeln, ist fraglich.

Und noch ein weiterer Punkt des möglichen Kompromisses wirft Fragen auf: Nämlich die, ob es sich für die Krankenkasse AOK - Eigentümer und Vermieter des Gebäudes, in dem sich heute das Haus der Gesundheit befindet - überhaupt noch lohnt, den Betrieb mit vier Ärzten aufrechtzuerhalten.

Mit Informationen von Sylvia Tiegs, Inforadio

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