Symbolbild: Klassenzimmer in einer Potsdamer Grundschule (Quelle: dpa)

Neubauprogramm beschlossen - Potsdam-Touristen sollen neue Schulen finanzieren

Potsdam ist eine Magnet für junge Familien, deshalb braucht die Stadt dringend neue Schulen: Gleich sechs davon sollen jetzt gebaut werden. Um die Baukosten von 160 Millionen Euro zu finanzieren, will die Stadt Grundstücks-Eigentümern tiefer in die Tasche greifen. Und die "Bettensteuer" für Touristen kommt jetzt doch.  Von Claudia Schmidt

Daniela Trapkowski hat selbst einen Sohn in der sechsten Klasse, sie arbeitet zudem ehrenamtlich im Kreisschulbeirat mit. Deswegen kennt sie alle Schulen in Potsdam und weiß, wo es derzeit besonders eng ist. „Die Rosa-Luxemburg-Schule war besonders krass, weil die wirklich noch alt ist. Auch die Grundschule in Eiche ist sehr eng,“ berichtet sie. Mancherorts müssten zwei Klassen in einem Raum unterrichtet werden, es gebe zudem Schulen, an denen der Sportunterricht im Freien stattfindet, weil in der Turnhalle nicht genug Platz sei.

Daniela Trapkowski und anderen Eltern war schon lange klar, dass das so nicht weitergeht. Zumal die Schülerzahlen sich bis zum Jahr 2020 fast verdoppeln werden auf 15.000. Die Stadtverordneten nickten deshalb am Mittwoch Abend den Bau sechs neuer Schulen ab.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) muss Steuern erhöhen, um die neuen Schulen zu finanzieren.

Breite Mehrheit für den Beschluss

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) freute sich über die breite Mehrheit für den Beschluss: „Das war vorher nicht so ersichtlich, aber offensichtlich haben die Argumente am Ende gefruchtet. Wenn wir das jetzt nicht beschlossen hätten, hätten wir nur verzögert beginnen können mit der Investition,“ sagte Jakobs.

Drei Grundschulen werden neu gebaut: am Bornstedter Feld, in Bornim und Am Stern. Dazu kommen eine Gesamtschule und zwei Gymnasien, eines davon in der Haeckelstraße. 160 Millionen kostet der Spaß. Das Geld soll durch Einsparungen zusammen kommen, aber auch die Potsdamer müssen tiefer in die Tasche greifen. Die Grundsteuer wird erhöht, dadurch steigen zum Beispiel die Mieten.

Übernachtungssteuer kommt nun doch

Aber auch die Potsdam-Besucher werden zur Kasse gebeten, mit der so lang diskutierten Übernachtungssteuer, die nun doch kommt. „Finanziert wird es ja durch ein ganzes Maßnahmenbündel, die Übernachtungssteuer gehört mit dazu. Insgesamt belasten wir dadurch die Grundstücks-Eigentümer hier in Potsdam weniger, das ist dann ja vielleicht auch ein ganz gutes Zeichen," begründete Oberbürgermeister Jakobs diese Maßnahme.

Mit Informationen von Anne Demmer

Beitrag von Claudia Schmidt

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