Modell Gehry Partners (c) Gehry Partners, LLP

Planung am Alexanderplatz - Masterplan sucht neuen Master

Der neue Wohnturm am Alexanderplatz ist eine erste Abkehr vom 20 Jahre alten Alex-Masterplan. Nun setzen die Fraktionen von SPD und CDU nach: In einem gemeinsamen Antrag fordern sie das Abgeordnetenhaus dazu auf, diesen 20 Jahre alten Plan von Architekt Hans Kollhoff hinter sich zu lassen und den Alex endlich weiter zu entwickeln.

In das städtebauliche Trauerspiel am Alexanderplatz kommt Bewegung. Die Fraktionen von SPD und CDU wollen den Senat in einem Antrag auffordern, den Masterplan des Architektenteams Kollhoff/Timmermann aus dem Jahr 1993 zu überprüfen. Der Antrag wird am Donnerstag ins Abgeordnetenhaus eingebracht und anschließend in den Ausschüssen beraten, teilte SPD-Stadtentwicklungsexperte Daniel Buchholz rbb online mit. Der 20 Jahre alte Masterplan sei schlicht nicht mehr zeitgemäß. "Die alten Hochhaus-Pläne von Kollhoff/Timmermann können so nicht umgesetzt werden", erklärte Buchholz. Nun soll also nachgebessert werden.

Alex soll weiter ein Hochhausstandort bleiben

So seien heute einige markante DDR-Bauten als wichtiger Bestandteil des Alexanderplatzes anerkannt und in den letzten zwanzig Jahren intensiv weiter genutzt worden - insbesondere das Park Inn als ehemaliges Hotel Stadt Berlin, das Haus des Reisens und das Haus der Elektroindustrie, sagte Buchholz. In diese Gebäude sei nach der Wende viel Geld investiert worden - anders als es vom ursprünglichen Masterplan vorgesehen war.

Der Alexanderplatz soll gemäß Antrag der Fraktionen von SPD und CDU aber weiter ein Hochhausstandort bleiben. "Mit dem Koalitionsantrag wollen wir der Debatte um den Alexanderplatz neue Impulse geben", erklärte Buchholz rbb online. Der Alex sei Berlins größter Verkehrsknotenpunkt und müsse aufgewertet werden.

Erste Abweichungen vom Masterplan

Ende Januar 2014 wurde bekannt, dass der Alexanderplatz einen neuen Wohnturm bekommen wird und wie er aussehen soll. Nach einem Wettbewerb bekam der US-amerikanische Star-Architekt Frank Gehry den Zuschlag. Sein Turm unterscheidet sich deutlich vom alten Masterplan, den Hans Kollhoff einst für die Zukunft des Alex entwickelt hat.

Gehrys Entwurf stellt einen in sich verdrehten Turm dar: Auf einem Sockel sitzen leicht verrückt voneinander zwei weitere Blöcke. Das Gebäude hat den Grundriss eines Kleeblattes. Der "markante Turm", wie ihn Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bereits nannte, soll die Struktur der angrenzenden Karl-Marx-Allee mit ihren Zuckerbäckerfassaden aufnehmen und gleichzeitig den Abschluss der berühmten Magistrale bilden. "Der Entwurf von Gehry hat einerseits eine ausdrucksstarke Form und eine für diesen Standort ungewöhnlich exzentrische, neuartige Formsprache", lobte Lüscher. "Und doch strahlt seine Fassade eine angenehme Ruhe aus." Zudem füge sich der Entwurf gut in seine Umgebung ein und "vermittelt am besten den Aspekt des großstädtischen Wohnens".

Investoren schreckten vor der Herausforderung zurück

Etwas Besonderes ist der Turm schon jetzt, auch als Entwurf auf dem Papier: Schließlich wird er das erste Hochhaus von zehn sein, das Star-Architekt Hans Kollhoff vor gut 20 Jahren dem Alexanderplatz in seinem Masterplan verordnet hat - wenn es auch anders aussieht. Passiert ist seitdem allerdings nichts, Investoren schreckten jahrelang vor der Herausforderung zurück, der Plan gilt inzwischen als kaum noch realisierbar. Nun könnte ausgerechnet das erste neue Hochhaus am Alex auch das Ende seines ursprünglichen Masterplans einläuten.

Mehr zum Thema

Der Siegerentwurf von Gehry Partners, LLP (Gehry Partners, LLP)

Siegerentwurf für Alex-Hochhaus vorgestellt - Die neue Krone für Ostberlin

Er soll ein Abschied von der Vergangenheit sein: Der neue Wohnturm am Alexanderplatz. Nun steht fest, wie er aussehen soll - und er unterscheidet sich deutlich vom Masterplan, den Star-Architekt Hans Kollhoff einst für die Zukunft des "Alex"  entwickelt hat. Dessen Idee vom Wolkenkratzer-Kiez ist wohl passé - und doch wird Kollhoff weiter mitreden dürfen. Von Sebastian Schöbel-Matthey