
Schließung abgewendet - "Haus der Gesundheit" am Alex bleibt, schrumpft aber
Die Proteste der Patienten haben gewirkt: Das "Haus der Gesundheit" am Berliner Alexanderplatz wird nun doch nicht vollständig aufgegeben. Fünf der 20 Ärzte sollen am Standort bleiben - die anderen ziehen jedoch wie geplant um nach Marzahn.
Zehntausende Menschen, die rund um den Alexanderplatz aufgewachsen sind, kennen es seit ihrer Kindheit: Im 1913 erbauten "Haus der Gesundheit" behandeln Ärzte verschiedenster Fachrichtungen seit über 90 Jahren Patienten. Als vor rund einem halben Jahr die Nachricht von der bevorstehenden Schließung die Runde machte, schrieben viele Patienten wütende Protestbriefe – auch, weil jeder Dritte, der hier behandelt wird, schon über 60 Jahre alt ist.
Jetzt kann zumindest ein Teil der Patienten aufatmen. Der katholische Träger Alexianer und das Unfallkrankenhaus Berlin dürfen zum 1. Juli fünf der Arztstellen vom bisherigen Betreiber, der Sana-Gesundheitszentren GmbH, übernehmen. Drei Allgemeinärzte, ein Urologe und ein Gynäkologe sollen weiterhin im Haus der Gesundheit arbeiten dürfen. Einen entsprechenden Antrag billigte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) am Freitag.

Gründe für den Umzug fraglich
Ein Teil der Ärzte wird jedoch wie geplant zum 1. Oktober in ein neues Gesundheitszentrum in der Nähe des Unfallkrankenhaus Marzahn umziehen. Sana begründete diesen Schritt damit, dass das denkmalgeschütze Haus „keine ausreichende Entwicklungsmöglichkeit" zugelassen habe. Zudem gibt es Vereinbarung zwischen Krankenkassen und Kassenärztlicher Vereinigung, nach der das Gefälle in der ärztlichen Versorgung zwischen den Berliner Bezirken schrittweise ausgeglichen werden soll.
Mitte gilt - nach einer amtlichen Statistik - als "ärztlich überversorgt". Und in Marzahn würden dringend mehr Ärzte gebraucht - obwohl gerade das Unfallkrankenhaus über zahlreiche Ärzte verfügt. Einem Forscherteam der Berliner Beuth-Hochschule für Technik zufolge ist aber die Gegend um das "Haus der Gesundheit" keineswegs überversorgt, das Gebiet um das Unfallkrankenhaus Marzahn hingegen schon.
Schon ein Ärztezentrum am Unfallkrankenhaus Marzahn
Denn auch in Bezirken mit statistisch gesehen hoher Arztdichte wie etwa in Mitte gibt es Gegenden, auf die das nicht zutrifft. Und umgekehrt gibt es in Bezirken wie Marzahn, das insgesamt gesehen zu wenig Ärzte hat, durchaus Kieze mit vielen Ärzten. So gibt es in unmittelbarer Nähe des Unfallkrankenhauses Marzahn bereits ein Ärztezentrum mit Medizinern aus zwölf Fachrichtungen.


