
Dilek Kolat im Porträt - Ehrgeiz und viel Verhandlungsgeschick
Bei den Verhandlungen mit den Flüchtlingen am Oranienplatz hatte sie von Seiten des Senats die Chef-Verhandlerin und saß bei der Präsentation des Kompromissangebots direkt neben dem Regierenden Klaus Wowereit (SPD): die Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD). Wenn eine Lösung für die Flüchtlinge am Oranienplatz tatsächlich gelingt, könnte Kolat in der Erbfolge um den Posten des Regierenden Bürgermeisters weiter aufsteigen. Von Zonya Dengi
High Heels, elegante schwarze Kleidung und das Haar akkurat toupiert — Integrations- und Arbeitssenatorin Dilek Kolat achtet penibel auf ihr Äußeres — ganz gleich ob sie den Chef der Regionalen Arbeitsagentur trifft, wichtige Unternehmer in der Stadt oder Flüchtlinge. Letztere hat sie in den vergangenen Wochen und Monaten oft gesehen. Und mit ihnen verhandelt — meist hinter verschlossenen Türen: "Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich während der Verhandlungen keine Stellungnahmen abgebe. Das hat etwas mit Vertrauen zu tun. Erst wenn Ergebnisse vorliegen, werden wir sie Ihnen vorstellen."
Von der Verliererin zur Aufsteigerin
Es ist kein Zufall, dass Dilek Kolat die Chef-Verhandlerin in Sachen Flüchtlinge ist. Im Oktober 2012 gelang ihr der erste Durchbruch: Sie konnte erreichen, dass zwei Dutzend Flüchtlinge am Brandenburger Tor ihren Hungerstreik abbrachen und den Platz räumten. Ausgeräumt waren damit die Probleme jedoch nicht. Nun ging der Streit um das Flüchtlingscamp am Oranienplatz weiter. Innensenator Henkel drohte mit einer Auflösung. Kolat dagegen setzte wieder auf eine Lösung und bekam vom Regierenden Klaus Wowereit volle Rückendeckung dafür.
Dabei hatte Dilek Kolat seit ihrem Amtsantritt 2011 als Senatorin eher für negative Meldungen gesorgt: Sie galt als Verliererin bei den Haushaltsverhandlungen, weil ihr Etat deutlich gekürzt wurde. In der Arbeitsmarktpolitik konnte die studierte Wirtschaftsmathematikerin keine großen Erfolge vorweisen. Und bei der Wahl ihrer Mitarbeiter, bewies sie kein gutes Händchen: Zuerst verlor sie ihren Sprecher, dann feuerte sie ihren Staatsekretär. Dennoch trat die 47-Jährige selbstbewusst auf: "Also mir fällt jetzt kein Fehler ein."
Nachfolgerin von Wowereit?
Mit dem Kompromiss zum Flüchtlingscamp hat Kolat eine harte Nuss geknackt. Und sich damit als ernstzunehmende Kandidatin für die Nachfolge von Klaus Wowereit ins Spiel gebracht. Auch ihre Wiederwahl als Kreischefin von Tempelhof-Schöneberg Ende März dürfte damit Auftrieb bekommen. Zu den kursierenden Vorwürfen über Wahlmanipulationen hat sich Kolat bisher nicht geäußert.
Seit fast 20 Jahren mischt sie in der Berliner SPD mit, gehört mittlerweile zu den Schwergewichten in ihrer Partei. Für die in der Türkei geborene Politikerin ging es bisher nur in eine Richtung - nämlich nach oben. Dabei hatte Dilek Kolat als Grundschülerin von ihren Lehrern in Neukölln eine Hauptschulempfehlung bekommen. Ihre Bilderbuchkarriere kommentiert Kolat etwas kokett: "Auch wenn das jetzt nicht so glaubwürdig klingt, aber es ist wirklich nicht so, dass ich mir vor zehn, 15 Jahren genau überlegt habe — da will ich hin. Es hat mir immer Spaß gemacht und jetzt bin ich Senatorin. Das hat sich so entwickelt."

