
Vor allem der Süden betroffen - Brandenburg entwickelt ein ernsthaftes Meth-Problem
Vor ein paar Jahren machten die "Faces of Meth" Schlagzeilen: Fotos von US-Amerikanern, deren Gesichter durch die Abhängigkeit von Crystal Meth schwer gezeichnet waren. Die gefährliche, synthetische Droge wird inzwischen auch in Tschechien produziert und gelangt vor allem über Sachsen nach Brandenburg. Nun hat die Polizei neue Zahlen vorgestellt.
Die Modedroge Crystal Meth wird in Brandenburg zunehmend zum Problem. Die Polizei hat im vergangenen Jahr in 86 Fällen bei Kontrollen oder Wohnungsdurchsuchungen insgesamt 300 Gramm der synthetischen Droge beschlagnahmt. 2012 waren es 59 Fälle, bestätigte ein Polizeisprecher am Dienstag dem rbb. Die Ermittler erwischten damit mehr Konsumenten, fanden dabei jedoch nicht mehr Drogen: 2012 stellten sie den Angaben zufolge 350 Gramm sicher.
Grenzregion besonders betroffen
Erfolgreicher war das Jahr 2011: Bei 35 Durchsuchungen wurden damals rund 1,3 Kilogramm Crystal gefunden, so der Polizeisprecher. "Hintergrund ist, dass wir in Falkenberg bei einer gemeinsamen Durchsuchung mit sächsischen Kollegen einen einzelnen großen Fund sicherstellen konnten."
Die Ermittler beobachten die Ausbreitung der synthetische Droge vor allem in der Grenzregion zu Sachsen. "Die Straftaten beschränken sich im Wesentlichen auf den Süden Brandenburgs", sagte der Sprecher. Die Ermittler sehen die Region als Ausläufer der sächsischen Szene. Diese bezieht die Aufputschmittel vor allem aus Tschechien, wo sich der Großteil der Drogenlabore befindet. Über Sachsen breitet sich Crystal in den neuen Bundesländern und Bayern aus.
Laut Polizei bleibt der Missbrauch von Cannabis in Brandenburg aber das deutlich größere Problem. Etwa die Hälfte aller Drogendelikte wurden 2013 in diesem Bereich verzeichnet. Insgesamt stieg die Rauschgiftkriminalität laut Innenministerium im vergangenen Jahr um 10,5 Prozent auf 5173 Fälle. Der Anteil synthetischer Drogen - darunter vor allem Ecstasy - lag laut Polizei bei rund 28 Prozent.
Tschechien als Hauptproduzent
Crystal Meth ist nicht nur ein ostdeutsches Problem, die Droge breitet sich laut einer aktuellen Studie des Hamburger Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS) in großen Teilen Deutschlands weiter aus. Konsumenten sind demnach auch viele Menschen mit psychischen Störungen. "In den Problemregionen hat sich die Lage in den vergangenen Jahren nochmals zugespitzt", sagte der ZIS-Geschäftsführer, Ingo Schäfer am Montag.
Neben Bayern und Sachsen seien auch Thüringen und Sachsen-Anhalt betroffen. Auch in Berlin und Norddeutschland gebe es vermehrt Konsumenten, sagte Schäfer.
Drogen gegen Depression
Meth-Küchen sind in Brandenburg bisher allerdings noch keine entdeckt worden. "Wir gehen davon aus, dass die Droge aus Tschechien kommt", sagte Polizeisprecher Dietmar Keck dem rbb. Experte Schäfer bestätigte das am Montag. "Rund 30 Prozent aller Fälle in den Suchtberatungsstellen der grenznahen Gemeinden und Regionen betreffen Crystal", sagte Schäfer.
"Was uns überrascht hat, ist die leichte Verfügbarkeit in den betroffenen Regionen", so Schäfer. Laut der Studie bekamen gut 73 Prozent der Befragten den Stoff von Freunden und Bekannten.
In der Studie werden reihenweise Betroffene zitiert mit Motiven für den Konsum wie "Selbstmedikation bei Depression" oder "Meine Angststörung ist der für mich größte Konsumgrund". Schäfer sagte: "Wir brauchen für diese Gruppen spezielle Konzepte, die auch auf die posttraumatischen Störungen abzielen."
Crystal ist den Autoren der ZIS-Studie zufolge in viel größerem Maß als Speed zumindest in den betroffenen Regionen auch jenseits von Partys und Freizeit auf dem Vormarsch. Rund jeder Zweite gab an, die Droge rund um die Arbeit zu nehmen, rund jeder vierte rund um Schule oder Ausbildungsstätte.
![Drogenfund - eine Tüte mit Drogentests und die Droge Crystal [dpa] Drogenfund - eine Tüte mit Drogentests und die Droge Crystal [dpa]](/content/rbb/inf/av/programm/nahaufnahme/201305/189760/_jcr_content/image.img.jpg/rendition=original/size=320x180.jpg)


