
Nach Rückzug des Gründungspräsidenten - Neu formierte BTU gerät in Turbulenzen
Die Würfel sind gefallen: Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Jochen Zimmermann wird nicht als Gründungspräsident der neu formierten Lausitzer Hochschule BTU Cottbus-Senfenberg zur Verfügung stehen. Wie Zimmermann nach einem Gespräch mit Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) dem rbb am Montag sagte, habe es zu große inhaltliche Differenzen gegeben.
Jochen Zimmermann wird nicht Gründungspräsident der neu gegründeten Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg. Das sagte Zimmermann nach einem Treffen mit Wissenschaftsministerin Kunst (parteilos) am Montag in Potsdam dem rbb. Es gebe starke Differenzen zum Beispiel bei der inhaltlichen Ausrichtung der Studiengänge. Man habe sich nicht einigen können.
"Spring oder spring nicht"
"Ich hatte gehofft, wir kommen noch zu einer Einigung, dass wir zusammen die Reform der Universität angehen wollen. Ich hatte große Hoffnungen, dass wir uns da zusammenraufen, aber das ist leider nicht geschehen. Man hat mir ein Dokument unter die Nase gehalten und gesagt: "Spring oder spring nicht" - und das ist nicht die Art, die ich als Wertschätzung empfinde", sagte Zimmermann dem rbb.
Wissenschaftsministerin Kunst erklärte dem rbb, Zimmermann habe neue Themen eröffnen wollen, die bereits ausverhandelt waren. Dabei sei es aber nicht um finanzielle, sondern nur um inhaltliche Fragen gegangen. Sie sei zuversichtlich, dass das neue Verfahren zur Findung eines Gründungspräsidenten der BTU Cottbus-Senftenberg in den nächsten Monaten abgeschlossen werden könne.

Nachdem der geplante Vertragsabschluss zwischen dem designierten Gründungspräsidenten der Lausitzer Universität und dem Land Brandenburg in der vergangenen Woche gescheitert war, hatten die Beteiligten am Montag noch einmal miteinander reden wollen.
Für die Wissenschaftsministerin sei die Tür noch nicht ganz zu, hatte ihr Haus am Wochenende mitgeteilt. Zimmermann selbst hatte zuvor weitere Gesprächsbereitschaft erkennen lassen: "Es geht doch noch weiter mit der BTU, dem Ministerium und mir", bestätigte der Bremer Ökonom, nachdem er am Donnerstag letzter Woche überraschend kurz vor der Vertragsunterschrift einen Rückzieher gemacht hatte.
Als Grund wurden zunächst Differenzen über die Ausgestaltung des Dienstverhältnisses angegeben. So soll Zimmermann gefordert haben, einen Dienstwagen auch privat nutzen zu dürfen, was jedoch rechtlich nicht vorgesehen ist. Wie weiter bekannt wurde, soll Zimmermann zudem ein sehr viel größeres Präsidialbüro an der neu gebildeten Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg verlangt haben.

Zweifel, ob "Auto"-Forderungen der wahre Grund waren
Viele hatten jedoch an diesen Gründen gezweifelt. "Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass das der wahre Grund ist. Das ist meistens ein Grund, der vorgeschoben wird, weil man aus anderen Feldern nicht zu einer Einigung gekommen ist", erklärte der Landtagsabgeordnete Gregor Beyer (FDP) im rbb.
CDU-Landeschef Michael Schierack kritisierte in diesem Zusammenhang die Ministerin: "Wenn es hier nicht zu einer Lösung kommt, wäre es eine Katastrophe für die Region", erklärte Schierack in Brandenburg aktuell. "Deswegen hat die Minsterin volle Verantwortung, dass da was passiert, kompromissbereit zu sein, sich voll hinter den Präsidenten zu stellen, damit dieses Werk Universität in Cottbus-Senftenberg auch gelingt."
Wolfgang Krüger von der IHK Cottbus warnte, die Universität könne durch die Querelen Schaden nehmen: "Der Standort Cottbus-Senftenberg muss insgesamt darauf achten, dass er mit Blick auf die Wettbewerbssituation zwischen der Technischen Universität in Berlin und der Technischen Universität in Dresden nicht weitere Nachteile hinnehmen muss."
Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler hätte eigentlich am 1. Juni sein Amt antreten sollen. Er war Ende Januar vom erweiterten Gründungssenat der neuen Hochschule gewählt worden.



